Leipzig kritisiert ruppige Spielweise des TVB

Nach zwei Auswärtssiegen in Folge möchten die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart am Sonntag nachlegen. Die Aufgabe beim SC DHfK Leipzig dürfte allerdings kniffliger werden als die Partien in Ludwigshafen und Erlangen. „Wenn wir so auftreten wie zuletzt, haben wir eine Chance“, sagt der TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt.
Allzu gerne würden sich die Bittenfelder den einen, unterm Strich doch verlorenen Punkt beim 30:30 gegen den TV Hüttenberg auswärts zurückholen. Überraschenderweise ist der TVB in dieser Saison in der Fremde erfolgreicher als in Stuttgart: Vier Auswärtssiegen stehen zwei Heimerfolge und zwei Unentschieden gegenüber. Allerdings muss das Team von Jürgen Schweikardt nun bei einem heimstarken Gegner ran. Niederlagen setzte es für Leipzig lediglich gegen die Top-Teams Füchse Berlin (30:31), Rhein-Neckar Löwen (23:29) und SC Magdeburg (22:23).

Eineinhalb aufregende Jahre haben die Leipziger hinter sich. Nach dem starken achten Platz in der vorigen Saison kaufte der Deutsche Handball-Bund den Leipziger Trainer Christian Prokop aus dessen Vertrag frei und stellte ihn als Männer-Bundestrainer ein. Der Co-Trainer André Haber rückte zur aktuellen Spielzeit zum Chef-Coach auf – allerdings nur bis zum 31. Dezember 2017. Dann übernahm Michael Biegler, der bis dahin die Frauen-Nationalmannschaft betreut hatte.

Leipzig verspielt Chance auf einen Platz im ersten Tabellendrittel

Mit 25:13 Punkten lag der SC DHfK Leipzig zum Jahreswechsel auf Rang acht der Tabelle – bei lediglich drei Punkten Rückstand auf Platz vier. Die Leipziger hatten unter anderem die SG Flensburg-Handewitt (25:22), die TSV Hannover-Burgdorf (25:23) und die MT Melsungen (30:27) besiegt. Wenn sie ins Rollen kamen, wurde es auch mal deutlich wie beim 34:24 gegen Erlangen oder 35:21 in Ludwigshafen.

Im neuen Jahr indes läuft’s längst nicht mehr so rund: Nach 0:6 Punkten gab’s zwar zwei Siege (23:20 gegen Ludwigshafen und 26:19 gegen Lemgo). Zuletzt zeigte das Biegler-Team bei der 24:29-Niederlage in Gummersbach allen voran in den ersten 30 Minuten eine dürftige Leistung, lag zur Pause mit 8:15 im Hintertreffen.

Mit dieser Pleite haben die Leipziger wohl ihre letzte Chance auf einen Platz im ersten Tabellendrittel verspielt. Dass der SC schon stabilere Phasen in dieser Saison hatte, sieht der TVB-Trainer nicht zwangsläufig als Vorteil für sein Team. „Leipzig wird mit aller Macht versuchen, etwas gutzumachen“, sagt Jürgen Schweikardt. Zumal die heimischen Fans auch beim jüngsten Heimspielsieg Lemgo nicht besonders verwöhnt worden waren.

Haber: „Das Hinspiel hatte die Wesenszüge einer Prügelei“

Der SC-Trainer Michael Biegler knabbert offensichtlich noch an der Niederlage in Gummersbach. Die könne er nicht so einfach „aus der Jacke schütteln“, verriet er der Leipziger Volkszeitung. Der Leipziger Co-Trainer André Haber erwartet eine äußerst umkämpfte Partie – und erinnert sich dabei ans Hinspiel, in dem er noch in der Verantwortung gestanden hatte. „Das hatte die Wesenszüge einer Prügelei.“ Diese Einschätzung kann Jürgen Schweikardt „nicht nachvollziehen, ich glaube eher, dass Leipzig aggressiv auftreten wird“.

In der Scharrena scheiterte der TVB bei der 22:27-Hinspielniederlage in erster Linie an der schwachen Wurfausbeute. Nicht einmal die Hälfte aller Würfe fand den Weg ins Leipziger Tor, unter anderem vergaben die Bittenfelder dreimal vom Siebenmeterstrich. Mit leichten technischen Fehlern luden sie den Gegner zudem zu Kontertoren ein. Den Positionsangriff des SC dagegen hatte die TVB-Deckung ordentlich im Griff. Nicht ganz so gut funktionierte das zuletzt gegen Hüttenberg. Für Schweikardt indes gibt’s keinen Grund, etwas umzustellen am Abwehrsystem. „Wenn man an etwas glaubt, sollte man schon bei seiner Linie bleiben und nicht nach einem etwas schwächeren Spiel zu zweifeln beginnen.“

Schweikardt traut seinem Team eine Überraschung zu

Der TVB trifft auf ein eingespieltes Team mit guten Einzelkönnern. Eine große Auswahl davon hat Biegler im Rückraum mit den aktuellen deutschen Nationalspielern Philipp Weber, Maximilian Janke und Niclas Pieczkowski sowie dem Schweden Tobias Riversjö. Nationalmannschaftserfahrung bringt der abwehrstarke Kreisläufer Bastian Roschek mit, er teilt sich die Aufgabe mit dem schweizer Auswahlspieler Alen Milosevic. Gleich vier schnelle und treffsichere Außen stehen mit Lukas Binder, Yves Kunkel, Lucas Krzikalla und Peter Strosak im Kader. Erstklassig besetzt sind die Leipziger auch im Tor mit Milos Putera und Jens Vortmann.

„Leipzig hat sich toll entwickelt und steht zurecht da oben in der Tabelle“, sagt Schweikardt. Mit einer Leistung wie in Erlangen traut er seinem Team aber eine Überraschung zu. Felix Lobedank und Finn Kretschmer sind wieder spielfähig und Tobias Schimmelbauer ist ins Training eingestiegen. Ob’s zu einem Einsatz reicht, ist fraglich. Auf jeden Fall ausfallen werden Max Häfner, Robert Markotic und Djibril M’Bengue. Letzterer absolvierte gegen Hüttenberg das Warmmachprogramm. An die Rückkehr aufs Spielfeld sei aber noch nicht zu denken, sagt Schweikardt – „auch wenn die Reha derzeit besser läuft als gedacht“.

Das heißt, die Fans dürfen hoffen, M’Bengue noch einmal in Aktion zu sehen. In der nächsten Saison wird er ein anderes Trikot tragen: Sein Vertrag wurde nicht verlängert.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW