Göppinger ziehen in den letzten Minuten davon

Frisch Auf Göppingen war ohne Zarko Sesum, Jakob Bagersted, Daniel Fontaine und Jens Schöngarth an den Neckar gereist. Somit fehlten Rolf Brack zwei Mittelblockspieler und zwei Linkshänder, und er hatte, im ersten Spiel nach dem vierten Rang beim EHF Cup Final Four, nur zwölf Spieler zur Verfügung. Jürgen Schweikardt konnte hingegen, bis auf Johannes Bitter, aus dem Vollen schöpfen. Beide Teams hängen zum Ende der Saison hin im Mittelfeld fest. Vor 5.930 Zuschauern in der fast ausverkauften Porsche Arena hatte Göppingen dann früh eine kleine Führung inne. In einem Duell mit vielen Fehlern ging Göppingen nach energetischem Endspurt als 23:30 (12:14)-Sieger vom Feld.

Göppingens Trainer Rolf Brack hatte das Glückspiel um den Anwurf ausnahmsweise gewonnen. Sein Team konnte den ersten Angriff durchbringen, Kneule erzielte den ersten Treffer. In der Deckung wollten die Grün-Weißen offenbar vor allem die Kreise von TVB-Spielmacher Michael Kraus begrenzen. Sebastian Heymann bekam das Spielgerät von Kraus an den Kopf geworfen und musste ausgewechselt werden. Somit hatte Rolf Brack nur noch zehn Spieler zur Verfügung. Vielleicht trug dies dazu bei, dass die Partie zunächst recht zerfahren wirkte. Nach zwölf Minuten hieß es 4:5.

Dass Schiller einen Moment später einen Siebenmeter an Maier vergab und beim Nachwurf im Kreis stand und dass Schweikardt ins Konteranspiel von Prost hineinspritzte, zeugte von der schwachen Chancenausbeute Göppingens. Die erlaubte es der Brack-Sieben trotz der soliden Abwehr bislang nicht, sich abzusetzen. Simon Baumgarten traf dann für den TVB in Unterzahl zum 6:6. Göppingen schien sich im Offensivspiel lediglich mit den vielen Siebenmeter über Wasser zu halten. Schiller verwandelte beim 6:7 (17.) bereits den vierten Versuch von der Markierung.

Jürgen Schweikardt hatte mittlerweile Michael Kraus vom Feld geholt, seinen Bruder Michael führte jetzt Regie. Kurz darauf folgte beim Stand von 7:9 (20.) die erste TVB-Auszeit, doch die verpuffte. Die Stuttgarter hatten diszipliniert begonnen, dann hatte Göppingen leichte Ballgewinne zu Gegenstößen genutzt. Damgaard setzte beim 8:10 mit einem sehenswerten Durchbruch einen weiteren spielerischen Akzent, diesmal im Positionsangriff. Ritterbach setzte mit einem Ballgewinn an der Mittellinie einen weiteren Nadelstich zugunsten von Frisch Auf Göppingen. Die Gäste gefielen nun.

Göppingen setzte sich vor der Pause ab. Schlechte Abschlüsse und Pässe der Stuttgarter sowie das gekonnte Spiel in der Kleingruppe mit dem stark aufspielenden Kneule ermöglichten den Grün-Weißen bis zur 27. Spielminute eine 10:14-Vorlage. Der TVB hielt durch Torerfolge im Nachsetzen einigermaßen mit. Alles wirkte friedlich. Nach einem Foul von Ritterbach kochten die Emotionen jedoch kurz hoch. Das schien den „Wild Boys“ zu helfen. FAG blieb zwar vorne, schloss aber wieder unvorbereitet ab. Der TVB nutzte dies, Baumgarten hätte in der Schlussminute fast das 13:14 erzielt.

Stuttgart und Göppingen hatten sich offenbar für die zweite Halbzeit einiges vorgenommen. Die Gäste punkteten dabei erneut mit der Deckung. Der vorgezogen agierende Ritterbach fungierte als „Staubsauger“ und ermöglichte mit Ballgewinnen unter anderem Kozinas 13:17-Konter (35.). Der TVB fand aber Antworten. Schweikardts Empty-Net-Treffer zum 15:17, dessen erster Torerfolg, sorgte für Linderung. Kurz darauf verfehlte das Heimteam dann abermals den Anschlusstreffer: Späth warf von der Grundlinie am gegnerischen Tor vorbei. Beide Teams standen sich irgendwie selbst im Weg.

Göppingen hielt sich vorne, weil Prost zweimal den Ball fing. Beim 15:19 wurde Kozina freigespielt. Es folgten aber auch bei der Brack-Sieben weiterhin viele Fehler. Kraus besorgte alsbald das 19:20 (45.). Den Ballgewinn und den Ausgleich vergab der TVB kurz darauf, das ungenaue Anspiel landete auf dem Rücken eines Gegenspielers. Das Derby mäanderte zwischen solchen haarsträubenden Fehlern und Szenenapplaus, etwa als Simon Baumgarten zum 21:23 (50.) heranflog. Göppingen konnte dabei eher auf individuelle Klasse setzen als Stuttgart. Kneules 22:27-Treffer (55.) stand symbolisch dafür.

Fünf Minuten vor Schluss war das Derby zwischen Stuttgart und Göppingen also durch den mit sieben Treffern besten Werfer der Gäste entschieden. Der TVB hatte zuletzt in Göppingen gewonnen. Nach diesem Spiel war damals Magnus Andersson entlassen worden. Diesmal bewies FAG, trotz der geringen Personaldecke, durch den Kopftreffer an Heymann weiter gehandicapt, vor allem in der Schlussphase seine Klasse. Damgaard setzte zum 22:28 nach. Der TVB hatte vor allem im Rückraum zu wenig gezeigt und noch mehr Fehler gemacht als Göppingen. Am Ende steht ein 23:30.


Quelle: www.handball-world.news