„Möchte nicht ständig über Verletzungen reden“

Nur drei Punkte hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart aus den jüngsten neun Spielen gesammelt und ist bedrohlich nahe an die Abstiegszone gerutscht. Die anhaltenden personellen Probleme dürften für die Misere mitverantwortlich sein. „Ich will aber nicht jede Woche über irgendwelche Verletzten reden“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur.

„Ich erwarte ein enges Spiel“, hatte der Wetzlarer Trainer Kai Wandschneider am Sonntag unmittelbar vor dem Spiel gegen den TVB 1898 Stuttgart verlauten lassen. Das indes wurde es nicht, das 29:23 spiegelt in etwa die Kräfteverhältnisse der Kontrahenten wider. Der TVB muckte in der Rittal-Arena nur phasenweise auf. So freute sich der HSG-Linksaußen Maximilian Holst nach dem Schlusspfiff über ein Spiel, „das einfacher war für uns, als wir erwartet hatten“.

Keine erstligataugliche Quote der Torhüter
Das lag auch daran, dass die HSG das Torhüterduell deutlich gewann – wobei insgesamt neun Paraden von Benjamin Buric und Nikolai Weber dazu schon genügten. In 53 Minuten hielt Jonas Maier nur zwei Bälle, Daniel Sdunek zeigte in sieben Minuten eine Parade. Erstligatauglich war die Quote nicht – da nützte auch der Beistand des Weltmeister-Keepers nichts: Johannes Bitter munterte hinter der Auswechselbank seine beiden Vertreter immer wieder auf. „Natürlich ist der Druck auf Jonas groß“, sagte Bitter in der Halbzeit des Spiels. „Im Training macht er viele gute Sachen.“

Die zweite Halbzeit mit einem Tor gewonnen
Nach dem 9:16-Rückstand zur Pause lief’s beim TVB anschließend etwas besser. „Wir haben die zweite Halbzeit mit einem Tor gewonnen“, sagt Baur. „Ich denke, was das Tempospiel und die Abwehrarbeit betrifft, haben wir einen Schritt nach vorne gemacht.“

In kleinen Abschnitten denken
Wäre mit Bitter und Michael Kraus womöglich ein Sieg drin gewesen? „Ich habe keine Lust, ständig über irgendwelche verletzte Spieler zu reden“, sagt Baur. Die anderen Spieler dürften sich nicht hinter den beiden verstecken, jeder einzelne sei jetzt gefordert. „Wir müssen zusammenrücken, um jeden Ball und jeden Zentimeter kämpfen und hoffen, dass wir vielleicht mal mit einem Abpraller oder Pfiff belohnt werden.“ Jeder müsse dafür sorgen, „dass es wieder in die andere Richtung läuft“.

Wichtig sei, in den kommenden Partien in kleinen Abschnitten zu denken. In der einen oder anderen Situation hätten seine Spieler zu schnell die Wende herbeiführen wollen. In Wetzlar hatte sich der TVB in der 41. Minute beim 16:20 auf vier Tore herangeschlichen. „Da wollten wir zu schnell zu viel.“ Der Schuss ging nach hinten los, im Übereifer unterliefen etliche Fehler, die Wetzlar mit fünf Treffern in Folge bestrafte.

Häfner umgeknickt – Diagnose steht noch aus
Die Punkte blieben in Wetzlar – und womöglich beklagen die Bittenfelder einen weiteren Ausfall: Eine Viertelstunde vor Schluss knickte Max Häfner um und musste verletzt vom Feld. Der Knöchel ist dick, die Diagnose steht noch aus.

Comeback von Lobedank und Schimmelbauer
Es gab allerdings auch positive Erkenntnisse, die Baur mit nach Hause nahm: Felix Lobedank und Tobias Schimmelbauer feierten ihr Comeback. „Das freut mich für die beiden“, sagt Baur. Vier Spiele verpasste der Linksaußen Schimmelbauer wegen einer Schulterverletzung. „Er macht die Abwehr wieder kompakter.“ Lobedank stand nach sechsmonatiger Pause zum ersten Mal wieder für rund 20 Minuten auf dem Platz. Es war ein überzeugender Kurzauftritt mit drei Toren.

„Ich bin sehr glücklich, dass ich endlich wieder mitspielen konnte“, sagt der 33-Jährige. Auch wenn das Resultat nicht passte, so sei’s für ihn persönlich ein großer Schritt gewesen. „Ich habe in der Reha viel investiert, aber man weiß ja nie, wie’s auf dem Feld dann funktioniert.“

Gut bei den Löwen präsentieren
Nun hofft der Routinier, dass er seinem Team auch in den nächsten Spielen weiterhelfen kann. In denen sollte der TVB noch den einen oder anderen Punkt sammeln, um nicht auf einem Abstiegsplatz in die EM-Pause zu gehen. „Wir sind natürlich in keiner schönen Situation, brauchen sie jetzt aber auch nicht zu dramatisieren“, so Lobedank.

Wichtig sei, dass sich der TVB im nächsten Spiel am Donnerstag (19 Uhr) bei den Rhein-Neckar Löwen gut präsentiere. „Vielleicht können wir dann am Sonntag im Heimspiel gegen Leipzig etwas mitnehmen.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW