TVB mit geringen Chancen

Als krasser Außenseiter geht der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart in die letzten beiden Spiele 2017 an diesem Donnerstag bei der MT Melsungen und am Dienstag gegen die Rhein-Neckar Löwen. „Wir möchten mit einem guten Gefühl in die lange Pause gehen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. Sprich: Zwei Schlappen wären nicht förderlich fürs Gemüt.

Mit zehn Punkten hatte sich der TVB in der vergangenen Spielzeit in die WM-Pause verabschiedet. Aller Voraussicht nach wird er am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Zähler weniger auf dem Konto haben. Und sollte sich das Schlusslicht TuS Nettelstedt-Lübbecke an diesem Donnerstag gegen den Tabellenzwölften Minden durchsetzen und die Eulen Ludwigshafen oder der TV Hüttenberg aus ihren restlichen beiden Partien auch nur ein Pünktchen sammeln, wäre das Polster des TVB auf die Abstiegsränge auf einen Zähler geschrumpft.

Baur: „Schauen, dass wir gut rauskommen“
Entsprechend verhalten ist die Stimmung bei den Bittenfeldern derzeit – auch weil die Aussichten nicht besonders gut sind, sich mit Erfolgen in den finalen Partien aus eigener Kraft ein wenig Luft zu verschaffen. „Wir müssen schauen, dass wir gut rauskommen aus diesen beiden Spielen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Das Gefühl nimmst du in die lange Pause mit.“

Melsungen zum Saisonauftakt bezwungen
Die Bilanz von vier Niederlagen und einem Sieg gegen die MT Melsungen ist ernüchternd aus TVB-Sicht. Wobei das jüngste Aufeinandertreffen durchaus Mut macht. Zum Saisonauftakt erwischte der TVB einen Glanztag und bezwang das zuvor in 19 Pflichtspielen unbesiegte Team von Trainer Michael Roth überraschend mit 29:27. „Vielleicht hat Melsungen gedacht, das läuft so weiter“, sagt Baur. Sein Team dagegen habe geduldig gespielt, die Trefferquote sei die beste in der Hinrunde gewesen. Und die Abwehr habe es geschafft, die wuchtigen Melsunger Angreifer immer wieder zu stoppen – „ohne blöde Fouls“.

TVB-Gegner will auf internationale Plätze rücken
Die hoch gehandelten Melsunger ließen außerdem unter anderem Federn in Lemgo (26:26), Leipzig (27:30) und Erlangen (23:23). Ihre Stärke demonstrierten sie dagegen bei den Auftritten gegen den THW Kiel (29:25), Magdeburg (29:27) und gegen die Rhein-Neckar Löwen (29:26). In eigener Halle war Melsungen lediglich von der SG Flensburg-Handewitt (25:30) zu bezwingen – und zuletzt von FA Göppingen (27:30). Mit dieser Niederlage rutschte der TVB-Gegner vom fünften auf den achten Rang zurück, mit zwei Siegen gegen Stuttgart und in Gummersbach möchte die MT Melsungen wieder auf die internationalen Plätze rücken.

Dort gehört das Roth-Team nach Ansicht von Markus Baur „angesichts der hohen Qualität im Kader“ auch hin. „Vor allem die körperliche Präsenz ist enorm“, sagt Baur. „Da kommt eine geballte Wucht auf uns zu.“ Und dies sowohl im Angriff als auch in der Abwehr.

„Wir dürfen die Melsunger nicht ins Rollen kommen lassen“
Die Defensive ist das Prunkstück der MT Melsungen. Chef im Ring ist der Nationalspieler Finn Lemke, der vor der Saison aus Magdeburg kam. Ihm zur Seite stehen mit den Müller-Zwillingen Philipp und Michael, Felix Danner, Marino Maric und Johannes Golla Spieler, welche die alles andere als schmächtige TVB-Deckung noch in den Schatten stellen. Sehr gut eingeschlagen hat auch der Torhüter-Neuzugang Nebojsa Simic, mit Johan Sjöstrand steht ein zweiter starker Keeper parat. Im Angriff verstärkte sich Melsungen mit den deutschen Nationalspielern Tobias Reichmann und Julius Kühn. Letzterer sowie Michael Müller und Timm Schneider bilden in der Regel den ersten – sehr wurfgewaltigen – Rückraum. „Wir dürfen die Melsunger nicht ins Rollen kommen lassen“, sagt Baur. „Sonst haben wir ein Problem. Zudem befürchtet der Coach, dass der Gegner besonders motiviert zur Sache gehen wird nach der unnötigen Niederlage gegen Göppingen. „Außerdem hat Melsungen mit uns ja noch ein Hühnchen zu rupfen.“

Einsatz von Lehmann und Sdunek unklar
Der TVB wird mit unverändertem Kader antreten: Johannes Bitter, Michael Kraus und Max Häfner fallen aus. Noch offen ist, ob Nick Lehmann oder Daniel Sdunek als zweiter Torhüter mitreisen wird.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW