Lernen vom Handball-Profi

Mittagspause? Handballtraining! Nach sechs Stunden Unterricht flitzt jeden Mittwoch ein gutes Dutzend
Jungs hochmotiviert in die Salier-Sporthalle, sobald die Schulglocke läutet. Dort wartet schließlich nicht irgendein Trainer, sondern ein erfahrener Bundesliga-Profi auf die Nachwuchssportler: Felix Lobedank vom TVB Stuttgart. Er leitet in diesem Schuljahr die Handball-AG für Gymnasiasten und Realschüler.

Als die Schüler der Klassenstufen sechs bis neun aus der Umkleidekabine kommen, haben sie sich in Schale geworfen: Auf ihren T-Shirts präsentieren sie stolz ihre Handballvereine: SC Korb, SV Remshalden, VfL Waiblingen, SV Fellbach, TV Bittenfeld. Die bunte Truppe versammelt sich in der Mitte des Spielfelds um ihren Trainer. „Hallo Felix“, rufen die Kids. Und auch der 33-jährige Trainer kennt jeden seiner Schü- ler mit Namen – zwischen Jugendspielern und Bundesligaprofi herrscht eine vertraute Stimmung. Hier sind Handballer unter sich. Na gut, ein Fußballer ist dabei: der zwölfjährige Luis, der demonstrativ ein VfB-Trikot trägt. Auch kein Problem – „Er lernt schnell, ist schon viel besser geworden“, lobt Felix Lobedank den Buben.

Seit vier Jahren gibt es die Handball-AG in Kooperation mit dem TVB Stuttgart am Salier-Schulzentrum. Sie richtet sich an Gymnasiasten und Realschüler. Vor Felix Lobedank waren schon Djibrill M´Bengue, Alexander Heib und Jürgen Schweikardt vom Bundesligisten im Einsatz an der Schule. Den Profis geht es auch darum, etwas zurückzugeben: „Ich fand es als Jugendlicher immer cool, wenn sich die Aktiven um uns gekümmert haben“, sagt Felix Lobedank. Schon bei Frisch Auf Göppingen sei ihm der Nachwuchs am Herzen gelegen. Mit den Verantwortlichen des TVB war von Anfang an abgesprochen, dass er sich für die Jugend engagiert.

Lobedank legt nicht nur Wert auf das Handballerische

„Ich mag die Unterrichtssituation“, sagt der Familienvater, der ein Studium in Sportwissenschaften abgeschlossen hat. Ob er nach seiner Profi-Karriere einen Beruf mit Kindern ausüben wird? Gut möglich. Fürs Erste ist der vom Verletzungspech ver- folgte Handballer – zur Zeit setzt er wegen einer lädierten Achillessehne aus – darauf fokussiert, dem TVB bald wieder auf dem Spielfeld zu helfen. Noch muss er sich allerdings damit begnügen, die Jungs in seiner Handball-AG voranzubringen – das tut er mit Freude. Er legt dabei nicht nur Wert aufs Handballerische, sondern auch auf den fairen Umgang miteinander und beschwört

den Teamgeist. „Hey! Du hast auch Mitspieler“, ruft der Profi einem seiner Schützlinge zu, als dieser beim Trainingsspielchen zum wiederholten Mal einen Alleingang startet. Und auch als ein großgewachsener Neuntklässler einen verhältnismäßig kleinen Sechser in die Mangel nimmt, geht Lobedank dazwischen: „Mensch, du bist doppelt so groß, das ist doch unfair!“ Gerade, dass seine Schüler unterschiedlich alt sind, findet Lobedank allerdings spannend: „Ich finde es cool, dass sie das gemeinsam hinkriegen.“ Schließlich soll der Spaß am Handball im Vordergrund stehen: „Wir machen hier kein Bundesliga-Training.“

Ins Leben gerufen hat die Handball-AG Tobias Mühlpointner, Sport- und Englischlehrer am Saliergymnasium. Der 43-Jährige hat es als aktiver Handballer bis in die Dritte Liga geschafft. Nun ist er Trainer beim Landesligisten TV Großbottwar. „Wir haben ja eine sehr sportliche Schulleitung“, sagt Mühlpointner und lacht, da sei er mit seiner Idee rasch auf Begeisterung gestoßen. Schulleiter Peter Schey spielte früher mit der BG Ludwigsburg in der Basketball-

Bundesliga, sein Stellvertreter Stefan Bethauser mit den Stuttgarter Kickers in der zweiten Fußball-Bundesliga.

Dass am Salier die Handballer besonders gefördert werden, liegt laut Schulleiter Schey einerseits an der Nähe zum Bundesligisten TVB Stuttgart, andererseits an der Popularität des Sports in der Region: „Handball ist ja rings um Waiblingen fast Sportart Nummer Eins.“

Salier-Schüler: Live-Handball ist viel besser als im TV

Die Schüler Lucas und Sammy (beide 12) könnten sich nach sechs Stunden Unterricht jedenfalls nichts Schöneres vorstellen. Nach der Einheit mit Felix Lobedank – Aufwärmen, Koordination, Handballspiel – sind sie nur kurz aus der Puste: „Ich hab sechsmal die Woche Training und ein Spiel“, berichtet Sammy stolz. Er spielt D- Jugend beim SV Fellbach in der Bezirksliga und kann nach eigener Aussage gar nicht genug vom Handball kriegen. Deshalb schaut er sich wie sein Kumpel Lucas vom SC Korb auch immer mal wieder ein Bun- desliga-Spiel in Stuttgart live an: „Das ist viel besser als im TV.“ Und hoffentlich ist bald auch ihr Coach Felix Lobedank wieder mit von der Partie.

Quelle: Sebastian Striebich, ZVW