TVB steht unter Druck

Nach sieben Wochen Pause wird’s für die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart am Sonntag wieder ernst – und das Auftaktspiel beim Abstiegskonkurrenten TuS Nettelstedt-Lübbecke ist gleich ein höchst bedeutendes. Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Johannes Bitter, dafür feiert der Neuzugang Robert Markotic sein Debüt.

Lädt der TVB zu einer Pressekonferenz ein, gibt’s dafür in der Regel einen besonderen Anlass: An diesem Freitag präsentierte der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt die dritte Neuverpflichtung. Anders als David Schmid (von den Eulen Ludwigshafen) und Lukas von Deschwanden (Wacker Thun), die in der neuen Saison das TVB-Trikot tragen werden, wird Robert Markotic (RK Gorenje Velenje) sofort zur Verfügung stehen.

 

Der TVB hat nichts zu verschenken

Außer der Vorstellung des neuen Hoffnungsträgers stand im Presseraum der Scharrena natürlich auch das bevorstehende Spiel am Sonntag in Lübbecke im Fokus. Wobei der Geschäftsführer sogleich abwiegelte. „Sicherlich ist das eine extrem wichtige Partie für uns“, sagte Jürgen Schweikardt. „Aber wir dürfen auch nicht übertreiben, es ist kein Endspiel.“

Indes: Zu verschenken hat der TVB nach den wenig berauschenden Vorstellungen im November und Dezember mit acht Niederlagen in Folge und der mageren Punktausbeute von neun Zählern nichts in den verbleibenden 15 Spielen. Bei lediglich zwei Punkten Polster auf Rang 17 steckt der TVB mitten im Abstiegskampf. Eine weitere Pleite am Sonntag beim direkten Konkurrenten verschärfte die Lage enorm, im schlimmsten Fall rutschte der TVB auf einen Abstiegsrang – was den Druck auf den Trainer weiter erhöhte.

 

Ähnliche Voraussetzungen wie vor einem Jahr

Besonders angenehm ist die Situation für Markus Baur derzeit jedenfalls nicht. Die ursprünglich für Januar angesetzten Gespräche bezüglich einer Vertragsverlängerung sind auf Anfang März verschoben worden, weil offensichtlich nicht alle Gesellschafter und Sponsoren von den Qualitäten des Weltmeisters von 2007 überzeugt sind.

Von einer Gnadenfrist für Baur wollen die Verantwortlichen zwar nichts wissen, der Coach indes dürfte die Zeichen sehr wohl deuten können: Sollte der TVB in den Partien in Lübbecke, gegen Hannover und in Ludwigshafen leer ausgehen, stehen die Chancen für eine weitere Zusammenarbeit nicht besonders gut. Ein Sieg am Sonntag hingegen könnte für einen ähnlichen Effekt sorgen wie in der vergangenen Saison, als der TVB vor dem ersten Spiel nach der Winterpause in einer vergleichbaren Situation war – und einen furiosen Auftritt hinlegte: Mit 35:26 fegten die Bittenfelder den Bergischen HC aus dessen Halle. Dieser Sieg war mehr oder weniger der Türöffner für die starke Rückrunde, in den folgenden 15 Spielen sammelte der TVB elf Punkte.

 

Baur: „Wenn wir in Lübbecke gewinnen, wäre das natürlich schön“

Mit dieser Rest-Ausbeute könnte er auch in dieser Spielzeit gut leben, mit 20 Punkten wäre der TVB – bei zwei statt drei Absteigern –, wohl auf der sicheren Seite. Die indes muss er erst sammeln, angesichts des kniffligen Restprogramms darf sich die Mannschaft kaum Ausrutscher erlauben.

„Wenn wir in Lübbecke gewinnen, wäre das natürlich schön“, sagte der TVB-Trainer Markus Baur bei der Pressekonferenz. „Wenn wir nicht gewinnen, wäre das nicht schön, würde an der Situation aber nicht viel ändern.“ Der Geschäftsführer gab sich zuversichtlich. „Wenn wir unseren Kader beisammen haben, sind wir stark genug, den Ligaverbleib zu schaffen“, sagte Jürgen Schweikardt. „Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht, weil wir wichtige Heimspiele verloren haben.“

 

Einsatz von Jogi Bitter ist fraglich

Ins Mark getroffen hat den TVB beispielsweise die 28:29-Pleite im Hinspiel gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke, schließlich war das Team um den ehemaligen Bittenfelder Jens Bechtloff mit 0:14 Punkten und als Tabellenletzter nach Stuttgart angereist. Für den Torhüter Johannes Bitter war die Partie wegen einer Oberschenkelverletzung bereits nach zehn Minuten beendet, der Weltmeister fiel für die restlichen fünf Spiele des Jahres aus.

Damals waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, dass Bitter nach der Winterpause wieder einsatzbereit sein wird. So sicher war das am Freitag längst nicht. „Die Entscheidung liegt letztlich bei unserem Ärzteteam“, sagte Baur.

Außerdem habe Jogi Bitter genügend Erfahrung, um das Risiko eines – möglicherweise verfrühten – Einsatzes abzuwägen. „Ich hoffe, dass sich alle gut austauschen und zu einem guten Ergebnis kommen“, so Baur. „Der Trainer wird’s jedenfalls nicht auf die Spitze treiben. Wir haben auch nach Lübbecke noch einen Haufen wichtige Spiele, in denen wir Jogi brauchen.“

 

Unsicherheit nach langer Pause

Ob mit oder ohne Bitter: Der TVB muss sich in der Merkur-Arena auf einen heißen Tanz einstellen. „Die Jungs sind sehr konzentriert, sie sind mit Videos gefüttert und bereiten sich auf die Partie vor“, so Baur. Wie immer nach einer so langen Pause sei eine gewisse Unsicherheit vorhanden, weil das Team nicht genau einschätzen könne, wo es stehe. „Aber das geht ja jeder Mannschaft so.“ Entscheidend für den Erfolg sei, mehr zu investieren als der Gegner.

 

Keine Verletzungssorgen bei den Lübbeckern

Bis auf die Langzeitverletzten Felix Lobedank und Djibril M’Bengue sind alle Feldspieler spielfähig – auch die beiden zuletzt angeschlagenen Michael Kraus und Marian Orlowski. Keinerlei Verletzungssorgen haben die Lübbecker – im Gegenteil: Mit Dener Jaanimaa haben sie sich einen starken Neuzugang geangelt. Der estische Nationalspieler kam zuletzt bei der MT Melsungen wenig zu Einsatz und schloss sich zur Rückrunde dem Aufsteiger an.

Selbstvertrauen holte sich der Bittenfelder Gegner im finalen Testspiel, das er klar mit 34:25 gegen den Zweitliga-Vierten ASV Hamm gewann.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW