Pokal-Viertelfinale bei Wetzlar

31 Tore: So viele wie gegen den SC Magdeburg hat der TVB 1898 Stuttgart in dieser Saison in keinem Punktspiel erzielt. Auch wenn die Überraschung ausblieb: Die deutliche Steigerung in der Offensive gibt Hoffnung, dass sich der TVB am Sonntag im Pokal-Viertelfinale bei der HSG Wetzlar (15 Uhr/ZVW-Liveticker) einen kleinen Traum erfüllen kann: den Einzug ins Final Four in Hamburg.

Beim 29:27-Saisonauftaktsieg gegen Melsungen zeigte der TVB sein bestes Heimspiel in dieser Spielzeit, die Partie vom Donnerstag gegen Magdeburg dürfte in der Rangliste folgen – auch wenn die Bittenfelder dem Gegner beim 31:32 gratulieren mussten.

„Mir tun unsere Spieler leid“, sagte der TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt am Tag danach. Sie hätten in dieser Saison noch nicht so viele Erfolgserlebnisse gehabt und seien für ihren großen Kampf nicht belohnt worden. „Aber Handball ist nun einmal ein Ergebnissport, deshalb sind wir schon enttäuscht.“

Es bleibt der Trost, den Favoriten mächtig ins Wanken gebracht zu haben. Dass der Magdeburger Trainer Bennet Wiegert in der Pressekonferenz nach dem Spiel überwiegend damit beschäftigt war, den Auftritt seiner Mannschaft schlechtzureden und damit die gute Leistung des TVB indirekt zu schmälern, kommentiert Schweikardt nur kurz. „Wir haben nicht nur mitgehalten, weil wir die Schiedsrichter oder das Glück auf unserer Seite hatten.“

Letzteres fehlte dem TVB vor allem in der dramatischen Schlussminute. Beim Spielstand von 31:32 sorgten vornehmlich zwei Szenen für Gesprächsstoff, an denen die beiden Weltmeister beteiligt waren. Zunächst scheiterte der Torhüter Jogi Bitter mit dem Versuch, den Ball ins verwaiste Magdeburger Tor zu werfen.

Im Nachhinein betrachtet, wäre ein ruhiger Spielaufbau vielleicht die klügere Wahl gewesen. Schweikardt ist allerdings weit davon entfernt, Bitter einen Vorwurf zu machen. „Ich hatte vor dem Spiel die Devise ausgegeben, ins Risiko zu gehen“, sagt Schweikardt. „Dann muss ich auch damit leben, dass manche Dinge nicht funktionieren.“

Dass dann Mimi Kraus sechs Sekunden vor dem Ende die Verantwortung übernahm, sei die richtige Entscheidung gewesen. „Der Wurf war weder überhastet noch zu früh und auch die Position war nicht schlecht.“

Das Happy End blieb zwar aus für den TVB, doch Schweikardt zieht das Positive aus dem Spiel. „Mit einer Niederlage darf man nie zufrieden sein, wohl aber damit, wie wir uns verkauft haben.“ Hoffnung im Abstiegskampf macht die deutlich verbesserte Angriffsleistung.

Über 30 Tore gelangen den TVB in dieser Saison noch nie, er spielte gegen Magdeburg mutig und variabel. Nun gilt’s, diese Form zu konservieren, dann könnte der TVB mit Siegen in Erlangen und gegen Hüttenberg einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib machen.

Zuvor indes steht bereits am Sonntag (15 Uhr) ein besonderer Höhepunkt an: Mit einem Erfolg im Pokal-Viertelfinale beim Liga-Konkurrenten HSG Wetzlar wäre der TVB im Final Four in Hamburg vertreten. „Das ist eine der besten Handball-Veranstaltungen der Welt“, sagt Jürgen Schweikardt. Die Organisation und die Stimmung seien herausragend. Die Halbfinalspiele und natürlich auch das Endspiel werden in der ARD und im ZDF zu sehen sein.

Nicht nur sportlich ist Hamburg ein kleiner Traum für den TVB, auch finanziell ist die Veranstaltung lukrativ. Bisher musste der TVB im Pokalwettbewerb ausschließlich auswärts antreten, was mit hohen Kosten verbunden war. Der Einzug ins Halbfinale stopfte das Loch in der Kasse erheblich. In der Rittal-Arena ist der TVB allerdings Außenseiter.

Zum einen, weil ihm das kräftezehrende Spiel vom Donnerstag noch in den Knochen stecken wird. Die HSG dagegen ließ ihre Körner im Bus: Das Spiel in Flensburg wurde aufgrund des ergiebigen Schneefalls kurzfristige abgesagt. Die Wetzlarer waren schon angereist und mussten sich unverrichteter Dinge wieder auf die neunstündige Heimfahrt machen. Das ärgerte die Verantwortlichen zwar, doch der Geschäftsführer nahm’s auch mit Humor. „Es hat sich so wenigstens kein Spieler verletzt“, sagte Björn Seipp.

Jürgen Schweikardt geht davon aus, dass das Spiel für seine Mannschaft noch ein bisschen schwieriger werden wird als das gegen Magdeburg. Wetzlar stehe im Mittelfeld der Tabelle, da sei der Pokal jetzt das Spiel des Jahres. Die HSG werde alles reinlegen. „Wir hoffen auf einen guten Tag. Und wenn Wetzlar nervös wird und sich für uns eine Tür auftut, möchten wir zuschlagen.“

Die HSG habe eine solide Mannschaft, mit Benjamin Buric einen überragenden Torhüter und mit Kai Wandschneider einen der besten Trainer der Liga. „Es ist einfach toll, wie er seit Jahren ein stabiles Team auf die Beine stellt.“

Gut drauf ist der Vorjahressechste, der mit drei Siegen ins Jahr 2018 gestartet ist. In der Hinrunde war’s längst nicht so rund gelaufen wie in der vergangenen Spielzeit. Prunkstück der HSG Wetzlar ist die Defensive: In 13 von 22 Partien blieb das Team unter 25 Gegentreffern.

Der TVB bangt noch um den Einsatz von Simon Baumgarten. Der Kreisläufer hat gegen Magdeburg einen Schlag aufs Knie bekommen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW