Der Traum des TVB endet schon nach 15 Minuten

Nach zwei Siegen in Folge sind die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart hart gelandet: Vor 5840 Fans in der Porsche-Arena unterlag der TVB dem SC Magdeburg nach desolaten ersten 30 Minuten mit 27:40 (9:23). Im zweiten Spielabschnitt steigerte sich das Schweikardt-Team und verhinderte ein Debakel gegen den Tabellenzweiten.

Die zuletzt starken Leistungen gegen Hannover und in Berlin hatten Hoffnung gemacht, dass der TVB auch dem Titelkandidaten zumindest ein bisschen auf die Füße treten könnte. Davon indes war der Tabellenzehnte am Donnerstagabend ziemlich weit entfernt. Nach einer Viertelstunde stand der Sieger beim 4:12 im Grunde fest.

Nach dem schnellen 1:3-Rückstand glich der TVB zum 3:3 (4.) aus. In den folgenden elf Minuten jedoch stand das Heimteam komplett neben sich. Die Angriffe wurden schlampig vorgetragen, die Anspiele an den Kreis landeten regelmäßig beim Gegner, die Abschlüsse glichen eher Rückgaben oder landeten deutlich neben oder über dem Kasten der Gäste. Wenn sich die Gelegenheiten zur schnellen Mitte oder zum Kontern ergaben, nutzten das die Magdeburger. Ansonsten bauten sie ihre Angriffe mit Bedacht auf und fanden gegen die vor allem im Mittelblock löchrige Stuttgarter Deckung stets einen freien Mann.

Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt brachte den siebten Feldspieler, doch seine Spieler bekamen keine Sicherheit – im Gegenteil: Zweimal versenkten die Gäste den Ball im leeren TVB-Gehäuse. Auch die Auszeit beim 5:15 nach 20 Minuten verpuffte. Egal, welches Personal der Trainer aufs Feld schickte: Es klappte nichts. Die Fehlerquote blieb immens hoch, die abschlusssicheren Magdeburger hatten leichtes Spiel gegen ihren unkonzentrierten Gegner. Auch der nach 20 Minuten für Jogi Bitter eingewechselte Jonas Maier stand klar im Schatten des starken Gegenübers Jannick Green.

Der TVB schlitterte geradewegs in ein Debakel. Nach 16 Fehlwürfen und zwölf technischen Fehlern stand die Quittung nach 30 ernüchternden Minuten auf dem Anzeigenwürfel – 9:23.

Im zweiten Spielabschnitt ging’s in diesem Stil zunächst weiter. Nach 37 Minuten lagen beim 11:29 stattliche 18 Tore zwischen den beiden Teams. Schlimmer indes wurde es nimmer. Erstens, weil die Magdeburger natürlich nicht mehr mit finaler Konsequenz agierten. Zweitens aber auch, weil die TVB-Spieler ihr Herz in beide Hände nahmen und sich gegen das Desaster stemmten. In der Deckung packten sie endlich energischer zu, Maier bekam den einen oder anderen Ball zu fassen. Und vorne schloss der TVB beherzter ab. Michael Kraus, der im ersten Spielabschnitt noch unglücklich agiert hatte, näherte sich seiner Form der jüngsten beiden Spiele und war am Ende mit neun Treffern wieder der erfolgreichste Werfer.

Nach und nach kämpfte sich der TVB heran. Sieben Minuten vor dem Ende war der 18-Tore-Rückstand auf zehn Treffer reduziert, Simon Baumgarten sorgte beim 27:36 (56.) für das erträgliche einstellige Resultat. Dabei blieb’s zwar nicht, weil die Stuttgarter in der Schlussphase vier Tore in Folge kassierten zum 27:40-Endstand.

Tröstlich aber ist, dass der TVB die zweiten 30 Minuten mit einem Tor gewann, Moral bewies und die Fans einigermaßen versöhnte. Zwei Wochen hat der TVB nun Zeit, sich zu sammeln vor der Partie beim TBV Lemgo. Der hat zwar bei weitem nicht die Klasse der Magdeburger. Geschenke, wie sie der TVB am Donnerstag verteilte, dürfte er aber sicherlich gerne annehmen.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner, Weiß (3), Schagen (2/2), Schweikardt (1), Späth (1), Kraus (9/1), Markotic, Baumgarten (2), Röthlisberger, von Deschwanden (3), Burmeister, Pfattheicher (3), Schmidt (3).

SC Magdeburg: Green, Quenstedt; Musa (6), Chrapkowski (2), Musche (7/3), Kluge (1), Pettersson (7), De la Pena, Jimenez (4), Molina (2), Christiansen, Lagergren (6), O’Sullivan (1), Bezjak (2), Weber (1), Damgaard (1).