M’Bengue: „Ich bin dankbar für diese Chance“

Beim TVB 1898 Stuttgart hatte Djibril M’Bengue in diesem Sommer keinen neuen Vertrag mehr erhalten. Vergangene Woche ist der Rückraumspieler zu seinem ersten Auslandsabenteuer aufgebrochen: Beim portugiesischen Rekordmeister FC Porto will der 26-Jährige seine Verletzungsmisere endlich hinter sich lassen und neu durchstarten – auch im europäischen Wettbewerb.

Der Name ist klangvoll, die Ambitionen sind hoch: Nach dreijähriger Durststrecke will der FC Porto in der kommenden Saison endlich wieder einen Titel einfahren. Djibril M’Bengue soll den Traditionsclub mit seiner Wurfgewalt aus dem Rückraum verstärken und er sagt selbstbewusst: „Unser Ziel ist es, bis zum Ende um Meisterschaft und Pokal mitzuspielen.“

Am vergangenen Mittwoch wurde M’Bengue den portugiesischen Medienvertretern und Fans offiziell vorgestellt, derzeit weilt er mit seinen neuen Teamkollegen im Trainingslager. Der gebürtige Schorndorfer, der seine ersten Tage an der Atlantikküste im Hotel verbrachte und sich bereits auf Wohnungssuche begeben hat, schwärmt vom „sehr professionellen Umfeld“ beim FCP. „Ich bin super aufgenommen worden“, berichtet der 26-Jährige und fügt hinzu: „Ich bin sehr dankbar für diese Chance und ich denke, dass ich mir das nach der anstrengenden Zeit in der Reha auch verdient habe.“

Magnus Andersson machte sich für M’Bengues Verpflichtung stark

In den vergangenen beiden Jahren absolvierte M’Bengue aufgrund schwerwiegender Knieverletzungen – unter anderem einem Teilabriss der Patellasehne und einem Bruch der Kniescheibe – gerade einmal zwölf Pflichtspiele. Nach sechs Spielzeiten im Dress des TVB 1898 Stuttgart hatte der kräftige Linkshänder daher keinen neuen Vertrag mehr beim Bundesligisten erhalten.

Doch M’Bengue hatte Glück im Unglück: Im Mai gab er in zwei Ligaspielen ein kurzzeitiges Comeback beim TVB und empfahl sich zugleich für ein Probetraining in Porto. Eine zentrale Rolle spielte dabei Magnus Andersson: Der ehemalige schwedische Nationalspieler, der bis vergangenen Herbst noch bei Frisch Auf Göppingen und nun beim FCP als Trainer tätig ist, kannte den Rückraumspieler aus der Bundesliga und machte sich für dessen Verpflichtung stark. „Ich war gewissermaßen sein Wunschspieler und es war relativ schnell klar, dass das für beide Seiten eine gute Sache werden kann“, so M’Bengue rückblickend.

Vertrag für zwei Jahre

Dass Andersson gut deutsch spricht, erleichtert M’Bengue den Einstieg in Portugal zusätzlich. So musste er auch nicht lange zögern, um seine Unterschrift unter den ihm vorgelegten Zweijahres-Vertrag zu setzen. Der einzige Nachteil: Seine Lebensgefährtin bleibt berufsbedingt in Deutschland, der Rückraumspieler selbst wird aufgrund des engen Spielrhythmus’ wohl erst an Weihnachten wieder einen Heimatbesuch einplanen können.

Bei den Blau-Weißen möchte der 26-Jährige seine lange Leidenszeit endgültig hinter sich lassen und wieder zurück zu alter Stärke finden. „Die Knie bereiten keine Probleme mehr und fühlen sich gut an“, äußert sich M’Bengue frohen Mutes. „Ich hoffe, in dieser Hinsicht endlich über den Berg zu sein.“

Hohe Erwartungen an den Linkshänder

Der verlorenen Zeit durch die Verletzungen möchte er aber nicht hinterhertrauern. Vielmehr zählt für ihn der Blick nach vorne, auf die großen Herausforderungen beim FC Porto. In der abgelaufenen Saison hatte der 20-malige Meister und siebenfache Pokalsieger nur den dritten Rang hinter Sporting und Benfica Lissabon in der „Campeonato Nacional“ belegt.

„Die Erwartungen sind hoch“, weiß M’Bengue, den nun ein absolutes Kontrastprogramm zum Abstiegskampf in Stuttgart erwartet. Wenn es darum geht, den Titelhunger der „Drachen“ zu stillen, gibt er sich kämpferisch: „Der Druck ist im Sport immer da und macht die Aufgabe erst richtig spannend.“

Zwei spannende Partien im EHF-Pokal stehen bevor

Eine ganz besondere Zusatzmotivation stellt die Europapokal-Teilnahme dar. „Das ist ein schönes Erlebnis, mit dem ich vor einem Jahr ganz sicher nicht gerechnet hätte“, so M’Bengue. Drei Qualifikationsrunden müsste der FCP überstehen, um wie zuletzt 2016 die Gruppenphase des EHF-Pokals zu erreichen. Anfang September startet das Team gegen den amtierenden Challenge-Cupsieger AHC Potaissa Turda aus Rumänien in den EHF-Pokal.

M’Bengue erwartet zwei enge Partien, ist sich jedoch sicher, „dass wir uns gegen niemanden verstecken müssen“. Im Erfolgsfall müsste das Andersson-Team anschließend gegen SKA Minsk aus Weißrussland bestehen, ehe in Runde drei die zu den Titelfavoriten zählenden deutschen Teilnehmer (THW Kiel, Füchse Berlin, SC Magdeburg, TSV Hannover-Burgdorf) in den Wettbewerb einsteigen.

In jedem Fall warten zahlreiche hochkarätige Gegner und weite Reisen auf Djibril M’Bengue, der sich gewappnet sieht für den sportlichen Neuanfang. „Die Verletzungen sind endgültig abgehakt. Ich kann nun einen sehr interessanten Weg einschlagen und bin letztendlich froh, dass es so gekommen ist.“

Das Abenteuer Portugal kann beginnen.


Zur Person

Der Rückraumspieler Djibril M’Bengue, geboren am 13. Mai 1992 in Schorndorf, spielte in der Jugend für die HSK Urbach/Plüderhausen, ehe ihm beim TSB Schwäbisch Gmünd der Durchbruch im Aktivenbereich einschließlich dem Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg gelang.

2013 schloss sich der 1,95 Meter große Linkshänder dem damaligen Zweitligisten TV Bittenfeld an und avancierte dort auf Anhieb zum Publikumsliebling.

Am Bundesliga-Aufstieg 2015 war M’Bengue maßgeblich beteiligt, bestritt in den drei darauffolgenden Spielzeiten verletzungsbedingt aber nur 42 Erstliga-Spiele (90 Tore).

Weil nicht klar war, wie sich sein Gesundheitszustand entwickeln wird, erhielt der 26-Jährige im Sommer 2018 keinen neuen Vertrag mehr beim TVB 1898 Stuttgart.

 

Quelle: Nico Schoch, ZVW