Der TVB ist weit weg von der Überraschung

Die Überraschung ist ausgeblieben im ersten Saisonheimspiel: Vor 5849 Zuschauern in der Porsche-Arena war der TVB 1898 Stuttgart bei der 20:26-Niederlage gestern Abend gegen den Deutschen Vizemeister Rhein-Neckar Löwen chancenlos. Der TVB biss sich an der starken Löwen-Defensive vor dem überragenden Torhüter Mikael Appelgren die Zähne aus.

Es hätte alles passen müssen für einen denkwürdigen Abend. Doch weder erreichte der TVB annähernd sein Top-Niveau, noch ließ es der große Favorit allzu locker angehen. Die Rhein-Neckar Löwen gingen von Beginn an konzentriert zur Sache und ließen keinen Zweifel aufkommen, wer die Porsche-Arena als Sieger verlassen würde.

Löwen waren jederzeit Herr der Lage

Die Mannschaft von Trainer Nicolaj Jacobson, der seine Spieler vor dem TVB gewarnt hatte, war jederzeit Herr der Lage. In prächtiger Spiellaune präsentierte sich dabei das Geburtstagskind: Andy Schmid zeigte wieder einmal, weshalb er als der wahrscheinlich weltbeste Spielmacher gilt. Er war selbst äußerst torgefährlich und setzte mit klugen Anspielen immer wieder seine Kollegen in Szene. Allen voran das Zusammenspiel mit dem neuen Kreisläufer Jannik Kohlbacher funktionierte bereits blendend.

Wenig Bewegung und halbherzige Würfe

Nach zwölf Minuten führten die Gäste mit 7:2. Der TVB tat sich ungemein schwer, Lücken zu finden in der sehr starken Löwen-Deckung um den Mittelblock Ilja Abutovic/Gedeon Guardiola. Es war zu wenig Bewegung im Spiel, die teilweise halbherzigen Würfe waren oft leichte Beute von Torhüter Mikael Appelgren. Der Schwede gewann das Torhüterduell mit Johannes Bitter klar. Das 5:9 durch Michael Schweikardt war nach 20 Minuten erst das dritte Feldtor für das Heimteam – viel zu wenig natürlich, um die Löwen ins Wanken zu bringen.

Siebter Feldspieler brachte Lücken

Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt versuchte es fortan mit dem siebten Feldspieler, um die Deckung der Löwen auseinanderzuziehen. Tatsächlich fand der TVB nun die eine oder andere Lücke, wenngleich die Aktionen nach wie vor nicht mit voller Überzeugung zu Ende gebracht wurden. Lukas von Deschwanden und Dominik Weiß fanden überhaupt nicht ins Spiel, der angeschlagene Michael Kraus kam lediglich bei Siebenmetern aufs Spielfeld. Mutig dagegen agierte David Schmidt, dessen Doppelschlag nach 25 Minuten das 8:11 bedeutete. Näher kam der TVB jedoch nicht heran, weil sich die Fehlerquote anschließend wieder erhöhte. Mit einem 3:0-Lauf zum 14:8 hielten die Löwen ihren Gegner auf Distanz und gingen mit der verdienten 14:9-Führung in die Halbzeit.

TVB ließ doppelte Überzahl aus

In den zweiten 30 Minuten hielt der TVB den Rückstand zunächst bei fünf Treffern, Sascha Pfattheicher verkürzte per Nachwurf zum 13:17 (36.). Eine doppelte Überzahl ließen die Bittenfelder dann aus. Als auch noch der durchschlagskräftigste Bittenfelder, David Schmidt, reihenweise an Appelgren scheiterte, bewegte sich die Partie vollends in die erwartete Richtung. Andy Schmid stellte mit dem 22:14 (45.) die erste Acht-Tore-Führung her, der TVB steuerte geradewegs auf eine Schlappe zu.

Schönstes Tor von Baumgarten

Elf Minuten vor dem Ende machte Jogi Bitter für Jonas Maier Platz, beim tollen Kempa-Tor von Valur Sigurdsson zum 24:15 (51.) war aber auch er chancenlos. Dann war Maier bei einem Siebenmeter des Isländers und dessen Wurf aus der Nahdistanz auf dem Posten und verhinderte so den zweistelligen Rückstand. Schlimmer wurde es nimmer für den TVB – im Gegenteil: Lukas von Deschwanden deutete in der Schlussphase sein Potenzial mit zwei Toren zum 17:25 und 18:25 an, Robert Markotic traf zum 19:25. Kohlbacher erzielte den letzten Gästetreffer, das schönste Tor des Abends blieb jedoch dem Bittenfelder Kapitän vorbehalten: Simon Baumgarten bugsierte den Ball per Rückhandwurf zum 20:26-Endstand ins Netz.

Kommendes Heimspiel gegen Wetzlar

Am Ende war’s ein standesgemäßes Resultat. Auch wenn sich der TVB etwas mehr versprochen hatte: Die Punkte muss er gegen andere Gegner holen. Beispielsweise im kommenden Heimspiel gegen die HSG Wetzlar am 6. September in der Scharren.

 

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (2), Weiß (1), Schagen (2/2), Schweikardt (2), Kraus (2/2), Späth (1), Markotic (1), Baumgarten (2), Röthlisberger, Burmeister, von Deschwanden (2), Pfattheicher (1), Schmidt (4).

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka; Schmid (6/1), Lipovina, Sigurdsson (6/2), Radivojevic, Tollbring, Abutovic, Mensah Larsen (1), Fäth (3), Groetzki (3), Guardiola, Petersson (2), Kohlbacher (5).

Quelle: ZVW/Thomas Wagner