Höhe der Niederlage stört

Die dritte Niederlage im neunten Spiel unter seiner Regie ist eine der weniger schmerzhaften gewesen für Jürgen Schweikardt. Zumal sein TVB 1898 Stuttgart den Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt beim 28:35 phasenweise mehr forderte als dem lieb war. Für die Fans jedenfalls war’s ein unterhaltsames Spiel am Donnerstagabend in der Scharrena.

Der Trainer der SG Flensburg-Handewitt schnaufte bei der Pressekonferenz nach dem Spiel kräftig durch. „So einfach war das für uns heute nicht“, sagte Maik Machulla. „Es war unser 50. Spiel in dieser Saison.“ Und keines, das sein Team im Schongang bewältigt hat – auch wenn das deutliche Resultat den Eindruck erwecken mag.

Der TVB-Trainer hatte sich für das ungleiche Duell eine ungewöhnliche Taktik ausgedacht. „Normalerweise verschleppen die Flensburger Gegner das Tempo“, sagt Jürgen Schweikardt. „Wir aber hatten die Idee mitzulaufen.“ In der Hoffnung, dass Flensburg angesichts des Kräfteverschleißes und der anstehenden Aufgaben eventuell die erste Garde schonen würde, was die Chancen des TVB auf eine Überraschung erhöht hätte. „Ich sehe es schon als eine Anerkennung für unsere Leistung, dass die Flensburger mit dem besten Team durchgespielt haben“, so Schweikardt. „Sie hatten lange Zweifel.“

Sein Team habe wieder das „gewisse Grundniveau“ erreicht, das nötig sei, um in der ersten Liga Spiele zu gewinnen. „Wir können aber nicht erwarten, dass es immer gelingt.“ Vor allem nicht gegen ein Top-Team wie Flensburg. Das einzige, was Schweikardt störte, war die Höhe der Niederlage. „Fünf Tore wären okay gewesen, auch wegen der Tordifferenz.“

Einer der Gewinner im TVB-Trikot war Jonas Maier, der das Duell mit den Flensburger Weltklasse-Keepern Mattias Andersson und Kevin Moeller ausgeglichen gestaltete. Noch viermal in dieser Saison kann der 24-Jährige beweisen, dass er mehr ist als ein Notnagel, falls Jogi Bitter unpässlich ist. Wie derzeit wieder: Der Weltmeister ist am Freitag an der Bandscheibe operiert worden.

Der TVB-Trainer zeigte sich zufrieden mit seiner Nummer zwei. „Sicherlich hätte Jonas den einen oder anderen Ball mehr von Außen halten können“, sagt Schweikardt. Andererseits habe er es mit der vielleicht besten Außenzange Europas – Hampus Wanne und Lasse Svan – zu tun gehabt. „Wir müssen auch aufpassen, dass wir Jonas nicht immer mit Jogi vergleichen, das wäre unfair.“

Für die Flensburger ging’s direkt nach dem Spiel weiter ins Hotel nach München. Um 17 Uhr am Freitag stiegen sie in den Flieger nach Montpellier, wo die SG am Sonntag das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League bestreitet. Bereits am Donnerstag steht im hohen Norden der Bundesliga-Klassiker beim THW Kiel an. Dort darf sich der Zweite keinen Ausrutscher erlauben, will er seine Chancen im Titelrennen aufrecht erhalten. „Wir müssen schon realistisch sein“, sagte Machulla nach dem Sieg in Stuttgart. „Die Löwen haben die besten Karten. Wir gucken mal, ob sie die Tür noch einmal aufmachen.“

Keinen Terminstress hat der TVB. Nach der zweiwöchigen Spielpause muss er am Sonntag, 13. Mai, beim TSV GWD Minden ran. Der setzte sich am Donnerstag überraschend mit 24:22 beim VfL Gummersbach durch und zog den Rekordmeister damit tief in den Abstiegssumpf. Aus dem könnte sich der TVB mit einem Sieg in Minden endgültig befreien.

Die Vorbereitung auf diese Partie beginnt am Mittwoch, bis dahin gönnt Schweikardt seinen Spielern eine Pause. Einer dürfte sie nutzen, um sich weiter heranzuarbeiten: Überraschend stand Djibril M’Bengue wieder im Kader – ein besonderes Gefühl für den Linkshänder nach der schier endlosen Leidenszeit. Das Comeback naht.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW