„Wir wollen Spaß haben“

Das Selbstvertrauen nach fünf Spielen ohne Niederlage hat für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart gegen Lemgo nicht zum Sieg gereicht. In Bestform muss sich der TVB an diesem Donnerstag um 19 Uhr (ZVW-Liveticker) in der Scharrena präsentieren, will er gegen den Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt einigermaßen mithalten. Bitter, Häfner, Pfattheicher und M’Bengue fehlen.

25:24, 31:32, 29:25, 30:30, 24:24, 24:24 und 26:25 – unter Jürgen Schweikardt als Trainer hat sich der TVB zum Experten für knappe Resultate entwickelt. Auch gegen Lemgo war’s spannend. Anders indes als in sechs der sieben Spiele schnappte sich dieses Mal der Gegner beim 28:27 die Punkte.

Das Ende der Serie bringt den TVB zwar nicht aus der Spur, schließlich sind sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge bei noch fünf Spielen nach wie vor ein angenehmes Polster und die Aussichten auf den Ligaverbleib sehr gut. Angesichts der kuriosen Resultate in der Saison-Schlussphase könnte es aber durchaus sein, dass der TVB noch zwei Punkte benötigt. Und zur Beruhigung der Nerven möglichst rasch.

An diesem Donnerstag bräuchte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt schon einen Sahnetag, um die Restzweifel zu beseitigen: Die SG Flensburg-Handewitt hat als Tabellenzweiter noch die Chance auf den Titel, steht im Viertelfinale der Champions League und reist als haushoher Favorit nach Stuttgart. Die Bilanz spricht eindeutig für die Norddeutschen, die sämtliche fünf Vergleiche mit dem TVB klar für sich entschieden – im Schnitt mit zwölf Toren Differenz.

„Flensburg ist ein europäisches Top-Team“, sagt Jürgen Schweikardt. „Was das Tempospiel betrifft, gibt’s kaum ein besseres.“ Von vorneherein klein beizugeben, kommt für den Trainer aber nicht infrage. „Wir haben auch gegen solche Gegner schon bewiesen, wie gut wir sind. Magdeburg und Berlin haben sich schwergetan.“ Den Füchsen luchsten die Bittenfelder sogar einen Punkt ab.

Wobei sich Schweikardt keinen Illusionen hingibt. „Natürlich wird Flensburg darüber entscheiden, ob wir eine Chance haben werden.“ Sein Team wolle seinen Teil dazu beitragen, dass sich das ungleiche Duell nicht im Resultat widerspiegelt. Sollten die Flensburger allerdings ins Rollen kommen, ist auch eine Schlappe drin für den TVB. In dieser Saison mussten unter anderem Nettelstedt-Lübbecke (23:37) und Hüttenberg (23:38) die großen Qualitäten der Flensburger anerkennen.

Auch wenn der TVB mittlerweile mit Johannes Bitter, Michael Kraus oder Manuel Späth international erfahrene Spieler im Kader habe, könne er sich nicht mit einem Team wie Flensburg vergleichen, sagt Schweikardt. „Einige unserer Spieler haben unseren Aufstieg mitgemacht, deshalb müssen solche Spiele für uns immer noch ein Fest sein.“ Schließlich hat ein noch recht junger Bundesligist wie der TVB so häufig nicht die Gelegenheit gehabt, sich mit einer Ansammlung von Weltklassspielern zu messen. Und davon haben die Flensburger eine ganze Reihe. So viele, dass sie auch die Zweifachbelastung mit der Champions League locker wegstecken können. Schon am Sonntag muss die SG im Viertelfinal-Rückspiel im südfranzösischen Montpellier antreten. „Das sind die Flensburger seit Jahren gewöhnt“, sagt Schweikardt. „Das wird kein Vorteil für uns sein.“

Ebenso wenig sei damit zu rechnen, dass sich die SG in den Ligaspielen schone. Der Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen hat zwar die besten Titelaussichten bei vier Minuspunkten Vorsprung, einem Spiel weniger und der deutlich besseren Trefferdifferenz. „Flensburg wird aber konzentriert auftreten und möchte da sein, wenn die Löwen patzen.“

Der TVB wird auch in seinem drittletzten Heimspiel nicht in Bestbesetzung antreten. Bitters Rückenprobleme lassen immer noch keinen Einsatz zu, mit Max Häfner (Bandscheibenoperation) und Sascha Pfattheicher (Knöchelverletzung) fehlen zwei Außenspieler. Auch das Comeback von Djibril M’Bengue dürfte sich noch hinziehen. „Er trainiert voll mit“, sagt Schweikardt. „Wenn wir das Gefühl haben, dass es ihm und uns was bringt, wird er in den Kader zurückkehren.“

Nichts Neues gibt es in der Trainerfrage, Schweikardt bittet um Geduld. „Mitte Mai werden wir wohl eine Entscheidung bekanntgeben“, sagt er. Von täglichen „Wasserstandsmeldungen“ hält er nichts. „Sicher ist, dass wir eine Lösung präsentieren werden.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW