TVB spielt gut mit

Deutlich verbessert gegenüber dem Lübbecke-Spiel hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart am Donnerstagabend vor 2151 Fans in der Scharrena präsentiert. Zu Punkten indes reichte es nicht: Gegen den starken neuen Tabellenzweiten TSV Hannover-Burgdorf musste sich der TVB – etwas zu hoch – mit 26:33 (13:15) geschlagen geben.

Auch wenn die Punkte zum zehnten Mal in Serie an den Gegner gingen: Der couragierte Auftritt des TVB gegen die Hannoveraner macht Hoffnung im Abstiegskampf. Bis zur 45. Minute durften die Fans auf eine Überraschung hoffen, dann setzten die Gäste mit ihrer individuellen Klasse die entscheidenden Akzente.
Getrübt wurde der gestrige Abend jedoch durch zwei weitere Verletzungen: Finn Kretschmer brach sich im Abschlusstraining den Zeigefinger, Tobias Schimmelbauer knickte nach elf Minuten böse um. Auf beide werden die Bittenfelder in den kommenden Wochen verzichten müssen.

Die Zuschauer sahen einen flotten Beginn in der nicht ganz ausverkauften Scharrena. Der TVB kam gut aus den Startlöchern. Die Defensive stand, wie schon in Lübbecke, von Beginn an gut. Und im Angriff lief der Ball flüssiger durch die Reihen als zuletzt. Tobias Schimmelbauer und zweimal Manuel Späth brachten den Außenseiter nach drei Minuten mit 3:1 in Führung.

Die war jedoch binnen vier Minuten wieder weg. Der bullige Ilija Brozovic, der sich am Kreis mit Evegni Pevnov abwechselte, brachte die Gäste mit 4:3 in Vorteil. Hannover suchte immer wieder das Spiel über die Nahwurfzone, damit hatten die Bittenfelder so ihre Schwierigkeiten. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes, verbissen geführtes Match mit zwei guten Torhütern Jonas Maier (TVB) und Martin Ziemer (TSV). Beim TVB setzte Marian Orlowski aus dem linken Rückraum die Akzente, bei Hannover zogen der überragende Morten Olsen und Kai Häfner die Fäden und sorgten selbst für Torgefahr. Nach dem Kontertreffer von Bobby Schagen zum 5:5 (11.) war die Partie für Schimmelbauer beendet: Bei einer Abwehraktion knickte der Linksaußen, der so wichtig ist in der Defensive, um. Er wurde 1:1 ersetzt durch Max Häfner, damit kam’s zum direkten Bruderduell.
Hannover demonstrierte immer wieder seine individuelle Klasse, ging mit 7:5 (13.) und 8:6 (16.) in Führung. Der TVB kämpfte jedoch und ließ sich nicht abschütteln. Bisweilen allerdings machte er sich das Leben durch überhastete Abschlüsse selbst schwer, allen voran Michael Kraus übertrieb es öfter. Nach 20 Minuten ersetzte ihn Michael Schweikardt auf der Spielmacher-Position, Simon Baumgarten erzielte per Nachwurf den 10:10-Ausgleich. Die Gäste nutzten zwei leichte Fehler des TVB zum 13:11, Orlowski antwortete mit dem 12:13. Bei 13:15 zur Pause war für den Außenseiter noch alles möglich.

Denkbar ungünstig war der Start in die zweiten 30 Minuten: Nach dem 14:16 mussten binnen 20 Sekunden Späth und Dominik Weiß für zwei Minuten auf die Strafbank. Diese doppelte Unterzahl überstand das Heimteam ordentlich – und blieb Hannover auf den Fersen. Der Neuzugang Robert Markotic erzielte das 17:19 (40.), Stefan Salger stellte beim 18:19 (42.) den Anschluss her.

Die Gäste hatten sichtlich Mühe, sich den TVB vom Hals zu halten. Aber sie hatten Morten Olsen: Der dänische Nationalspieler übernahm Verantwortung, wenn der Recken-Motor stotterte. Er besorgte das 19:21 und 20:22, Ziemer traf zum 20:24 (45.) ins leere TVB-Tor. Dieser Vorsprung brachte Sicherheit ins Spiel des Favoriten, der den TVB in der Schlussviertelsunde auf Distanz hielt. Olsen setzte einen Schlagwurf aus dem Stand zum 21:25 ins Gehäuse, Kai Häfner und Mait Patrail sorgten beim 22:27 (50.) für die Vorentscheidung.

Sieben Minuten vor dem Ende ersetzte Jogi Bitter Jonas Maier – und parierte gleich den ersten Wurf von Häfner. Nach Kraus’ Siebenmetertor zum 25:28 (53.) kehrte die Hoffnung auf zumindest einen Punkt wieder zurück – allerdings nur kurz: In den finalen Minuten setzte Hannover erneut geschickt seine Kreisläufer ein, die an diesem Abend kaum in den Griff zu bekommen waren. Nach Pevnovs Treffer zum 26:31 (57.) stand der Sieger fest. Patrail und Casper Mortensen mit seinem siebten Treffer erzielten die Tore zum 26:33-Endstand.
Am Ende siegte Hannover verdient, jedoch um drei, vier Tore zu hoch. Mit diesem Erfolg schob sich das Team von Trainer Carlos Ortega vorübergehend auf Platz zwei der Tabelle.

TVB 1898 Stuttgart: Maier, Bitter; Schimmelbauer (1), Max Häfner, Salger (2), Weiß, Schagen (1), Schweikardt (3), Späth (5), Kraus (5/3), Markotic (1), Baumgarten (2), Röthlisberger, Burmeister, Orlowski (6), Pfattheicher.
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (1), Semisch; Johanssen (2), Mortensen (7/3), Patrail (3), Pevnov (3), Kai Häfner (6), Atman, Böhm, Karason, Olsen (7), Brozovic (3), Kalafut, Christophersen, Kastening (1/1).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW