Vorbericht

Liebe Handballfreunde,

Beim 29:24 Erfolg der Nationalmannschaft gegen Polen in Halle (Westfalen) überzeugte Silvio Heinevetter und wurde von seinen Mitspielern gefeiert. Der Torhüter, der ab der Saison 2020/21 für die MT Melsungen zwischen den Pfosten stehen wird, ist wohl einer der bekanntesten Spieler der Berliner Füchse, die am Donnerstag in der SCHARRena ihre Visitenkarte abgeben werden. Vom Bekanntheitsgrad am nächsten kommen ihm sicherlich die deutschen Nationalspieler Paul Drux und Fabian Wiede. Im württembergischen Handball kein Unbekannter ist auch Trainer Velimir Petkovic seit seiner Zeit bei Frisch Auf Göppingen. Das Erreichen des REWE FinalFour in Hamburg war in diesem Jahr der Höhepunkt für den Hauptstadtverein, bei dem DHB-Vizepräsident Bob Hanning als Manager die Fäden zieht. Ein knappes 22:24 gegen den späteren Sieger THW Kiel verhinderte in Hamburg allerdings den Einzug ins Endspiel. In der DKB Handball Bundesliga läuft es in dieser Runde nicht so optimal für den ehemaligen Vereinsweltmeister. So steht bisher nur der sechste Tabellenrang zu buche. Dafür sorgte unter anderem während der Runde ein riesiges Verletzungspech verbunden mit einigen unerwarteten Niederlagen gegen Melsungen, Göppingen und in Leipzig. Auch die WILD BOYS nutzten im November letzten Jahres die Gunst der Stunde und gewannen in der Max-Schmeling-Halle mit 30:25. Dass die Berliner durchaus auch in die Phalanx der großen Vier einbrechen können, bewiesen sie in dieser Saison mit zwei Siegen gegen den Pokalfinalisten SV Magdeburg. In der letzten Runde gab es vor über 6000 total begeisterten Besuchern in der ausverkauften Porsche Arena ein 26:26 Unentschieden.

Genau daran wollen die WILD BOYS am Donnerstagabend in der SCHARRena anknüpfen und sich mit einer starken Leistung für die bisherige Unterstützung bei ihren Anhängern bedanken.

Freuen Sie sich auf spannendes und faires Handballspiel.

 

Ihr Joachim Gröser

Trainer Interview

INTERVIEW MIT VELIMIR PETKOVIC

INTERVIEW MIT VELIMIR PETKOVIC

 

Herr Petkovic, das Jahr 2019 läuft für Sie und die Füchse bisher sicher nicht nach Ihren Vorstellungen. Was sehen Sie als Hauptgrund für die vielen Niederlagen Ihrer Mannschaft?

Es ist schwierig hier jetzt eine vollständige Analyse zu machen. Natürlich machen wir für uns eine Analyse, jedoch ist diese nicht vollständig für die Öffentlichkeit. Einige Spieler sind verletzt von der WM zurückgekommen. Insgesamt waren knapp zehn Spieler abgestellt. Somit haben wir keine optimale Vorbereitung absolvieren können. Einige Spieler kamen zufrieden zurück, andere haben Enttäuschungen erlebt. Es war nicht so einfach die Mannschaft wieder auf die Bundesliga zu fokusieren. Wir sind dann in Lemgo mit drei verletzungsbedingten Ausfällen mit einer Niederlage gestartet und es wurde von Spiel zu Spiel schwieriger für uns.

Vor allem auswärts konnte Ihre Mannschaft im neuen Jahr noch gar nicht punkten. Was fehlt Ihrem Team bei den Auftritten in fremden Hallen, um etwas Zählbares mitzunehmen?

Da spielt auch das Selbstvertrauen eine große Rolle. In der Hinrunde haben wir einen sehr guten Lauf gehabt. In diesem Jahr haben wir auch in Hannover und Melsungen geführt. Jedoch läuft dort am Ende alles gegen uns und wir haben alle knappen Spiele verloren. Das war auch unglücklich und heißt nicht unbedingt, dass wir immer schlecht gespielt haben.

Wie sehen Ihre Ziele bis zum Saisonende aus, schließlich können Sie im EHF-Cup noch einen Titel gewinnen?

Der EHF-Pokal ist natürlich noch ein wichtiges Ziel. Aber auch die Bundesliga ist nicht weniger wichtig, weil wir im nächsten Jahr wieder international spielen wollen. Wir müssen also parallel versuchen den fünften Platz wieder zu erreichen, welcher vielleicht zur Teilnahme am EHF-Cup berechtigt.

Beim Spiel in Stuttgart treffen Sie Jahr für Jahr auf alte Bekannte aus Ihrer Zeit im Schwabenland. Wie eng sind Ihre Kontakte noch in den Süden?

Ich habe 10-15 Jahre in der Region gelebt und es war eine sehr schöne Zeit für mich. Ich pflege viele Bekanntschaften und viele Freunde leben dort. Ich besuche das Schwabenland, immer wenn ich Zeit habe. Aber es kommen auch Leute nach Berlin zu Besuch, denn nicht nur Sport ist hier zu erleben, sondern auch die Stadt lohnt sich. Ich freue mich immer wieder nach Stuttgart zu kommen, auch wenn es immer schwieriger wird dort zu spielen.

Mit Manuel Späth haben die Wild Boys einen Spieler in Ihren Reihen, den Sie sehr lange in seiner Karriere begleitet haben. Was schätzen Sie an Manuel besonders?

Es ist nicht nur Manuel, sondern auch Michael Schweikardt und Simon Baumgarten, welche eine Zeit bei mir gespielt haben. Aber mit Sicherheit ist das Verhältnis mit Manuel besonders. Ich habe ihn als unbekannten Spieler damals in Neuhausen auf den Fildern entdeckt. Danach habe ich ihn bis zum Nationalspieler geformt. Wir haben regelmäßig Kontakt und telefonieren miteinander. Ich freue mich ihn zu sehen und freue mich, dass es ihm so gut geht. Er hat im ersten Jahr in Stuttgart vielleicht nicht ganz so gut gespielt, aber jetzt hat er seine Leistung stabilisiert und man kann sehen, was seine Erfahrung für die Mannschaft wert ist.

Das Hinspiel gegen die Wild Boys ging für Sie in Berlin verloren. Was haben Sie damals bei den Blauweißen beobachtet, das Ihre Mannschaft nun unbedingt unterbinden muss? Was wird der Schlüssel zum Sieg?

Wir haben im Hinspiel vor allem Jogi Bitter nicht in den Griff bekommen, wie viele andere Mannschaften in dieser Saison auch. Er ist meiner Meinung nach die Lebensversicherung von Stuttgart. Außerdem war Mimi Kraus in dieser Phase der Saison in einer sehr starken Form, hat 10 oder 11 Tore gemacht und die ganze Mannschaft hatte einen Lauf. Wir hatten zudem einige Ausfälle und konnten so das Spiel damals leider nicht für uns entscheiden. Bis zum Spiel in Stuttgart haben wir jetzt zunächst noch das wichtige Spiel gegen Kiel in der Bundesliga und dann das EHF-Pokal Viertelfinale gegen Hannover, somit beschäftige ich mich noch nicht konkret mit dem Spiel gegen die Wild Boys. Wir werden aber mit Sicherheit gut vorbereitet nach Stuttgart kommen.

Spielbericht
Fantastisches Spiel des TVB mit traurigem Ende
Handball, 1. Bundesliga, Männer: TVB 1898 Stuttgart – Füchse Berlin 33:34 (18:15) / Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt ärgert sich über die Schiedsrichter

 

Gerechtigkeit gibt’s im Sport oft nicht, sonst hätte sich der TVB von den 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena zumindest mit einem Unentschieden verabschiedet. Nachdem der dänische Weltmeister Hans Lindberg mit der Schlusssirene den finalen Siebenmeter zum glücklichen 34:33-Sieg der Füchse versenkt hatte, kickte der TVB-Keeper Jogi Bitter den Ball enttäuscht ins Seitenaus. Seinem Trainer Jürgen Schweikardt genügten die 20 Minuten zwischen Spielende und Pressekonferenz nicht, um seine Nerven zu beruhigen. Er fühlte sich von den Schiedsrichtern um den Lohn gebracht (siehe Stimmen zum Spiel rechts).

 

Die Taktik, die sich Schweikardt für sein Team zurechtgelegt hatte, war klar: Mit Tempohandball sollte den Berlinern das Leben schwer gemacht werden – und dies funktionierte von Beginn an hervorragend. Der TVB ließ sich vom 2:4-Rückstand und der nach fünf Minuten bereits vierten Parade des Nationaltorhüters Silvio Heinevetter nicht aus der Ruhe bringen und nützte jede Gelegenheit, die Füchse durch die Scharrena zu scheuchen. Protagonisten waren vor allem der wie schon gegen Leipzig überragende Bobby Schagen und der mutige und spielstarke Max Häfner.

 

Schagen glich mit einem Doppelpack zum 4:4 aus (7.), Häfner brachte sein Team erstmals in Front (5:4/9.). Die Füchse holten sich anschließend jedoch die knappe Führung zurück, wobei sie zunächst Vorteile auf der Torhüterposition hatten. Heinevetter hielt stark, Bitter kam nicht so richtig auf Betriebstemperatur. Einen größeren Vorsprung erspielte sich der Favorit aber nicht, weil er sich im Angriff zu viele technische Fehler leistete. Nach 18 Minuten lag der TVB beim 10:9 wieder vorne – und legte sogar noch zwei Treffer nach durch Häfner und Simon Baumgarten zum 12:9 (20.). Der Füchse-Coach Velimir Petkovic bat seine offensichtlich vom Tempo und variablen Spiel des TVB überraschten Spieler zur Besprechung, doch das Heimteam blieb am Drücker. Häfner düpierte Heinevetter zum 14:11 und 15:11 (26.), Schagen konterte zum 16:12 (27.) und 17:13 (29.). Für die Füchse ging’s mitunter viel zu schnell, mit der verdienten 18:15-Führung ging der TVB in die Halbzeit.

 

Mit einer etwas offensiveren Deckung versuchte Berlin, nach der Pause das Tempo aus dem Spiel des Gastgebers zu nehmen. Der spielte aber weiterhin mutig drauflos. Die Berliner schafften es zunächst nicht, näher heranzurücken – und sie wurden nervös und ungeduldig. So musste Heinevetter, der sich zuvor bereits mehrfach beschwert hatte, für zwei Minuten auf die Bank – allerdings auch Michael Schweikardt (39.). Der TVB kam nun etwas aus dem Tritt, weil auch Manuel Späth eine Zeitstrafe aufgebrummt bekam. Lindberg verkürzte zum 24:25.

 

Den Ausgleich indes schafften die Füchse nicht – auch, weil Bitter nach 45 Minuten besser ins Spiel kam. Nach dem 28:27 gelangen dem TVB durch Dominik Weiß, bei den sich starke mit unglücklichen Szenen abwechselten, David Schmidt und Schweikardt drei Tore in Folge zum 31:27. Sieben Minuten vor Schluss wackelte der Favorit gewaltig. Allerdings nutzte er in der hitzigen Schlussphase seine individuelle Klasse – allen voran in Person von Mattias Zachrisson und Fabian Wiede. Die beiden verkürzten nach einem Fehlwurf und einem technischen Fehler des TVB zum 29:31, Simon Baumgarten lupfte den Ball gut vier Minuten vor dem Ende zum 32:29 ins Tor. Häfner zielte anschließend über den Kasten, Zachrisson besorgte das 30:33 und den 31:32-Anschluss. Dann scheiterte Weiß, Lindberg egalisierte im Gegenzug zum 32:32. Schmidts 33:32 ließ den TVB noch einmal träumen, doch Wiede glich aus und zog zudem eine Zeitstrafe gegen Weiß. Die letzte Chance zum Ausgleich vergab Lukas von Deschwanden. Bitter parierte den finalen Wurf von Johan Koch zwar, doch die Schiedsrichter hatten ein Foul gesehen und gaben Strafwurf. Lindberg blieb kühl und sicherte den Füchsen beide Punkte.

 

Der Frust war immens beim TVB. Einen kleinen Trost jedoch gab’s: Durch das Bietigheimer Remis gegen Wetzlar ist der Ligaverbleib auch theoretisch sicher.

 

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner (4), Weiß (7), Schagen (9/2), Schweikardt (2), Späth (3), Baumgarten (2), Röthlisberger, Kienzle, von Deschwanden (3), Pfattheicher, Schmidt (3), Wissmann, Foege.

 

Füchse Berlin: Heinevetter, Semisch; Wiede (7), Elisson (1), Holm (3), Struck (2), Mandalinic, Gojun, Lindberg (7/2), Zachrisson (6), Schmidt, Reißky, Koch (2), Marsenic (3), Drux (3).

 

Erneut in Top-Form präsentierte sich der TVB-Rechtsaußen Bobby Schagen (hier beim Wurf), der den deutschen Nationaltorhüter Silvio Heinevetter mehrfach düpierte (rechts Paul Drux). Nur knapp verpasste der TVB eine Überraschung gegen die Füchse Berlin.

 

Quelle: Thomas Wagner / ZVW
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