Effektivität, Spielglück, Turbo-Kraus

Der Handball-Erstligist TVB Stuttgart hat in dieser Saison schon ordentliche Spiele abgeliefert, die Punkte indes nahm meist der Gegner mit. Gegen Hannover belohnte sich das Team von Jürgen Schweikardt. „Es war klar, dass es für viele Gegner schwer wird, wenn wir weniger Fehler produzieren“, sagt der Trainer am Tag nach dem 37:34-Sieg in der Scharrena.

Der dritte Sieg im zehnten Spiel war Balsam für die Seele der Bittenfelder, die sich zuletzt mit einer immens hohen Fehlerzahl meist selbst im Weg gestanden hatten. Am Donnerstagabend erlebten die Fans einen ganz anderen TVB, allen voran in den ersten 30 Minuten trumpfte er mit einer überragenden Effektivität auf: Lediglich drei Fehlwürfe und zwei Passfehler wies die Statistik beim 19:13-Halbzeitstand aus.

Erstaunlich waren diese Werte auch, weil der TVB ein hohes Risiko ging: Mit Geschwindigkeit und druckvollen Aktionen ging das Team zu Werke, anstatt mit ruhigem Aufbauspiel Sicherheit in seine Aktionen zu bekommen. „Es stand nicht zur Disposition, dass wir vom Tempohandball abrücken“, sagt Jürgen Schweikardt. Auch wenn diese Art, Handball zu spielen, nicht immer zum Erfolg geführt habe.

18 Toren von Michael „Mimi“ Kraus

Gegen Hannover ist der Plan aufgegangen. Vielleicht auch, weil der Gegner im dritten Spiel binnen fünf Tagen etwas müde und unkonzentriert war. „Es mag sein, das Hannover belastet war“, sagt Schweikardt. „Ich glaube aber nicht, dass man in der ersten Liga einen Gegner kaputtlaufen kann.“ Dazu seien die Mannschaften zu clever, könnten gegebenenfalls das Tempo verschleppen oder Angriff-/Abwehrwechsel vornehmen, um Kräfte zu sparen. Entscheidender Faktor für den Trainer war, „dass wir endlich das Spielglück hatten, das einfach dazugehört, das kann man nicht planen“. Bisher sei der TVB diesbezüglich nicht eben reich gesegnet gewesen. „Es war aber klar, dass in dieser Saison nicht alles gegen uns laufen kann und wird.“

Anders als in vielen Partien davor trug der Mann des Abends ein Stuttgarter Trikot. Mit seinen unglaublichen 18 Toren hat Michael „Mimi“ Kraus den Bundesliga-Rekord um drei Treffer verpasst. In der Saison 2008/2009 traf Stefan Schröder vom HSV Hamburg beim 43:16-Sieg gegen den Stralsunder HV 21-mal. In der Rangliste liegt Kraus hinter Schröder, Herbert Lübking (20) und Jerzy Klempel (19) gemeinsam mit Stefan Lövgren (18) auf Rang vier.

Der perfekte Zeitpunkt

„Mimi hat natürlich einen wesentlichen Teil zum Sieg beigetragen“, sagt Schweikardt. Er habe es verdient, für diese außergewöhnliche Leistung entsprechend gewürdigt zu werden. „Wir wissen, wozu Mimi in der Lage ist, wenn’s bei ihm läuft, diesmal hat er richtig einen rausgehauen.“

Zum perfekten Zeitpunkt für den TVB, der sich ein bisschen Luft verschafft hat zu den Abstiegsrängen. „Wir brauchen nicht drumrumreden“, sagt Schweikardt. „Wenn wir dieses Spiel nach so einer guten Leistung verloren hätten, hätte uns das in unserer Lage sicher einen Schlag versetzt.“

Zehn Spiele, drei Siege, ein Unentschieden: Es ist eine Bilanz, mit der Schweikardt leben kann – „auch wenn man immer mehr Punkte haben kann“. Der TVB bewege sich im Bereich seiner Leistungsfähigkeit. „Es war vor dem Spiel gegen Hannover nicht alles schlecht, und jetzt ist auch nicht alles gut“, sagt Schweikardt.

In der Länderspielpause gilt’s nun, Kraft zu sammeln vor den nächsten schwierigen Aufgaben in Berlin und gegen Magdeburg.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW