Spielbericht zur Niederlage gegen Lemgo

Der ersatzgeschwächte TBV Lemgo hat beim TVB Stuttgart, in der mit 2.251 Zuschauern ausverkauften Scharrena, ein Zeichen gesetzt. Zunächst wirkte es, als könnten die Hausherren spielbestimmend werden. Technische Fehler, schlechte Abschlüsse und Fehlpässe spielten aber den Gästen in die Karten. Sie rissen das Spiel nach dem 9:7-Rückstand (20.) an sich. Stuttgart entwickelte gegen die offensiver werdende TBV-Deckung kaum Ideen. Nach dem 11:16-Halbzeitstand sandte fast einzig Kraus (11/2) Lebenszeichen für die Schwaben. Lemgo hatte im konterstarken Hornke (8) seinen besten Werfer und gewann nach einer späten TVB-Aufholjagd mit 27:28.

Der TBV Lemgo setzte in Stuttgart von Beginn an auf Fabian van Olphen, der sich vor zwei Wochen eine Außenband-Verletzung zugezogen hatte. Christian Klimeks (Innenband-Einriss) Einsatz war fraglich, Christoph Theuerkauf war nicht mit an den Neckar gereist. Die Schwaben mussten ihrerseits erneut auf Johannes Bitter verzichten. Jonas Maier begann zwischen den Pfosten, Oldie Daniel Sdunek stand als Backup zur Verfügung. Stuttgart hatte ansonsten alle Spieler zur Verfügung.

Der TVB hatte dank Maier den besseren Start. Die Lipperländer hatten dabei früh mit Zeitstrafen zu kämpfen. Die Gäste nutzten aber nach acht Minuten zwei Fehlpässe des eingewechselten Orlowski und ungenaue Würfe von Weiß zum 3:3-Ausgleich. Allmählich fanden die Lemgoer sich vor der Stuttgarter Deckung besser zurecht und stießen in die Lücken. Tim Suton setzte gute Akzente. Die erwartete Partie auf Augenhöhe entwickelte sich, weiterhin gepflastert von Fehlwürfen.

Nach einer Viertelstunde verletzte sich TBV-Torwart Peter Johannesson unglücklich am Ellenbogen, als Tobias Schimmelbauer beim Konter unbedrängt mit dem Schweden zusammenprallte. Piotr Wyszomirski wurde eingewechselt. Nach Weiß´ 7:6-Treffer zückte Florian Kehrmann die Grüne Karte. Mit Einlaufen von außen wollten die Gäste für mehr Torgefahr sorgen. Zudem wurde mit Klimek und Guardiola die physische Präsenz erhöht. Das nutzte. Aus dem 9:7 wurde schnell das 9:9.

Eigentlich hätte Stuttgart wegen des Plus auf der Torwart-Position bereits deutlich führen können. Fahrlässige Würfe und,gegen die offensiver werdende Lemgoer Deckung, eine ganze Latte technischer Fehler ließen das Spiel jedoch kippen. Ein 1:8-Lauf folgte. Hornke und Suton erhöhten quasi im Alleingang auf 9:13 (25.). Das 9:12 verhinderte Maier zunächst, ehe Hornke die Schwaben mit einem weiteren Gegenstoßtreffer zur Drei-Tore-Führung der Gäste in die Auszeit zwang. ´

Die Auszeit der TVB-Bank folgte zwangsläufig, änderte aber nichts am Kräfteverhältnis. Stuttgart existierte im Spiel nach vorne nicht mehr. Allein Hornke konterte beim 10:15 (28.) bereits zum sechsten Mal. Dass Zieker kurz vor der Sirene, wenn auch in Überzahl, noch das 11:16 markierte, sprach Bände über die Leistung, die die Hausherren in den letzten zehn Minuten vor der Pause präsentiert hatten. Zwei Torerfolgen standen neun Gegentreffer gegenüber.

Die Spielentscheidung schien bereits gefallen zu sein, die Körpersprache zeugte nach Wiederanpfiff nicht von einer zündenden Idee bei den Hausherren. Das lag vielleicht auch daran, dass die Führungsspieler Kraus und Schweikardt anscheinend nur dosiert eingesetzt werden konnten. Guardiola erzielte den ersten Treffer der zweiten Halbzeit, wenig später gelang Hornke ein Defence-Rebound. Im TVB-Angriff funktionierten einzig Schagen und Kraus, der das 15:19 (38.) markierte.

Lemgo zauberte sogar hin und wieder, wie bei Klimeks 16:21-Treffer nach sagenhaftem Anspiel von Suton. Stuttgart hatte solche Momente kaum. Späth brachte beim 18:21 (44.) immerhin einen Gegenstoß unter. Das schaffte Hornke beim 18:23 (44.) aber bereits zum vielfachen Mal, und der fulminante Auftritt von Suton sorgte ebenfalls dafür, dass die Lemgoer Führung solide blieb. Der TVB haderte derweil mit kleinlichen Zeitstrafen, etwa als Orlowski nach 47 Minuten (19:24) raus musste.

Stuttgart erholte sich erst in der Schlussphase von dem Einbruch nach der 20. Spielminute. Lemgo hatte über weite Strecken ein gutes Stellungsspiel zeigt. 14 Maier-Paraden schienen den „Wild Boys“ nichts zu nutzen, zu oft verbuchten die Gäste Ballgewinne und freie Würfe. Erst als Schweikardt zum 26:28 (59.) netzte, kam Leben in die Bude. Röthlisbergers 27:28 wurde stürmisch bejubelt. Guardiola scheiterte dann an Maier. Sieben Sekunden verblieben. Es gab aber nur noch einen direkten Freiwurf. Weiß traf nur den Außenpfosten. Es blieb bei dem 27:28. Lemgo hat nun 27 Punkte, Stuttgart weiterhin 18. 

Quelle: Handball-World