Schimmelbauer soll Abwehr stabilisieren

Nach der enttäuschenden Leistung in Lemgo wartet auf den Handball-Erstligisten TVB Stuttgart an diesem Donnerstag mit der MT Melsungen ein robustes und ambitioniertes Team. Ziel der Nordhessen ist Platz fünf. Der wiedergenesene Tobias Schimmelbauer soll die zuletzt etwas schwachbrüstige TVB-Defensive stabilisieren.

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Die Verletzung von Michael Kraus hat den TVB bei der 24:29-Niederlage in Lemgo aus der Spur gebracht – und sie ist natürlich auch in diesen Tagen noch das große Thema. „Für uns ist das der härteste Verlust, weil Mimi in überragender Verfassung war“, sagte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die MT Melsungen. Der Spiralbruch an der – mittlerweile operierten – rechten Hand wird den 35-Jährigen mehrere Wochen auf Eis legen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, im wichtigen Heimspiel gegen Gummersbach, möchte der Weltmeister bereits sein Comeback feiern.
Mindestens fünf Spiele also muss der TVB ohne seinen besten Torschützen auskommen – und die Aufgaben im Team neu verteilen. Auf Kraus habe in den vergangenen Wochen viel Verantwortung gelastet, so Jürgen Schweikardt. „Mimi hat sie auch an sich gerissen, aber das macht ihn ja so wertvoll.“ Kraus’ Ausfall schmerzt den TVB, doch der Trainer gibt sich kämpferisch. „Wir haben auch ohne Mimi noch genügend Power und können unsere Punkte holen.“ Bis auf weiteres jedenfalls müssen andere Spieler in die Bresche springen und die Regie übernehmen. Allen voran Michael Schweikardt und Lukas von Deschwanden.

Im Angriff muss sich der TVB neu ausrichten – und in der Abwehr braucht er dringend wieder mehr Körperlichkeit. In Lemgo stand die Defensive den Gegnern zu häufig Spalier. „Wir wissen alle, dass wir da sehr schlecht waren, und arbeiten daran“, so Schweikardt. An diesem Donnerstag müsse das Zweikampfverhalten „um zwei Klassen“ besser sein als in Lemgo. „Zumal da eine ganz andere Gewalt auf uns zukommen wird.“
Die MT Melsungen zählt seit Jahren zu den körperlich stärksten Mannschaften der Liga. Da trifft es sich gut, dass der abwehrstarke Tobias Schimmelbauer nach überstandener Rippenprellung in den Kader zurückkehren wird. Für Max Häfner indes wird ein Einsatz aufgrund von Rückenbeschwerden wahrscheinlich noch zu früh kommen.

Das dritte Sorgenkind dürfte auch mitmischen: Der Linkshänder David Schmidt klagte zuletzt über Kniebeschwerden. „Ich gehe davon aus, dass wir eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen werden“, sagte Schweikardt. „Die brauchen wir auch gegen einen Gegner, der richtig gut in der Saison drin ist.“
Nach zuletzt zwei siebten Plätzen haben sich die Melsunger für die aktuelle Saison einen Platz unter den ersten fünf zum Ziel gesetzt. Exakt diesen nimmt das Team von Trainer Heiko Grimm nach 14 Spieltagen auch ein. Dabei war der Saisonstart mit der 23:28-Heimniederlage gegen den SC Magdeburg danebengegangen. Den Kürzeren zog die MT auch gegen die Top-Teams Rhein-Neckar Löwen (26:34) und THW Kiel (20:37) sowie etwas überraschend beim 27:32 in Minden.Nach Stuttgart indes reist Melsungen mit fünf Liga-Siegen in Folge an. Und das, obgleich Grimm seit Wochen auf seine verletzte Rückraum-Achse Julius Kühn/Michael Müller/Timm Schneider verzichten muss. Die Spieler hinter diesem Trio jedoch haben ihre Aufgaben bis jetzt sehr gut erledigt. Finn Lemke, eigentlich Abwehrspezialist, ersetzt Kühn im linken Rückraum. Simon Birkefeldt, dänischer Neuzugang, kommt im rechten Rückraum immer besser zurecht als Back-up für Michael Müller. Mit enormer Durchschlagskraft ausgestattet ist der kroatische Nationalspieler Domagoj Pavlovic, der vor der Saison aus Zagreb kam.
Stark besetzt sind die Melsunger auch im Tor mit den Auswahlspielern Nebojsa Simic (Montenegro) und Johan Sjöstrand (Schweden). Weitere Stützen sind die deutschen Nationalspieler auf den Außenpositionen, Tobias Reichmann und Michael Allendorf. Der Kader der Melsunger ist so üppig ausgestattet, dass der TVB-Gegner auch den einen oder anderen Ausfall und ein bisschen Terminstress wegstecken kann. So mussten die Melsunger am Dienstag im vorgezogenen DHB-Pokal-Viertelfinale beim THW Kiel antreten. Beim Rekordmeister hatten sie bei der 19:31-Niederlage (8:19) keine Chance. Schlimmer indes als der verpasste Einzug ins Final Four traf die MT Melsungen die schwere Verletzung von Domagoj Pavlovic. Schon nach 30 Sekunden, im ersten Angriff überhaupt, verletzte er sich bei einem Zusammenprall und musste rund eine Viertelstunde auf dem Spielfeld versorgt werden. Es besteht der Verdacht auf Schien- und Wadenbeinbruch im rechten Bein.

Mit diesem Schock im Gepäck ging’s für die MT mit dem Flugzeug direkt nach Stuttgart. In der Scharrena ist der Tabellenfünfte klarer Favorit. „Wir müssen schauen, was Melsungen anbietet“, sagt Jürgen Schweikardt. „Wenn es so spielt wie in den vergangenen Wochen, wird es sehr schwer für uns.“ Wichtig sei, dass sein Team mit einer aggressiven und engagierten Spielweise die Fans mitnehme.
Das eine oder andere Mal hat das ja auch schon funktioniert. Beispielsweise gegen Melsungen in der vergangenen Saison. Zum Auftakt überraschte der TVB die als Geheimfavoriten gehandelten Melsunger und zwang sie vor 5800 begeisterten Fans in der Porsche-Arena mit 29:27 in die Knie.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW