Vorbericht

Liebe Handballfreunde,

 

zum Osterfest begrüßt Sie der TVB Stuttgart zur Partie gegen den SC DHfK Leipzig in der Stuttgarter SCHARRena. Am gleichen Ort findet am Donnerstagabend auch die Begegnung mit den Füchsen Berlin statt. Zu den beiden Spielen heißen wir jeweils auch die Anhänger aus Sachsen sowie der deutschen Hauptstadt recht herzlich willkommen in der Schwabemetropole. Grüß Gott sagen wir wie immer auch den Schiedsrichtergespannen der beiden Partien. Wir wünschen ihnen ein glückliches Händchen und „gut Pfiff“.

 

Ende März gewann der TVB Stuttgart in der Kasseler Rothenbach-Halle mit 26:24 beim Tabellenfünften MT Melsungen. Für Trainer Jürgen Schweikardt was es „ein verdienter Sieg“. Seine Mannschaft habe dabei an der Leistungsgrenze gespielt, so der Coach der WILD-BOYS. Seither hat sich einiges getan im Handballsport und auch beim TVB Stuttgart. Der THW Kiel besiegte im Endspiel des REWE FinalFour den SC Magdeburg und gewann damit den DHB Pokal. Eine Woche später machte die deutsche Nationalmannschaft die EM-Qualifikation mit einem 29:24-Erfolg gegen Polen perfekt und ist auch nur noch theoretisch von Platz 1 in ihrer Qualifikationsgruppe zu verdrängen. Zur gleichen Zeit als das REWE Final Four in Hamburg stattfand, waren Michael „Mimi“ Kraus und Johannes „Jogi“ Bitter in der Fernsehshow „Verstehen Sie Spaß“ zu sehen. Im diesjährigen Wintertrainingslager in der Schweiz hatten sich die WILD BOYS an Kraus für dessen Streiche bitter gerächt und den Weltmeister von 2007 regelrecht zum Affen gemacht. Was mit „Mimi“ passierte, durfte in der Fernsehshow belächelt werden. Weniger Spaß hat zurzeit sicherlich Robert Markotic. Der rechte Rückraumspieler wurde nach einer Verletzung, die er sich in der Wintervorbereitung zuzog, operiert. Er wird dem TVB Stuttgart damit in dieser Runde nicht mehr zur Verfügung stehen. Für die harte Saisonvorbereitung soll er aber wieder fit sein.

 

Am heutigen Sonntag nun kann Markotic also seinen Mitspielern nicht helfen im Spiel gegen den SC DHfK Leipzig. Dafür wollen seine Mannschaftskameraden den Vereinsrekord in der DKB Handball Bundesliga brechen und mit einem Sieg die 23 Punkte Marke aus der Saison 2016/17 übertreffen. „Das wird allerdings kein Selbstläufer“, warnt TVB Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Mit erst 16 Zählern blieben die Sachsen bisher hinter ihren Ansprüchen zurück und gehörten lange Zeit sogar zu den Teams, die um den Klassenerhalt bangen mussten. Der Trainerwechsel von Michael Biegler zu André Haber brachte allerdings den gewünschten Erfolg. Mit aktuell 16 Punkten sind die Sachsen jetzt alle Abstiegssorgen los. Dafür sorgte mitunter auch der klare 32:27 Erfolg über die Füchse Berlin. Aber auch Frisch Auf Göppingen, die TSV Hannover-Burgdorf und die Rhein-Neckar Löwen bekamen unter anderem die Stärke der Sachsen zu spüren. Der TVB Stuttgart hielt sich allerdings schadlos, gewann am ersten Spieltag in Leipzig knapp mit 27:26. Dafür wollen sich die Sachsen nun heute sicherlich revanchieren. „Wenn wir gegen Leipzig gewinnen wollen, müssen wir ähnlich der Partie in Melsungen an unsere Leistungsgrenzen gehen“, schätzt TVB Coach Jürgen Schweikardt. Mit Franz Semper, der ab der Spielzeit 2020 für den amtierenden deutschen Meister und aktuellen Tabellenführer der DKB Handball Bundesliga, SG Flensburg-Handewitt, auflaufen wird,  Andreas Rojewski und Philipp Weber hat die Mannschaft von Trainer André Haber drei ganz starke Asse im Rückraum. „Da ist unsere Deckung voll gefordert“, schätzt Jürgen Schweikardt.

 

Beim 29:24-Erfolg der Nationalmannschaft gegen Polen in Halle (Westfalen) überzeugte Silvio Heinevetter und wurde von seinen Mitspielern gefeiert. Der Torhüter, der ab der Saison 2020/21 für die MT Melsungen zwischen den Pfosten stehen wird, ist wohl einer der bekanntesten Spieler der Berliner Füchse, die am Donnerstag in der SCHARRena ihre Visitenkarte abgeben werden. Vom Bekanntheitsgrad am nächsten kommen ihm sicherlich die deutschen Nationalspieler Paul Drux und Fabian Wiede. Im württembergischen Handball kein Unbekannter ist auch Trainer Velimir Petkovic seit seiner Zeit bei Frisch Auf Göppingen. Das Erreichen des REWE FinalFour in Hamburg war in diesem Jahr der Höhepunkt für den Hauptstadtverein, bei dem DHB-Vizepräsident Bob Hanning als Manager die Fäden zieht. Ein knappes 22:24 gegen den späteren Sieger THW Kiel verhinderte in Hamburg allerdings den Einzug ins Endspiel. In der DKB Handball Bundesliga läuft es in dieser Runde nicht so optimal für den ehemaligen Vereinsweltmeister. So steht bisher nur der sechste Tabellenrang zu buche. Dafür sorgte unter anderem während der Runde ein riesiges Verletzungspech verbunden mit einigen unerwarteten Niederlagen gegen Melsungen, Göppingen und in Leipzig. Auch die WILD BOYS nutzten im November letzten Jahres die Gunst der Stunde und gewannen in der Max-Schmeling-Halle mit 30:25. Dass die Berliner durchaus auch in die Phalanx der großen Vier einbrechen können, bewiesen sie in dieser Saison mit zwei Siegen gegen den Pokalfinalisten SV Magdeburg. In der letzten Runde gab es vor über 6000 total begeisterten Besuchern in der ausverkauften Porsche Arena ein 26:26-Unentschieden.

 

Genau daran wollen die WILD BOYS am Donnerstagabend in der SCHARRena anknüpfen und sich mit einer starken Leistung für die bisherige Unterstützung bei ihren Anhängern bedanken.

 

Freuen Sie sich auf spannendes und faires Handballspiel.

 

Ihr Joachim Gröser

Trainer Interview

IM GESPRÄCH MIT ANDRÈ HABER, TRAINER DES SC DHFK LEIPZIG

 

Herr Haber, im Jahr 2019 konnte Ihr Team bisher drei Siege verbuchen. Wie real ist nach dem Sieg gegen die Füchse Berlin für Sie noch die Abstiegsgefahr?

Solange wir das Thema rechnerisch nicht abgehakt haben, dürfen wir den Klassenerhalt auf keinen Fall in unsere Köpfe lassen, das ist sehr wichtig. Von daher sind wir gut beraten in den nächsten Wochen uns auf jedes Spiel einzeln zu fokusieren, von Spiel zu Spiel zu denken und so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Wenn der Zeitpunkt dann gekommen ist, ist das ein wichtiger Schritt. Davor lasse ich mich nicht zu unnötig euphorischen Äußerungen hinreißen. Außerdem sind wir nicht in der Situation, dass wir in irgendeiner Form nachlässig sein können. Die Saison war bisher für uns enttäuschend und wir wollen in den kommenden Spielen weiterhin Punkte sammeln, um diese Runde noch gut zu beenden.

Im Vergleich zu den Vorsaisons könnte ein außenstehender Betrachter die aktuelle Saison für den Leipziger Handball als enttäuschend ansehen, wie Sie es selbst auch erwähnt haben. Wie schätzen Sie die sportliche Leistung Ihres Teams in dieser Saison etwas konkreter ein?

Es gibt natürlich viele Wechselwirkungen, das ist logisch. Fakt ist, dass wir deutlich mehr Punkte holen wollten. Klar ist aber auch, dass es für eine Mannschaft mit jedem Nackenschlag durch eine 1-Tore-Niederlage nicht leichter wird und dadurch auch das Selbstbewusstsein nicht steigt. Dies ist in allen Bereichen so – ob als Profisportler oder in einem anderen Beruf. Mit Erfolgserlebnissen geht jeder leichter in die nächste Aufgabe, wobei wir von diesen Erfolgserlebnissen in dieser Saison einfach zu wenige hatten. Wer unsere Situation positiv sieht, erkennt das nur geringfügig negative Torverhältnis. Jedoch steht am Ende die Tatsache, dass wir aus vielen reellen Chancen Punkte zu holen, zu wenig tatsächlich geholt haben.

Mit der Heimniederlage gegen die Wild Boys hat Ihre Saison begonnen – mit Sicherheit kein Saisonstart wie Sie ihn sich vorgestellt haben. Was nehmen Sie aus dem Hinspiel noch in das kommende Aufeinandertreffen mit?

Wir wissen, dass die Spiele gegen Stuttgart immer hart umkämpfte Matches waren. Beide Mannschaften kennen sich aus den letzten Jahren sehr gut. Mit kaum einer Mannschaft in der Bundesliga verbinden uns so viele Gemeinsamkeiten. Der Weg beider Vereine verlief parallel in den letzten Jahren. Wir haben gemeinsam mit den Wild Boys in der zweiten Liga um den Aufstieg gekämpft und sind dann im gleichen Jahr aufgestiegen. Somit gab es das Duell Leipzig gegen Stuttgart regelmäßig in den letzten Jahren. Dies macht die taktische Vorbereitung vielleicht etwas leichter. Aus dem Hinspiel nehmen wir mit, dass wir eine konstante Leistung über die 60-minütige Spielzeit brauchen. Das war mit Sicherheit ein Manko aus dem Hinspiel.

Leipzig und Stuttgart trennen aktuell sechs Punkte. Mit einem Sieg kann Ihr Team nochmal ans Mittelfeld heranrücken. Was wird für Ihr Team wichtig sein, um in Stuttgart Punkten zu können?

Für uns wird es wichtig sein, dass wir sowohl im Angriff als auch in der Abwehr eine gute Leistung bringen. In unserem bisherigen Saisonverlauf hat oft eine der beiden Spielphasen gestochen, jedoch die andere nicht. Unser Ziel muss also sein in Angriff und Abwehr gleichermaßen stabil aufzutreten.

Die Weltmeisterschaft liegt nun einige Wochen zurück. Durch die Vergangenheit von Christian Prokop in Leipzig und Ihrer Zusammenarbeit dort hat sich mit Sicherheit Ihr Blickwinkel auf die Nationalmannschaft geändert. Wie haben Sie die WM erlebt und wie eng ist Ihr Kontakt zum Bundestrainer noch?

Ich war natürlich an der WM im eigenen Land sehr interessiert. Ich denke, dass es ein Turnier war, dass vor allem auch von den Zuschauern begeistert angenommen wurde. Ich selbst hatte das Glück zwei Spiele in der Halle zu erleben. Die Stimmung war fantastisch und es hat unglaublich Spaß gemacht, wie die deutschen Fans und auch die Fans aus anderen Ländern unsere Sportart gefeiert haben. Mein Kontakt mit Christian ist regelmäßig. Ich denke, das ist nach der vierjährigen Zusammenarbeit ganz normal.

Spielbericht

Starke rechte Seite reicht dem TVB nicht zum Sieg

Handball, 1. Bundesliga, Männer: TVB 1898 Stuttgart – SC DHfK Leipzig 29:32 (17:17) / Das Schweikardt-Team verspielt Drei- und Vier-Tore-Vorsprung

 

Das fröhliche Eiersuchen fiel aus für die Bittenfelder am Ostermontag. Vielmehr forschten Jürgen Schweikardt und sein Team am Vormittag bei der gemeinsamen Videoanalyse nach den Gründen für die Niederlage am Tag davor. Dabei sah sich der Trainer in seinem ersten Eindruck direkt nach Spielende bestätigt. „Es waren viele Kleinigkeiten, die in der Summe den Ausschlag gaben“, so Schweikardt. „Möglicherweise haben die letzten paar Prozent Aufmerksamkeit und Siegeswillen gefehlt.“ Dabei hatte der TVB, der außer auf Robert Markotic kurzfristig auf seinen Linksaußen Tobias Schimmelbauer (Sprunggelenksverletzung) verzichten musste, ordentlich in die Partie gefunden. Dominik Weiß glich den 0:1-Rückstand mit seinem 100. Saisontreffer aus und Bobby Schagen legte per Konter zum 2:1 nach. Der niederländische Rechtsaußen erwischte einen Sahnetag: Er traf vom Siebenmeterstrich, von außen und auch aus dem Rückraum bei zehn Versuchen neunmal. Ihn und David Schmidt (acht Tore) bekamen die Leipziger über 60 Minuten nicht in den Griff.

Mit einlaufenden Außenspielern versuchte der TVB, die Deckung der Gäste in Bewegung zu bringen. Per Nachwurf erzielte Max Häfner beim 7:5 die erste Zwei-Tore-Führung des Heimteams nach zwölf Minuten. Nach Schagens viertem Treffer zum 9:7 (16.) bat der Leipziger Coach André Haber sein Team zur Besprechung. Niclas Pieczkowski kam für Maximilian Janke, doch der TVB blieb spielbestimmend. Lukas von Deschwanden traf zum 12:8 (19.), Schagen zum 13:9 (21.) und 15:12 (25.).

Der TVB verpasste es in dieser Phase, sich einen noch größeren Vorsprung zu erspielen. Es schlichen sich vermehrt leichte Fehler ein, das Überzahlspiel war durchwachsen. Auch Jogi Bitter erreichte nicht die Form der jüngsten Spiele und machte fünf Minuten vor der Halbzeit für Jonas Maier Platz. Binnen sechs Minuten egalisierte Leipzig den Vier-Tore-Rückstand zum 16:16. Immer wieder kamen die Gäste über ihre guten Außenspieler Marc Esche und Patrick Wiesmach zum Erfolg. Mit seinem fünften Treffer sorgte Esche für den 17:17-Halbzeitstand.

Sehr gut kam der TVB aus der Pause zurück. Der unermüdliche Schagen legte per Dreierpack zum 20:18 vor (34.), Maier parierte drei schwierige Bälle. 22:19 (40.) und 24:21 (43.) führte der TVB, ehe er die Leipziger erneut ins Spiel brachte. Häfner kassierte eine unglückliche Zeitstrafe (44.). Und für Martin Kienzle, der aus dem Oberliga-Team in den Kader rückte, war nach 46 Minuten komplett Schluss: Er traf Wiesmach bei einer Abwehraktion, die Schiedsrichter Sebastian Grobe und Adrian Kinzel hielten Kienzle die Rote Karte unter die Nase.

„Das war ein bisschen unclever und vielleicht auch übermotiviert, da muss Martin einfach wegbleiben“, sagte sein Trainer am Tag danach. Spielentscheidend freilich war diese Aktion nicht, seltsamerweise jedoch verlor der TVB nun die Kontrolle. Der für den schwachen Milos Putera eingewechselte Leipziger Keeper René Villadsen lupfte den Ball zum 24:24-Ausgleich ins verwaiste TVB-Tor, der deutsche Nationalspieler Philipp Weber sorgte beim 26:25 (50.) für die erste Gästeführung seit dem 1:0.

Nachdem Lukas von Deschwanden – er erwischte auf der Spielmacher-Position wie Michael Schweikardt und Max Häfner keinen guten Tag – an Villadsen gescheitert war, überwand Wiesmach den inzwischen wieder eingewechselten Bitter zum 29:27 (54.). Mit diesem 8:3-Lauf hatte Leipzig das Spiel gekippt und Lunte gerochen. Franz Sempers 30:27 bedeutete die Vorentscheidung, auch wenn sich der TVB nicht geschlagen gab und noch am Punktgewinn schnupperte. Nach Schmidts 28:30 ließ Manuel Späth bei einem Konter frei vor Villadsen den 29:30-Anschluss liegen. Wiesmach machte im Gegenzug mit dem 31:29 den Deckel drauf (57.), Weber zeichnete für den 32:29-Endstand verantwortlich. 

„Uns war klar, dass Leipzig nicht schlechter auftreten würde als Melsungen“, sagte Jürgen Schweikardt. Trotzdem sei’s ärgerlich, dass sein Team das Spiel nicht nach Hause gebracht habe. „Wir waren eigentlich lange am Drücker und haben es immer wieder gut gemacht. Unterm Strich hat sich jeder einen oder zwei Fehler zu viel erlaubt.“

Am Montagmittag hakte Schweikardt das Leipzig-Spiel ab, die Vorbereitungen auf die nächste Partie standen an. An diesem Donnerstag (19 Uhr) gastieren die Füchse Berlin in der Scharrena. Ein Team, das den TVB sicherlich vor noch schwierigere Aufgaben stellen wird als Leipzig.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner (2), Weiß (4), Schagen (9/3), Schweikardt (1), Späth, Baumgarten (3), Röthlisberger, Kienzle, von Deschwanden (2), Pfattheicher, Schmidt (8).

SC DHfK Leipzig: Putera, Villadsen (1); Semper (5), Wiesmach (8/3), Rojewski (2), Jurdzs, Krzikalla, Binder, Janke (1), Pieczkowski (3), Roschek, Weber (4), Gebala, Milosevic (1), Esche (7).

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