Doppelt bitter für TVB: Pleite und Kraus verletzt

Es ist ein bitterer Abend gewesen für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart im Lipperland: Bei der 24:29-Niederlage (12:15) gegen den TBV Lemgo zeigte der TVB eine dürftige Leistung. Noch härter aber trifft das Team die Verletzung von Michael Kraus: Nach 25 Minuten musste der bis dahin überragende Weltmeister mit Verdacht auf Mittelhandbruch vom Spielfeld.

Der Schock saß wohl zu tief bei den Spielern des TVB. Jedenfalls lief just von diesem Moment an nichts mehr zusammen, nachdem ihr Leader und gefährlichster Spieler die Partie mit geschienter Hand von der Bank aus betrachten musste. Was der Weltmeister da zu sehen bekam, war ein über weite Strecken fahriger, ängstlicher Auftritt seiner Kollegen. Abgesehen vom vor allem in den ersten 30 Minuten starken Torhüter Johannes Bitter und Robert Markotic boten die Stuttgarter viel zu wenig, um den gewiss nicht überragenden Gegner auch nur ansatzweise in Schwierigkeiten bringen zu können. Ein Sonderlob indes gebührt dem erst 17-jährigen A-Jugendspieler Max Oehler, der ein kurzes, aber sehr überzeugendes Bundesliga-Debüt feierte.

Der TVB startete vor 3260 Zuschauern unkonzentriert. Nach der 3:2-Führung (6.) leistete er sich fünf einfache technische Fehler und drei Fehlwürfe. Lemgo drehte die Partie zum 6:3 (12.). Mit einem Doppelschlag verkürzte Kraus auf 5:6 (14.). Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, in dem sich der TVB jedoch sowohl in der Abwehr als auch im Angriff schwer tat. Hinten gab’s vor allem auf den Halbpositionen erhebliche Lücken. Vorne waren die Aktionen zu sehr auf Kraus fixiert, der Kreis und die Außen wurden überhaupt nicht bedient.

Kraus Treffer zum 11:11 (25.) war zugleich dessen finale Aktion. Nach einem Schlag auf die Wurfhand war die Partie für ihn beendet – und für den TVB auch mehr oder weniger. In den letzten fünf Minuten vor der Pause stand er komplett neben sich. Lemgo nützte die Schlafmützigkeit zum 15:11 (29.), beim Drei-Tore-Rückstand (12:15) zur Pause war aber noch alles drin.

Theoretisch, denn der TVB geriet nach der Halbzeit rasch auf die Verliererstraße. Es funktionierte überhaupt nichts mehr, die Lemgoer spazierten durch die Gästedeckung und zogen auf 18:12 (34.) weg. Der TVB versuchte es mit dem siebten Feldspieler und zwei Kreisläufern – ohne Erfolg. Es passte nichts zusammen, zudem bissen sich die Gäste am starken TBV-Keeper Peter Johannesson die Zähne aus. Beim 20:16 (39.) bestand trotz der mageren Darbietung noch die Hoffnung auf einen Endspurt, doch der TVB bekam die Kurve nicht mehr. Im Gegenteil: Binnen neun Minuten schraubte Lemgo den Vorsprung mit einem 7:1-Lauf auf 27:17 (48.). Der TVB schlitterte geradewegs in ein Debakel.

Dazu indes kam’s nicht. Erstens, weil Lemgo das Tempo reduzierte und munter durchwechselte. Zweitens wollte sich der TVB wohl doch nicht demütigen lassen. Für einen Lichtblick an einem traurigen Abend sorgte Max Oehler: Sechs Minuten vor dem Ende durfte der A-Jugendliche aufs Spielfeld und erzielte drei blitzsaubere Tore bei der verdienten 24:29-Niederlage.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW