TVB scheitert im Pokal

Die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart haben den Einzug ins Halbfinale des DHB-Pokals trotz einer guten Leistung verpasst: In einem spannenden Spiel unterlagen sie beim Liga-Konkurrenten HSG Wetzlar mit 21:25. Wetzlar leistete sich eine ganze Reihe von Fehlern, der TVB nahm diese Einladungen aber zu selten an.

Etwa 120 TVB-Fans hatten sich unter die rund 4400 Zuschauer in der Wetzlarer Rittal-Arena gemischt und wollten Augenzeuge sein, wie ihr Team zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Halbfinale des DHB-Pokals einzieht. Bis vier Minuten vor dem Ende war die Chance da, ehe der starke Filip Mirkulovski alles klarmachte für die HSG.

Die HSG Wetzlar hatte bis auf den grippekranken Alexander Hermann alle Mann an Bord, beim TVB biss der aus dem Magdeburg-Spiel angeschlagene Simon Baumgarten auf die Zähne. Am Kreis bekam aber zunächst Manuel Späth den Vorzug – und durfte nach acht Minuten gemeinsam mit seinen sechs Mannschaftskollegen bereits durchschnaufen: Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt hatte zum Rapport gebeten. Sein Team war überhaupt nicht bei der Sache und lag mit 0:4 im Hintertreffen. Die HSG Wetzlar nutzte zwei technische Fehler des TVB, ein Stürmerfoul und einen Fehlwurf konsequent aus.

Wesentlich sicherer agierte der TVB zunächst nicht. Der Wetzlarer Nationalspieler Jannik Kohlbacher traf vom Kreis zum 6:2 (12.). Dann indes kämpften sich die Gäste ins Spiel, auch begünstigt von einer unglaublich hohen Zahl von technischen Fehlern des Gegners. Nach einer Viertelstunde standen bereits deren fünf in der Statistik, Max Häfner und Bobby Schagen verkürzten auf 4:6.

Die Abwehr des TVB stand sehr gut, provozierte weiterhin Fehler der Heimmannschaft. Die musste sich beim starken Benjamin Buric bedanken, dass sie ihren Zwei- bis Drei-Tore-Vorsprung hielt (7:4/8:6). Der Torhüter hatte gegenüber Jogi Bitter in den ersten 30 Minuten deutliche Vorteile. Der TVB vergab mehrfach die Gelegenheit, den Anschluss herzustellen. Erst Michael Kraus schaffte dies nach 26 Minuten beim 9:10 mit einem verwandelten Siebenmeter. Aus dem Feld heraus übernahm der Routinier viel Verantwortung, es ging allerdings auch einiges daneben. Nur fünf von 13 Würfen fanden den Weg ins Tor.

So scheiterte Kraus auch bei seinen letzten beiden Versuchen vor der Pause, die HSG Wetzlar ging mit der 11:9-Führung in die Halbzeit.

Die Führung baute die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider in der 36. Minute auf ein Tor zum 13:10 aus, ehe sich dem TVB eine große Chance eröffnete. Für Anton Lindskog, wichtiger Mann der HSG im Mittelblock, war die Partie bereits zu Ende. Der Schwede musste mit zweimal zwei Minuten vom Platz, was insgesamt die dritte Zeitstrafe bedeutete, die Rote Karte und vier Minuten Überzahl für die Bittenfelder. Die verkürzten auf 12:13, kassierten jedoch noch in Überzahl das 12:14 (40.).

Michael Schweikardt brachte sein Team beim 13:14 erneut auf einen Treffer heran, für den ersten Ausgleich im Spiel zeichnete sich Kraus beim 14:14 verantwortlich (45. Minute).

Es bahnte sich eine spannende Schlussviertelstunde an, in der sich zunächst kein Team einen entscheidenden Vorteil verschaffte. Nach dem zwölften technischen Fehler der Wetzlarer glich Kraus per Konter zum 16:16 aus (48.). Der TVB schaffte es aber in dieser Phase nicht, in Führung zu gehen – wenngleich sich die Chance hierzu gleich mehrfach bot und Jogi Bitter mit zunehmender Spieldauer immer besser in die Partie fand.

Stefan Salger egalisierte mit seinem ersten Tor zum 17:17 (50.), dann setzte sich Wetzlar wieder leicht ab. Buric war weiterhin ein sicherer Rückhalt, und Filip Mirkulovski war in den finalen zehn Minuten der entscheidende Mann auf dem Feld. Erst versetzte er die TVB-Deckung beim 20:18 mit einer Körpertäuschung (55.), dann legte er zum 21:18 und 22:19 nach (56.).

Kohlbachers Treffer zum 23:19 bedeutete drei Minuten vor dem Ende die Vorentscheidung. Nach einer Auszeit versuchte es der TVB mit einer offenen Deckung, die Zeit reichte aber nicht mehr, um die HSG ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Mit dem 25:21-Sieg schaffte Wetzlar den Einzug ins Final Four in Hamburg. Der TVB dagegen kann sich nun auf die Bundesliga konzentrieren.

Der Vorsprung des TVB auf die Abstiegsränge ist am Sonntag von vier auf drei Punkte geschmolzen. Der Vorletzte TV Hüttenberg holte beim Drittletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke einen Punkt (26:26). Ludwigshafen schnupperte in Leipzig beim 20:23 an der Überraschung: Erst in der Schlussphase drehte Leipzig die Partie.

HSG Wetzlar: Buric, Weber; Björnsen (3/1), Kneer (1), Pöter (1), Ferraz, Mirkulovski (6), Schreiber, Volentics, Holst (6/3), Schefvert (2), Kvist (1), Klesniks, Lindskog, Cavor (1), Kohlbacher (4).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner (1), Salger (2), Weiß (2), Schagen (4), Schweikardt (1), Späth (1), Kraus (8/3), Baumgarten, Röthlisberger, Burmeister, Orlowski (1), Pfattheicher (1).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW