Der TVB kämpft wieder einmal umsonst

Eine finale Chance noch hat der Handball-Erstligist TVB 1898Stuttgart, die angestrebte Rekord-Punktzahl zu erreichen. Nach der 23:26-Niederlage (10:13) bei der HSG Wetzlar ist allerdings klar, dass der TVB die vierte Saison in der ersten Liga zum zweiten Mal – nur – auf Rang 15 abschließen wird. „Das ist ärgerlich“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Die Partie vor 4279 Zuschauern in der Rittal-Arena war ein Spiegelbild der vergangenen Wochen: Der TVB war über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner, musste dem Gegner jedoch die Punkte überlassen. „Es haben wieder einmal ein paar Prozent gefehlt“, sagt der Trainer Jürgen Schweikardt. „Isoliert“ betrachtet, sei dies kein Problem. „Blöd ist aber, dass das jetzt in vielen Spielen in Serie so war.“

In Wetzlar zeigte sich, dass der TVB größere Verletzungssorgen nach wie vor nicht so einfach wegstecken kann. Dominik Weiß fehlte wegen einer Zahnoperation, David Schmidt war gehandicapt: Der Linkshänder leidet an einer Entzündung an der Leiste, stellte sich aber in den Dienst der Mannschaft – zum letzten Mal allerdings in dieser Saison. Im finalen Saisonspiel gegen den HC Erlangen am Sonntag (15 Uhr) in der Scharrena wird er nicht mehr dabei sein, sondern sich bereits seiner Reha widmen.

Ohne Weiß, Robert Markotic und mit einem „halben“ Schmidt fehlte dem TVB die Wurfkraft aus der Distanz. Michael Schweikardt, Max Häfner und Lukas von Deschwanden sollten es auf spielerische Weise richten. Das funktionierte phasenweise ganz gut. Allerdings war das Spiel der Stuttgarter dadurch recht leicht auszurechnen. Sie mussten für jeden einzelnen Treffer hart arbeiten.

Der TVB kam gut ins Spiel, lag bis zum 4:3 (10.) stets knapp vorne. Dann profitierte Wetzlar von zwei Fehlpässen der Gäste und holte sich beim 5:4 die erste Führung. Der TVB blieb aber – auch dank des starken Johannes Bitter im Tor – dran bis zum 7:8 (18.). Dann tauschte Wetzlar den Torhüter: Tibor Ivanisevic ersetzte den glücklosen Neu-Nationalspieler Till Klimpke.

Und der Wechsel zahlte sich aus: Beim 9:7 (20.) holte sich das Heimteam die erste Zwei-Tore-Führung und legte durch den wurfgewaltigen Stefan Cavor zum 12:9 nach (24.). Dieses Polster hielt die HSG bis zum 13:10-Pausenstand.

Mit deutlich mehr Zug und Tempo kam der TVB aus der Kabine, die Angriffe wirkten flüssiger. Er verkürzte mehrmals auf ein Tor (12:13/13:14/14:15/15:16/16:17). Zum Ausgleich indes reichte es nicht, weil Wetzlar stets eine Antwort parat hatte. Zudem verlor der TVB nach und nach seinen Vorteil auf der Torhüterposition.

Das Team von Trainer Jürgen Schweikardt kämpfte aber unverdrossen weiter – auch nach zwei weiteren Drei-Tore-Rückständen beim 17:20 (42.) und 19:22 (46.). Nach einer Auszeit (50.) brachte Bobby Schagen den TVB per Siebenmeter erneut heran (21:22). Simon Baumgartens Ausgleichstor erkannten die Schiedsrichterinnen Tanja Schilha/Maike Merz nicht an: Nach angezeigtem Zeitspiel spielte der TVB wohl einen Pass zu viel, Nils Torbrügge traf im Gegenzug zum 23:21 (54.).

Noch einmal hatten die Gäste die Chance, auf einen Treffer zu verkürzen. Doch von Deschwanden scheiterte bei der 7:6-Überzahl an Ivanisevic, der Keeper zirkelte den Ball zum 24:21 ins verwaiste Bittenfelder Tor (57). Olle Forsell Schefvert sorgte mit dem 25:22 für die Entscheidung, am Ende feierte Wetzlar den verdienten 26:23-Sieg.

Während sich die HSG auf Rang zehn verbesserte, blieb der TVB auf dem 15. Platz sitzen – und wird ihn auch am Saisonende inne haben. „Wir können es leider nicht ändern“, sagt Schweikardt. „Aber wir sind selbst schuld.“ Immer noch ärgert sich der Trainer über die unglücklich verlorenen Punkte gegen Berlin und den Bergischen HC, „da waren wir noch richtig gut in Fahrt“. Mittlerweile komme seine Mannschaft auf dem Zahnfleisch daher. Er sei aber nicht unzufrieden mit den Spielern, sie hätten wieder bis zum Schluss alles gegeben. Das sei nicht selbstverständlich, schließlich stünden etliche Spieler auf dem Platz, die den TVB verlassen. „Sie haben meinen Respekt.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW