Vorbericht

Der Meister zu Gast in Stuttgart

Liebe Handballfreunde,

herzlich willkommen in der Stuttgarter Porsche-Arena zum heutigen Spiel der DKB Handball-Bundesliga zwischen dem TVB 1898 Stuttgart und dem deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt. Begrüßen wollen hier in der Schwabenmetropole auch die europäische Spitzenmannschaft aus dem „hohen Norden“ sowie die mitgereisten Anhänger des Teams von der deutsch-dänischen Grenze. Grüß Gott sagen wir auch den beiden Schiedsrichtern der heutigen Partie. Wir wünschen ihnen ein glückliches Händchen und „gut Pfiff“.

Nichts für schwache Nerven sind derzeit die Spiele des TVB Stuttgart in der DKB Handball-Bundesliga. Dreimal unterlag das Team von Trainer Jürgen Schweikardt in den letzten vier Partien mit nur einem Tor Unterschied, in Ludwigshafen gab es jüngst gegen die Ludwigshafener Eulen immerhin noch einen Zähler. „Am Ende mussten wir noch über das Unentschieden froh sein“, räumte Schweikardt ein, der aber auch nicht verhehlte, mit dem Spiel seiner Mannschaft vor einer Woche in der Ludwigshafener Eberthalle überhaupt nicht zufrieden gewesen zu sein.

Anders war es beim Heimspiel gegen den TSV GWD Minden. „Hier hat uns einfach das nötige Quäntchen Glück gefehlt“, so der TVB Coach. Seine Mannschaft kam denkbar schlecht in die Partie, lag schnell mit 0:4 und 3:8 hinten. Doch dann berappelten sich die Gastgeber, kämpften sich bis zur Pause auf 14:15 heran. In der zweiten Halbzeit verkürzten die WILD BOYS immer wieder bis auf einen Treffer, der Ausgleich wollte aber einfach nicht fallen. Und das, obwohl Max Häfner einen ausgezeichneten Tag erwischt und neben David Schmitt sowie Bobby Schagen sechs Treffer erzielt hatte. „Max hat eine super Entwicklung hinter sich“, freute sich sein Trainer Jürgen Schweikardt.

Nun wäre der Geschäftsführer und Übungsleiter in Personalunion heute sicherlich mit einer knappen Niederlage oder gar einem Zähler gegen die SG Flensburg-Handewitt mehr als zufrieden. Doch ein Punktverlust des deutschen Meisters und Titelanwärters ist in Stuttgart eigentlich unvorstellbar. Dazu ist das Team von Trainer Maik Machulla, das man wegen seiner vielen Akteure aus Dänemark, Norwegen und Schweden getrost als eine Skandinavien-Auswahl bezeichnen kann, einfach zu stark besetzt. Die einzigen Deutschen in der Mannschaft des Titelverteidigers sind der Halblinke Holger Glandorf, Rechtsaußen Marius Steinhauser und Kreisläufer Johannes Golla. Torhüter Nummer eins beim Spitzenreiter ist Benjamin Buric, davor hält der Schwede Tobias Karlsson die Abwehr zusammen. Regie führt sein Landsmann Jim Gottfridsson. Vom Weltmeister Dänemark kommen unter anderem Rasmus Lauge, Lasse Swan und Kreisläufer Anders Zachriassen.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Spielerpersönlichkeiten spielte die SG Flensburg-Handewitt in der DKB Handball-Bundesliga eine makellose Vorrunde mit 34:0 Zählern, unterlag erstmals in der Rückrunde in Magdeburg sowie vor gut einer Woche im Nordderby beim THW Kiel und führt zurzeit die Tabelle mit nur vier Minuspunkten an. Zudem erreichten die Norddeutschen das Viertelfinale in der Champions League, wo man aber nach zwei Niederlagen (22:28 und 25:29) am ungarischen Vertreter Telekom Veszprem scheiterte.

Doch ob Champions League-Aus oder nicht: Die SG Flensburg-Handewitt ist eine absolute europäische Spitzenmannschaft. Das weiß auch Jürgen Schweikardt, wenn er nach der Partie gegen Minden betonte: „Wir freuen uns auf dieses Spiel“. Da die Flensburger, deren A-Jugend jetzt auch das Finale um die deutsche Meisterschaft erreichte, nur zwei Minuspunkte weniger aufweisen als der große Nordrivale THW Kiel, werden sie in Stuttgart sicherlich Vollgas geben. Zum einen, um die zwei Punkte mit an die Ostsee zu nehmen, und zum anderen könnte es auch noch um die Tordifferenz zwischen den Meisterschaftskonkurrenten gehen (das Kieler Torverhältnis ist derzeit um elf Treffer besser). In den verbleibenden zwei Partien gegen die Berliner Füchse und beim starken Aufsteiger Bergischer HC soll dann doch nichts mehr anbrennen für die SG Flensburg-Handewitt, sodass man nach dem letzten Spieltag am 9. Juni die Titelverteidigung feiern kann.

Doch verkriechen wie das Eichhörnchen vor der Schlange wollen sich die WILD BOYS dann doch nicht. „Kampflos werden wir die Punkte sicherlich nicht abgeben, auch wenn der Gegner übermächtig erscheint“, verdeutlicht TVB-Coach Jürgen Schweikardt. Vielleicht hat sein Team einen Lauf und knüpft an die gute Leistung aus der Heimpartie gegen die Berliner Füchse an. Dann wäre bei einem schwächeren Tag der Gäste vielleicht sogar eine kleine Überraschung drin. „Wir müssen dann da sein, wenn die SG schwächelt“, gibt Jürgen Schweikardt jedenfalls als Marschroute vor.

Freuen Sie sich auf spannendes und faires Handballspiel.

Ihr Joachim Gröser

Trainer Interview

Trainer Interview Maik Machulla

Herr Machulla, der neutrale Handballfan hat sich über die Spannung im Meisterschaftskampf gefreut. Ihre Mannschaft hat die Vorentscheidung versäumt. Wie lange haben Sie gebraucht um die Niederlage in Kiel abzuhaken?

Maik Machulla: Natürlich hatten wir uns das Spiel in Kiel etwas anders vorgestellt, aber ich finde, dass wir ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht haben und vieles umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben die positiven Dinge herausgearbeitet und gegen Melsungen die richtige Einstellung und Mentalität auf die Platte gebracht.

Insgesamt steht aktuell eine Saison mit lediglich zwei Niederlagen. Zusätzlich hat Ihre Mannschaft die Belastung der Champions League und des DHB-Pokals. Was ist Ihrer Meinung nach die besondere Herausforderung, um in so einer starken Liga ganz vorne zu stehen? Ist sie physisch oder psychisch?

Maik Machulla: Die Liga ist brutal ausgeglichen und du musst Woche für Woche ein Topniveau, sowohl mental als auch physisch, abrufen. Am Ende bildet die Physis die Grundlage, aber auch die richtige Mentalität und die Einstellung der Spieler ist entscheidend. Wir haben eine gute Art und Weise gefunden, mit der Mannschaft zu arbeiten. Wir treten in jedem Spiel als geschlossene Einheit auf, das ist bei diesem Rhythmus den wir haben das Wichtigste und gleichzeitig auch die größte Herausforderung.

Sie haben nun noch drei Spiele vor der Brust. Dem Spiel in Stuttgart folgen die Spiele zu Hause gegen Berlin und beim Bergischen HC. Sie könnten sich sicher ein angenehmeres Programm vorstellen. Welche Hürde fürchten Sie am meisten?

Maik Machulla: Es gibt in der Bundesliga keinen Gegner, den man besonders hervorheben muss, alle haben Qualität. Deshalb ist jedes Spiel für sich das schwerste.

Die Spiele in Stuttgart waren in den letzten Jahren immer klare Angelegenheiten für die SG. Welche Gründe sehen Sie, dass es in dieser Saison anders werden könnte?

Maik Machulla: Vielleicht vom Ergebnis her, aber klare Ergbenisse sind immer auch mit harter Arbeit verbunden. Das ist genau das, was heute wieder von uns gefordert wird.

Umgekehrt, was muss Ihrem Team gelingen, wenn es in Stuttgart als Sieger vom Platz gehen möchte?

Maik Machulla: Stuttgart hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung genommen, das ist ein großes Projekt, was dort entsteht. Wir müssen mit der gleichen Einstellung, mit der gleichen Spielfreude ins Spiel gehen, wie bisher in der ganzen Saison auch.

Spielbericht

Im letzten Viertel geht dem TVB die Luft aus

Um eine Weltklasse-Mannschaft wie die Flensburger zum Nachdenken zu bringen, muss alles passen. Das tat es bei den Stuttgartern im letzten Spiel in der Porsche-Arena nicht. Jeweils in den ersten 15 Minuten beider Spielabschnitte hielt der TVB ordentlich mit. Am Ende spielten die Gäste ihre individuelle Klasse und ihre Defensivstärke aus. Lediglich zwölf Feldtore erzielte der TVB in 60 Minuten, und davon waren nur fünf aus dem Rückraum. Zum Glück hatte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt einen nervenstarken Niederländer im Team: Bobby Schagen verwandelte sämtliche acht Siebenmeter eiskalt. Dabei kam der Rechtsaußen ausschließlich für diesen Standard aufs Spielfeld.

Bei den Flensburgern, die mit der 5:1-Deckung starteten, meldete sich der zuletzt verletzte Abwehrchef Tobias Karlsson zurück. Mit dieser Variante kam der TVB deutlich besser zurecht als zuletzt gegen die Eulen Ludwigshafen – und führte nach zehn Minuten mit 4:2. Die Gäste benötigten ein wenig Anlaufzeit. Einer indes war vom Start weg hellwach: Den wendigen Rasmus Lauge bekam der TVB kaum in den Griff. Der – erste – Führungstreffer zum 7:6 (15.) war bereits das fünfte Tor des dänischen Nationalspielers.

Das Heimteam blieb dran am Meister, auch wenn es immer wieder am guten Torhüter Benjamin Buric scheiterte, der das Duell gegen Johannes Bitter an diesem Abend klar gewann. Probleme hatten die Stuttgarter vor allem aus dem Rückraum. Dominik Weiß und David Schmidt erwischten keinen besonders guten Tag. Schagen brachte sein Team mit dem vierten Strafwurf auf 7:8 heran (18.), dann nutzte der Tabellenführer zehn torlose Minuten des TVB eiskalt aus und zog auf 12:7 davon (28.). Diesen Fünf-Tore-Vorsprung hielten die Flensburger bis zur Pause (14:9).

Nach dem Wechsel arbeitete sich der TVB heran. Nach Weiß’ erstem Tor zum 10:15 trafen Max Häfner, Samuel Röthlisberger und Schagen zum 13:16 (35.). Die Gäste legten wieder eine Schippe drauf zum 19:14 (40.). Noch einmal kam Hoffnung auf bei den Fans: Sascha Pfattheicher traf in Überzahl zum 15:19, ins leere Tor zum 16:19 – und ließ bei einem Konter die Chance liegen, auf zwei Tore zu verkürzen (43.).

Nachdem der Rechtsaußen nach dem 16:20 auch noch Pech hatte mit einem Lattenknaller, lief alles für den Favoriten. Während dessen Trainer Maik Machulla munter durchwechselte, war dem einen oder anderen TVB-Akteur der Kräfteverschleiß deutlich anzumerken. Die Beine und Köpfe wurden schwer. Flensburg hatte nun leichtes Spiel und enteilte zwischen der 42. und 55. Minute von 19:16 auf 27:18.

Der Widerstand des TVB gegen den übermächtigen Gegner war längst erlahmt. Am Ende stand die standesgemäße 20:30-Niederlage des TVB.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (1), Häfner (2), Weiß (1), Schagen (8/8), Schweikardt, Späth, Baumgarten (1), Röthlisberger (1), von Deschwanden, Pfattheicher (3), Schmidt (3), Foege, Wissmann.

SG Flensburg-Handewitt: Buric, Bergerud; Karlsson, Golla (1), Hald (2), Glandorf, Svan (1), Wanne (6/4), Jeppsson, Jondal, Steinhauser, Zachariassen, Gottfridsson (2), Johannessen (6), Lauge (7), Röd (5).

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