Vorbericht

Rekordmeister zu Gast in Stuttgart

Am 21.03.2019 trifft der TVB Stuttgart auf den Rekordmeister der DKB-Handballbundesliga. Die Gäste aus dem Norden stehen derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz und somit auf Europakurs. In allen bisherigen Begegnungen mussten sich die Stuttgarter der Mannschaft aus Kiel geschlagen geben. Allerdings ist der TVB Stuttgart seit fünf Heimspielen ungeschlagen und so darf man auf eine Überraschung in der Porsche-Arena hoffen.

Interview

Interview mit Patrick Wienczek

Herr Wiencek, der THW Kiel hat sechs Punkte Rückstand auf den aktuellen Tabellenführer Flensburg. Wie optimistisch sind sie, dass Ihre Mannschaft noch eine Chance auf den Titelgewinn in dieser Saison bekommt?

Wir schauen erst einmal nur auf uns – und wir müssen uns auch nach hinten absichern. Für uns ist die Champions-League-Qualifikation richtig wichtig. Aber sollte Flensburg straucheln, wollen wir da sein und unsere Chance nutzen.

Bei der WM haben Sie mit der Nationalmannschaft die Deutschen begeistert. Teamgeist, Leidenschaft und sportliche Höchstleistungen sind herausragend präsentiert worden und vom Publikum so auch aufgenommen worden. Was hat sich seit der WM für Sie spürbar verändert?

Das Interesse ist auf jeden Fall größer geworden. Neu für mich ist zum Beispiel, dass ich auch außerhalb Kiels erkannt und angesprochen werde. Was mich insgesamt freut, ist, dass durch unsere Leistungen bei der WM wieder mehr Menschen auf Handball aufmerksam geworden sind.

Leider mussten Sie am Ende eines tollen Turnieres ohne Medaille nach Hause fahren. Wie haben Sie nach diesen Strapazen und dieser sportlichen Enttäuschung innerhalb kürzester Zeit wieder in den harten Bundesligaalltag beim THW gefunden?

Das musste relativ schnell gehen. Ich hatte drei Tage nach der Weltmeisterschaft gleich ein Testspiel mit meiner Mannschaft, dann kamen das Allstar-Game und sieben Pflichtspiele mit dem THW Kiel in 21 Tagen. Da blieb nicht viel Zeit, um Trübsal zu blasen. Und es blieb leider auch sehr wenig Zeit, um sich zu erholen.

Wie müssen sich die Fans das Zusammentreffen mit den anderen internationalen Stars nach solch einem Turnier vorstellen, schließlich trifft da grenzenloser Jubel auf große Enttäuschung?

In dem Moment, wo man sich als THW-Spieler wieder trifft, ist ein internationales Turnier schnell vergessen. Man beglückwünscht die erfolgreichen Spieler, hört sich noch ein paar Tage die eine oder andere Stichelei an – das war’s. Schließlich haben wir gemeinsam mit unserem Club auch große Ziele.

Viele Stars haben in den letzten Jahren die Bundesliga verlassen, da die Belastung auf Grund der Ausgeglichenheit der Teams höher ist, als in anderen Ländern. Was macht es für Sie aus in der Bundesliga zu spielen? Käme ein Wechsel ins Ausland für Sie in Frage?

Die Bundesliga ist und bleibt die stärkste Liga der Welt. Genau das ist die Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Es gibt keinen Gegner, den man mit 80 Prozent besiegen kann. Ich versuche, immer 100 Prozent für den Erfolg zu geben. Bis 2023 habe ich einen Vertrag in Kiel, ein Club im Ausland reizt mich nicht. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich habe.

Gegen die unteren Teams der Tabelle ist der THW Kiel in dieser Saison noch vollkommen schadlos. Worauf kommt es für Sie im Spiel gegen die Wild Boys an? Welche Stärken sehen Sie bei den Wild Boys?

Wir wollen uns auch in Stuttgart schadlos halten. Der TVB ist eine kampfstarke Mannschaft, die uns an einem guten Tag richtig ärgern kann. Wir wollen aber, dass es dazu nicht kommt, wollen mit einer starken Abwehr, starken Torhütern und einem starken Gegenstoßspiel dem Spiel unseren Stempel aufdrücken.

Die Abwehrarbeit ist bei der Nationalmannschaft in den Vordergrund gerückt worden. Wie viel Fokus wird beim THW auf die Abwehrarbeit gelegt und verschafft Ihnen das vor allem gegen die „kleinen“ Teams der Liga den entscheidenden, verlässlichen Vorteil?

Beim THW Kiel wurde schon immer viel wert auf eine starke Abwehrarbeit gelegt. Wir haben uns in den vergangenen Jahren gefunden, ergänzen uns defensiv prima. Unsere Abwehr ist einer der Garanten des Erfolgs, aber ohne einen ähnlich guten Angriff gewinnt man eben auch nicht. Die Balance ist das, was uns stark macht.

Spielbericht

Der TVB lässt die Zebras lange zittern…

Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat in der Porsche-Arena ordentlich Schweiß liegen lassen müssen. Vor 5760 Fans hielt der TVB 1898 Stuttgart bei der 27:30-Niederlage die Partie 50 Minuten lang offen und bestätigte seine derzeit gute Form. Erneut heraus stach dabei der Torhüter Johannes Bitter.

Eine Frage interessierte den Kieler Trainer, noch bevor die Pressekonferenz offiziell startete. „Wie viele Bälle hat Jogi eigentlich gehalten?“ 19, sagte die Statistik. „Darunter waren bestimmt 15 freie Würfe“, sagte Alfred Gislason und schnaufte erst einmal kräftig durch.

Das war zwar etwas übertrieben, eine Weltklasse-Leistung indes zeigte der Torhüter des TVB 1898 Stuttgart allemal. Wie schon in der Vorwoche im Derby gegen Bietigheim. Und auch seine Kollegen machten dort weiter, wo sie in Ludwigsburg aufgehört hatten: Sie präsentierten sich sehr selbstbewusst, konzentriert, kampf- und spielstark. Dabei waren die Voraussetzungen nicht besonders gut: Außer auf Robert Markotic musste der TVB auch auf seinen Spielmacher Michael Schweikardt verzichten, der über Schmerzen in der Schulter klagte.

Davon ließ sich das Heimteam aber nicht beirren – auch nicht vom schnellen 0:3-Rückstand nach drei Minuten. Der Tabellenzweite ließ zunächst keinen Zweifel daran, dass er das Spiel rasch in die richtigen Bahnen lenken wollte. Allerdings stießen die Zebras auf heftigen Widerstand des Außenseiters, der sich über die erneut starke Defensive ins Spiel kämpfte und nur drei Minuten bis zum 3:3-Ausgleich benötigte.

Der THW versuchte, den TVB mit seiner eingespielten und unangenehmen 3:2:1-Deckung zu Fehlern zu zwingen. Die indes hielten sich im Rahmen. Das Team von Trainer Jürgen Schweikardt fand vielmehr, angeführt vom Spielmacher Lukas von Deschwanden, immer wieder Lücken in der Gästeabwehr. Der wieder genesene Bobby Schagen, der ein starkes Spiel machte, traf beim 5:4 zur ersten Führung (8.). Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, welche der Favorit auch nach der 8:6-Führung nicht in den Griff bekam. Die Zebras scheiterten aus besten Positionen gleich reihenweise an Bitter, Dominik Weiß brachte den TVB beim 10:9 wieder in Vorteil, Max Häfner legte zum 11:9 nach (18.). Kiel holte sich die Führung mit einem 6:2-Lauf wieder zurück beim 16:14 (25.), David Schmidt und Weiß glichen zum überraschenden 16:16-Pausestand aus.

Die Kieler brachten im zweiten Abschnitt Andreas Wolff für Niklas Landin, doch auch der deutsche Nationalkeeper stand in Bitters Schatten. Kompakter jedoch agierte die Deckung des THW. Der TVB hatte jetzt in der Offensive große Mühe, leistete sich mehr Fehler und geriet mit 16:19 (35.) ins Hintertreffen (35.). Doch er kämpfte sich wieder heran, Schagen markierte den 19:19-Ausgleich (39.). Zur Führung reichte es allerdings nicht, weil der TVB nun zu viele gute Chancen liegen ließ. Gleich dreimal scheiterte er vom Siebenmeterstrich – und hatte auch Pech beim einen oder anderen Abpraller. Die Kieler nutzten ihre Routine, setzten sich vom 22:21 (45.) auf 25:21 ab (51.) und bekamen ein bisschen Ruhe in ihr Spiel. Nach Sascha Pfattheichers 25:28 hatte der TVB fünf Minuten vor dem Ende noch die kleine Chance auf die Überraschung, Lukas Nilssons Gewaltwurf zum 25:29 bedeutete jedoch die Entscheidung. Am Ende musste sich der TVB nach einem tollen Spiel mit 27:30 geschlagen geben.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (5), Häfner (2/1), Weiß (5), Schagen (5/1), Öhler, Foege, Späth, Baumgarten, Röthlisberger, von Deschwanden (2/1), Pfattheicher (3), Schmidt (5).

THW Kiel: N. Landin (1), Wolff; Duvnjak (2), Reinkind, M. Landin (1), Firnhaber, Weinhold (4), Wiencek (1), Ekberg (6/3), Rahmel, Dahmke (3), Zarabec (3), Bilyk (3), Pekeler (3), Nilsson (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW

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