TVB will präsent sein, sollte den Füchsen die Luft ausgehen

Die Berliner werden von großen personellen Sorgen geplagt, zuletzt fehlten gleich neun Spieler.

Der dritte Saisonsieg beim 37:34 gegen den TSV Hannover-Burgdorf hat für etwas Entspannung gesorgt bei den zuletzt nicht eben erfolgsverwöhnten Erstliga-Handballern des TVB 1898 Stuttgart. An diesem Feiertag (19 Uhr) geht’s in die Hauptstadt. Die personell extrem gebeutelten Füchse Berlin, Dritter der vergangenen Spielzeit und EHF-Pokalsieger, sind für den TVB normalerweise eine Nummer zu groß. Andererseits: In der Vorsaison knöpfte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt dem Favoriten immerhin einen Punkt ab.

Die Rhein-Neckar Löwen, der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt zählten vor der Saison zu den heißesten Titelkandidaten. Außenseiterchancen wurden den Füchsen Berlin und dem SC Magdeburg eingeräumt. Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt hatte die Berliner sogar ganz oben auf der Rechnung. Dass das Team von Trainer Velimir Petkovic nach zehn Spielen sechs Punkte hinter der Spitze zurückliegt, hat weniger damit zu tun, dass die Erwartungen zu hoch waren: Angesichts des beispiellosen und anhaltenden Verletzungspechs haben sich die Füchse sogar prächtig geschlagen. Gleich neun Spieler mussten oder müssen ersetzt werden. Zu den bereits vor der Saison Langzeitverletzten Simon Ernst, Stipe Mandalinic und Marko Kopljar gesellten sich während der Runde noch Paul Drux, Fabian Wiede, Kevin Struck, Mattias Zachrisson, Christoph Reißky und Johan Koch.

Auf gleich vier Linkshänder müssen die Füchse verzichten. „Das ist schon hart“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Umso beeindruckender sei’s, wie die Berliner zuletzt auftraten. Die Rhein-Neckar Löwen hatten beim 28:25-Sieg gegen „ramponierte“ Berliner (Schweikardt) größte Mühe. Die guten Auftritte seien auch ein Verdienst von Trainer Velimir Petkovic, so Schweikardt. „Petko schafft es immer wieder, egal, welches Spielermaterial er zur Verfügung hat.“ In Mannheim rückten etliche Spieler aus der A-Jugend nach und erledigten ihre Aufgabe ordentlich. „Wenn viele Spieler fehlen, schweißt das eine Mannschaft auch zusammen“, sagt Schweikardt. „Jeder weiß, dass er Fehler machen darf, das gibt Sicherheit.“

Trotz des ausgedünnten Kaders haben die Füchse noch eine Reihe von Weltklassespielern in ihren Reihen: den deutschen Nationaltorhüter Silvio Heinevetter beispielsweise, den Abwehrchef Jakov Gojun, den Rechtsaußen Hans Lindberg oder Erik Schmidt am Kreis. Neu im Team sind die jungen Nationalspieler Jacob Holm (Dänemark) und Wael Jallouz (Tunesien).

Sicherlich hätten die Berliner zu kämpfen mit der Misere, so Schweikardt. Je länger sie dauere, desto schwieriger werde es, die Verluste zu kompensieren. Eben hier liegt die Chance für den Außenseiter. „Wir hoffen, dass die Füchse mal keinen so guten Tag erwischen.“ Erste Voraussetzung für eine Überraschung sei jedoch, dass seine Mannschaft an die Leistung aus dem Hannover-Spiel anknüpfe. „Wir müssen ähnlich durchschlagskräftig sein – und besser verteidigen.“ In der vergangenen Saison klaute der TVB den Berlinern in der ausverkauften Porsche-Arena beim 24:24 – nach 17:12-Halbzeitführung – einen Punkt. Auch im Hinspiel verkaufte sich der TVB bei der 24:26-Niederlage teuer.

Der TVB-Trainer kann vermutlich sein bestes Team mit nach Berlin nehmen. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz des kränkelnden Rechtsaußens Sascha Pfattheicher.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW