Ergebnis in Ordnung, Leistung nicht

Mit sechs Toren gegen den Deutschen Vizemeister und Supercup-Sieger zu verlieren, ist keine Tragödie. „Das Ergebnis ist in Ordnung“, sagt Jürgen Schweikardt, Trainer des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart nach der 20:26-Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen. „Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass wir das Spiel länger offen halten können.“

20 eigene Tore in einem Spiel reichen in der Bundesliga in den seltensten Fällen zu einem Sieg – und schon gar nicht gegen ein Team mit einer derartigen Offensivkraft, wie sie die Rhein-Neckar Löwen aufs Spielfeld bringen. Die neutralen Fans in der Porsche-Arena – und natürlich die Mannheimer –, erfreuten sich an der spielerischen Leichtigkeit und Raffinesse, mit der die Löwen ihre Angriffe vortrugen. Initiiert in der Regel vom genialen Schweizer Nationalspieler Andy Schmid. „Die Löwen spielen auf den Punkt genau, und Andy ist mit das Beste, was es auf der Welt gibt“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Schweikardt: Der Respekt war zu spüren

Es war Pech für den TVB, dass der Löwen-Regisseur an seinem 35. Geburtstag die Trickkiste ganz weit öffnete und sein Team schon früh auf die Siegerstraße brachte. 7:2 stand’s nach zwölf Minuten für den Favoriten. „Wir hatten uns vorgenommen, nicht zu viel Respekt zu zeigen“, sagt Schweikardt. „Er war aber doch zu spüren.“ Der Match-Plan jedenfalls war rasch Makulatur: „Wir wollten an unsere Leistungsgrenze und schauen, was möglich ist.“

Siebter Feldspieler bringt kurzzeitig Erfolg

Die klaren Verhältnisse waren auch der Grund dafür, dass die Stimmung unter den über 5800 Fans in der Porsche-Arena eher gedämpft war. „Wir haben es nicht geschafft, die Fans mitzunehmen“, so Schweikardt, der sich mit der Zuschauerresonanz in der Ferienzeit „sehr zufrieden“ zeigte.

Weniger schmeckte dem Trainer dagegen, wie seine Spieler über weite Strecken der Partie die Angriffe aufzogen. „Wir sind nicht in den Spielfluss gekommen und haben den Ball nicht am Laufen gehalten.“ Die Löwen-Deckung hatte so meist leichtes Spiel. In der Not „opferte“ der TVB seinen Torhüter Johannes Bitter und brachte den siebten Feldspieler. „Das war eigentlich nicht geplant, aber es hat uns geholfen, ein bisschen besser ins Spiel zu finden.“

Aus dem Rückraum kam viel zu wenig

Auf Dauer freilich funktionierte dieses taktische Mittel nicht, weil die meisten TVB-Spieler ein gutes Stück weg waren von ihrem Leistungsvermögen. Viel zu wenig kam beispielsweise aus dem Rückraum. Robert Markotic und Dominik Weiß erwischten einen schwachen Tag. Dem Neuzugang Lukas von Deschwanden fehlt noch die Bindung. Und weil Michael Kraus noch geschont wurde, lag die Last auf den Schultern von Michael Schweikardt und David Schmidt. Beide hatten gute Aktionen, in Summe war dies allerdings viel zu wenig, um den Löwen ein halbwegs gleichwertiger Gegner zu sein.

Sechs Zeitstrafen für den TVB

Erschwerend hinzu kam, dass die Schiedsrichter Stefan Schneider und Colin Hartmann nach Schweikardts Geschmack bei der Verteilung der Zeitstrafen hier und da zweierlei Maß anlegten. Vor allem bei den Zweikämpfen der TVB-Abwehr mit Kreisläufer Jannik Kohlbacher hätten die Unparteiischen zu schnell zugunsten des Löwen entschieden. „Kohlbacher kämpft ja auch mit allen Mitteln.“ Am Ende standen beim TVB sechs Zeitstrafen auf dem Zettel, bei den Badenern lediglich zwei.

Bitter parierte 24 Prozent der Würfe

Nicht nur in diesem statistischen Wert hatte der TVB das Nachsehen. Die knapp 53 Prozent gehaltener Bälle von Mikael Appelgren sind ein Weltklassewert, Johannes Bitter parierte 24 Prozent der Würfe. „Wir haben neun freie Würfe vergeben und leisteten uns vier einfache Fehler“, sagt Schweikardt. „Das ist natürlich gegen einen Gegner wie die Löwen viel zu viel.“

Quelle: Thomas Wagner/ZVW