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Vorbericht

Ungewöhnlich: Beim Aufsteiger nur Außenseiter

Der Bergische HC ist das Überraschungsteam der Liga – und hat Chancen, in der nächsten Saison international zu spielen / TVB bangt um Schimmelbauer

In den meisten Spielen der Rückrunde hat der TVB 1898 Stuttgart überzeugende Leistungen gezeigt. Nicht immer jedoch wurden diese auch mit Punkten belohnt, so ging der TVB in den beiden aufeinanderfolgenden Heimspielen gegen Leipzig (29:32) und Berlin (33:34) zuletzt leer aus. Das ist ärgerlich, aber für den Trainer längst kein Grund, miesepetrig durch die Gegend zu laufen. „Sicherlich könnten wir in der Tabelle besser dastehen, wenn wir die beiden Spiele gewonnen hätten“, sagt Jürgen Schweikardt.

Gleichauf mit dem Neunten TBV Lemgo wäre der TVB, und die persönliche Bundesliga-Rekordmarke von 23 Punkten hätte er sechs Spieltage vor Schluss bereits um drei Zähler übertroffen. „Wir wollen am Ende der Saison die bestmögliche Platzierung“, sagt Schweikardt. Sie stehe allerdings angesichts der Ausgeglichenheit der Liga nicht im Vordergrund. „Ich denke, der 15. ist nicht viel schlechter als der Neunte, und der Neunte ist nicht viel besser als der 15.“ Wichtiger als die Platzierung ist Schweikardt die Leistung und Weiterentwicklung seiner Mannschaft. Und beides macht dem Coach Freude. „Wir spielen bis dato eine sehr, sehr gute Saison.“

Wie auch der kommende Gegner. Mit 72:6 Punkten waren die Bergischen Löwen unangefochten Meister geworden in der 2. Liga, folgerichtig zählten die Experten den Neuling vor der Saison nicht zu den heißesten Abstiegskandidaten. Auch, weil er sich mit Daniel Fontaine (FA Göppingen), Rafael Baena (Rhein-Neckar Löwen) und Jeffrey Boomhouwer (MT Melsungen) sehr gut verstärkt hatte. „Dass der BHC nichts mit dem Abstieg zu tun haben würde, war klar“, sagt Schweikardt. „Dass er aber sogar Richtung Europa blickt, war nicht zu erwarten.“

Die Löwen starteten mit 14:4 Punkten überragend in die Saison, nahmen unter anderem beim 31:30 die Punkte aus der Scharrena mit. Wie gegen die Füchse zuletzt, kassierte der TVB damals mit der Schlusssirene den finalen Gegentreffer per Siebenmeter. „Es war ein gutes Spiel, auch von uns“, erinnert sich Schweikardt.

Der BHC sei schnell in der Saison in einen „Flow“ gekommen und habe sich sehr konstant präsentiert. Auch die Negativserie von 2:10 Punkten hat das Team von Trainer Sebastian Hinze nicht aus der Spur gebracht. Im März beeindruckte es mit drei Auswärtssiegen in Folge: 30:27 in Göppingen, 29:22 in Gummersbach und 28:21 in Bietigheim. Anschließend zwang der BHC die MT Melsungen mit 25:24 in die Knie, beim THW Kiel (24:32) fehlte die Konstanz über 60 Minuten hinweg.

Besser lief’s in der vorgezogenen Partie am Donnerstag: Gegen den Mitkonkurrenten um die internationalen Plätze, die Füchse Berlin, setzte sich der Aufsteiger mit 28:26 durch und tauschte mit den Füchsen die Plätze. Entsprechend groß ist Schweikardts Respekt vor dem Gegner am Sonntag, der individuell stark besetzt sei. Mit dem schwedischen Spielmacher Linus Arnesson beispielsweise, dessen abwehrstarken Landsmann Max Darj – und natürlich mit dem Ex-Bittenfelder Rechtsaußen Arnor Gunnarsson. Auf der linken Außenbahn wirbelt der niederländische Nationalspieler Jeffrey Boomhouwer. Im Tor spielt das Gespann Christopher Rudeck/Bastian Rutschmann eine überzeugende Saison. In den Griff bekommen muss der TVB den bulligen Kreisläufer Baena und den Spielmacher Tomas Babak. Verzichten muss der BHC auf Daniel Fontaine, der sich vor eineinhalb Wochen die Achillessehne gerissen hat.

Schweikardt sieht sein Team in der mit 2700 Fans vermutlich ausverkauften Solinger Klingenhalle als Außenseiter. „Gegen Leipzig haben wir 45 Minuten, gegen Berlin 56 Minuten sehr gut gespielt. Jetzt brauchen wir 60 Minuten.“

Außer auf den operierten Robert Markotic muss der TVB wahrscheinlich weiterhin auf Tobias Schimmelbauer (Sprunggelenkverletzung) verzichten, auch wenn der Linksaußen unter der Woche wieder leicht trainiert hat.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW

Trainer Interview
Spielbericht

Der TVB verspielt in letzter Minute den Sieg

Fassungslos standen die Spieler und Verantwortlichen des TVB am Ende der 60 nervenaufreibenden Minuten auf dem Spielfeld. Einen Punkt hatten die Stuttgarter eigentlich schon sicher, und die Chance auf den Sieg und damit den Punkterekord in der Ersten Liga war groß. 19 Sekunden vor der Schlusssirene stand’s 28:28, TVB-Trainer Jürgen Schweikardt gab in der Auszeit die finalen Anweisungen. „Wir nehmen den Punkt mit und holen uns ganz am Ende noch einen Wurf“, sagte er.

So weit indes kam’s nicht. Beim Versuch, den freien Mann zu finden, leistete sich Dominik Weiß ein ungeschicktes Stürmerfoul. Max Darj versenkte den Schnellangriff zum 29:28-Siegtreffer des Bergischen HC. Der Aufsteiger darf damit weiterhin von der Europapokalteilnahme träumen.

Bis auf den Langzeitverletzten Robert Markotic trat der TVB in Bestbesetzung an. Tobias Schimmelbauer kehrte nach seiner Fußverletzung zurück und war gleich wieder einer der Besten im Team des TVB, der seine gute Form auch beim euphorisierten Aufsteiger bestätigte. Am Donnerstag erst hatten die Bergischen Löwen die Füchse Berlin niedergekämpft, nun sollten die nächsten Punkte eingefahren werden.

Doch der TVB machte es dem Heimteam immens schwer. Der gute David Schmidt brachte sein Team mit 3:2 und 4:3 in Vorteil. Bobby Schagen vergab dann per Strafwurf die Chance auf die erste Zwei-Tore-Führung: Er scheiterte am Ex-Bittenfelder Bastian Rutschmann. Mit einem schwachen Überzahlspiel brachte sich der TVB in die Bredouille, kassierte zwei Gegentreffer zum 4:6 (12.).

Die Gäste kämpften sich dank ihrer aufmerksamen Deckung aber zurück. Max Häfner glich zum 7:7 aus, Dominik Weiß traf zum 8:7 ins verwaiste Löwen-Tor (17.). Es entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie, in welcher der BHC im Angriff dank des umsichtigen und torgefährlichen Spielmachers Linus Arnesson leichte spielerische Vorteile hatte. Der TVB machte dies mit einer aufmerksamen Defensive wett.

Die beste Phase in den ersten 30 Minuten hatte der BHC zwischen der 20. und 23. Minute. Vom 9:9 stellte er auf 13:9. Der TVB hatte Probleme im Positionsangriff – und mit dem flinken und treffsicheren Ex-TVB-Spieler Arnor Gunnarsson. Das 14:10 war bereits das fünfte Tor des Rechtsaußens, Arnesson traf zum 15:11 (26.). Bis zur Pause verkürzte der TVB durch zwei Treffer von Schimmelbauer auf 14:16.

Auch im zweiten Spielabschnitt ließ der TVB die Löwen nicht enteilen. Einen großen Anteil daran hatte Jogi Bitter: Der Torhüter steigerte sich nach durchschnittlichem Start, Simon Baumgarten glich nach 38 Minuten vom Kreis zum 18:18 aus. Im Anschluss vergaben die Gäste gleich mehrmals die Chance zur Führung und rannten stets einem Ein-Tor-Rückstand hinterher.

Nach Schmidts siebtem Tor zum 26:26 nahm der Löwen-Trainer Sebastian Hinze eine Auszeit, ließ von der 6:0- auf die 5:1-Deckung wechseln. Den Platz nutzte Michael Schweikardt geschickt und sorgte mit dem verdeckten Wurf zum 27:26 für die erste Gästeführung seit dem 9:8. Nach dem Ausgleich durch Jeffrey Boomhouwer per Siebenmeter setzte sich Schweikardt gleich noch einmal toll durch – 27:28. Nachdem Manuel Späth mit einer spektakulären Aktion den Ball in der Abwehr stibitzt hatte, hielt der TVB alle Trümpfe in der Hand. Doch Schmidt scheiterte an Rutschmann und vergab damit die Chance zur Zwei-Tore-Führung und Vorentscheidung.

50 Sekunden vor dem Ende egalisierte Milan Kotrc zum 28:28 – und schließlich gab der TVB auch diesen einen Zähler noch leichfertig aus der Hand.

Bergischer HC: Rudeck, Rutschmann; Bettin, Darj (3), Petrovsky, Gunnarsson (8/3), Nippes (3/1), Kotrc (1), Baena (2), Fraatz, Babak (1), Szücs (1), Gutbrod (4), Arnesson (4), Boomhouwer (2/2), Criciotoiu.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (4), Häfner (1), Weiß (3), Schagen (3/3), Schweikardt (2), Späth (2), Baumgarten (2), Röthlisberger, von Deschwanden (2), Pfattheicher (2), Schmidt (7), Foege.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW

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