„Rießenaufgabe für uns“

Die 19:32-Niederlage in Kiel hat der Handball-Erstligist TVB Stuttgart zügig zu den Akten gelegt, schließlich steht schon am Sonntag in Nürnberg das wichtige Duell beim Tabellennachbarn HC Erlangen an. Ob Jogi Bitter im Tor stehen wird, ist noch nicht sicher: Er hat sich am Knie verletzt, die endgültige Diagnose steht noch nicht fest.

Am Nikolaustag ist der TVB nicht eben reich beschenkt worden. Die ersten Probleme gab’s bereits bei der Anreise: Die Bremsen am ICE schwächelten, was zu einem rund zweistündigen Zwischenstopp in Frankfurt führte. „Wir waren zwar noch rechtzeitig in der Halle“, sagte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt am Tag danach. „Aber optimal war das natürlich nicht.“

20 Minuten nervte der TVB die Zebras

Auf dem Spielfeld bekamen die Bittenfelder immerhin acht Minuten Vorbereitungszeit zurück: Die Technik in der Sparkassen-Arena streikte. Der PC, der die Zeitnahme steuert, musste mehrfach heruntergefahren werden. Als es losging, war der TVB – im Gegensatz zu den Kielern – hellwach. Der Favorit war offensichtlich überrascht von der taktischen Variante des TVB, über weite Strecken den siebten Feldspieler einzusetzen. „Wir wussten, dass wir unter normalen Umständen keine Chance haben würden gegen die derzeit vermutlich beste Abwehr der Liga“, so Schweikardt. „Dann stellt sich die Frage, ob man es über sich ergehen lassen möchte oder ob man etwas versucht.“

20 Minuten nervte der TVB die Zebras damit, dann ließ der Favorit die Muskeln spielen. Allen voran Andy Wolff. Der Nationalkeeper lief zu großer Form auf und spielte bei etlichen freien Chancen der Bittenfelder der Spielverderber. „Wenn wir nur ein paar Freie reinmachen, hätten wir ein einstelliges Ergebnis erreichen können“, so Schweikardt. „Das wäre unter diesen Voraussetzung in Ordnung gewesen.“ So waren’s am Ende 13 Treffer. „Wir müssen es aber auch einfach mal anerkennen, dass das eine andere Welt ist.“

An Wolffs Niveau kam Johannes Bitter nicht herab – so lange er im Tor des TVB stand. Nach 36 Minuten fuhr den Verantwortlichen der Schreck in die Glieder: Der Torhüter, erst von einer schweren Rückenverletzung genesen, blieb nach einem Zusammenprall mit Domagoj Duvnjak liegen. Nach dem Spiel humpelte er in die Kabine, auch am Freitag lief er nicht rund. Eine genaue Diagnose gab’s am Tag danach noch nicht, die Kernspintomographie erfolgt erst an diesem Samstag. Bitter geht jedoch davon aus, dass er nicht längerfristig ausfallen wird – wenn überhaupt. Die Schmerzen sei nicht so schlimm, allerdings zwickt’s auch im Knöchel.

Nach mäßigem Start kommt Erlangen so langsam in Tritt

Während die Kieler erst wieder in zwei Wochen im Einsatz sind, steht der TVB bis dahin vor zwei bedeutenden Spielen gegen den HC Erlangen an diesem Sonntag (16 Uhr) und am Donnerstag (19 Uhr/Porsche-Arena) gegen den Aufsteiger SG BBM Bietigheim.

Nach dem Aufstieg in der Saison 2015/2016 überraschte der HC Erlangen mit Rang neun. Im zweiten Jahr hatte er zu knabbern, mit Rang 13 lief’s längst nicht mehr so gut. Mit ein Grund war das Verletzungspech, das den HCE ereilte. So fiel der Neu-Nationalspieler Nicolai Theilinger komplett aus, auch Johannes Sellin fehlte lange. In eine vergleichbare Situation wollen die Franken nicht noch einmal kommen, sie stockten den Kader quantitativ und qualitativ auf. Der Rechtsaußen Florian von Gruchalla kam aus Gummersbach, der Kreisläufer Petter Överby aus Kopenhagen. Der Hüttenberger Dominik Mappes soll den Spielmacher Michael Haaß entlasten.

Die Erlanger erwischten einen schwachen Saisonstart. Auf den 30:22-Auftaktsieg gegen Gummersbach folgten vier Niederlagen in Folge, ehe mit dem 25:23-Erfolg in Ludwigshafen der zweite Sieg gelang. Im Anschluss blieb das Team von Trainer Adalsteinn Eyjolvsson erneut vier Partien punktlos, ehe es den TBV Lemgo mit 28:25 bezwang. Zuletzt gab’s zwei Siege in Folge beim 24:23 gegen Leipzig und 26:24 am Donnerstag in Bietigheim. Mit weiteren Erfolgen gegen den TVB und Ludwigshafen kurz vor Weihnachten wären die Erlanger wieder in der Spur.

„Das wird eine Riesenaufgabe für uns“

Gut besetzt ist der HCE im Tor mit dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Nikolas „Katze“ Katsigiannis und Goradz Skof, wurfgewaltig ist der Rückraum mit Nico Büdel, Nicolai Link und Christoph Steinert.

„Das wird eine Riesenaufgabe für uns“, sagt Schweikardt. „Wir erwischen Erlangen nicht gerade zu einem günstigen Zeitpunkt.“ In der vergangenen Saison verlor der TVB sein Heimspiel, nahm aber im Rückspiel zwei wichtige Punkte mit nach Hause. „Wir müssen wieder kompakter verteidigen, das ist uns in Lemgo und Kiel nicht immer so gut gelungen.“ Dass der TVB mit einer ähnlich miesen Wurfquote wie in Kiel auch in Nürnberg chancenlos sein wird, ist unstrittig.

Nicht im Kader stehen wird Michael Kraus nach seinem Handbruch. Sollte Bitter ausfallen, dürfte Nick Lehmann nachrücken. David Schmidt ist wieder gesund.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW