Vierte Niederlage in Folge bringt TVB in Not

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat beim 23:29 (9:16) in Wetzlar seine vierte Niederlage in Folge kassiert und nur noch drei Punkte Abstand zu den Abstiegsrängen. Vor 3946 Zuschauern in der Rittal-Arena rief der TVB lediglich in den ersten zehn Minuten und kurz nach der Halbzeit sein Leistungsvermögen ab. Das reichte freilich nicht, um ein ernsthafter Gegner zu sein.

Eine schlechte Nachricht hatte den TVB bereits am Donnerstag ereilt: Das bisherige Schlusslicht TuS Nettelstedt-Lübbecke klaute FA Göppingen beim 25:25 einen Punkt, liegt nun nach Punkten auf einem Nichtabstiegsplatz und verringerte den Rückstand auf den TVB 1898 Stuttgart auf drei Zähler. Damit stand der TVB in der Partie bei der HSG Wetzlar noch mehr unter Druck.

Der TVB-Trainer Markus Baur musste zwar auf seine beiden Weltmeister Johannes Bitter und Michael Kraus verzichten, dafür meldeten sich die lange verletzten Tobias Schimmelbauer und Felix Lobedank einsatzbereit. Ganz so aussichtslos war das Unterfangen also nicht beim nur drei Punkte besseren Gegner – und der TVB erwischte einen ordentlichen Start in die Partie. Nach sechs Minuten führte er mit 3:2, zwei Minuten später mit 4:3. Allen voran die drei Treffer von Dominik Weiß machten Hoffnung.

Es dauerte allerdings nicht lange, ehe sich – wie in den Spielen zuvor – wieder eine ganze Reihe leichter Fehler ins Spiel der Gäste einschlichen. Der überragende Wetzlarer Rechtsaußen Kristian Björnsen traf beim 5:4 zur ersten Führung. Derselbe Spieler und Alexander Hermann legten zum 7:4 nach (13.). Ein bisschen Pech hatte der TVB in dieser Phase mit der einen oder anderen diskussionswürdigen Entscheidung der Schiedsrichter Fabian Baumgart und Sascha Wild. Bei Bobby Schagens Aktion entschieden sie auf Stürmerfoul statt auf Siebenmeter, dann schickten sie den verdutzten Manuel Späth für zwei Minuten auf die Strafbank und drückten bei einem technischen Fehler des HSG-Spielers Joao Ferraz alle vier Augen zu. Nach Treffern von Marian Orlowski und Stefan Salger war der TVB beim 9:8 (20.) zwar wieder dran, verpasste dann aber mit einer symptomatischen Aktion den Ausgleich: Orlowski und Weiß verdattelten einen Konter, Ferraz, Olle Forsell Schefvert und Philipp Pöter bestraften die überhasteten und unüberlegten Angriffsbemühungen des TVB mit einem Dreierpack zum 12:8.

Nicht nur im Angriff haperte es beim TVB, sondern auch in der Defensive. Bitter-Vertreter Jonas Maier blieb in den ersten 23 Minuten ohne Parade und wurde folgerichtig von Daniel Sdunek ersetzt. Auf dieser Position hätten sich die Bittenfelder mit einer halbwegs ordentlichen Leistung Vorteile verschaffen können, weil auch die Wetzlarer Keeper Benjamin Buric und Nikolai Weber kein Faktor in diesem Spiel waren.
Sdunek parierte zwar gleich einen freien Wurf. Diese Tat brachte aber nichts, weil Maximilian Holst den Siebenmeter zur 13:8-Führung der HSG Wetzlar verwandelte. Der TVB wirkte nun komplett verunsichert, Holst machte mit dem 16:8 (28.) den 7:0-Lauf des Heimteams perfekt. Einziger positiver Aspekt aus Sicht der Gäste zu diesem Zeitpunkt war das gute Comeback von Felix Lobedank, der zum 16:9-Halbzeitstand traf.

Die hohe Fehlerzahl und der deutliche Rückstand des TVB machten wenig Hoffnung auf Besserung im zweiten Spielabschnitt. Doch für ein paar Minuten keimte Hoffnung auf, dass der TVB doch noch etwas bewegen könnte. Der wieder eingewechselte Maier parierte seinen ersten – allerdings auch einzigen – Wurf, Schagen und Michael Schweikardt verkürzten auf 11:16 (32.). Der TVB spielte nun etwas entschlossener und mit mehr Zug zum Tor, mit zwei Treffern verkürzte Lobedank den Rückstand beim 15:19 (38.) auf vier Tore. Die Gäste gaben die Partie noch nicht verloren, Orlowski donnerte den Ball zum 16:20 in die Maschen (41.). Dann verzettelte sich der TVB wieder in seinen Angriffsbemühungen. Wetzlar nahm diese Einladungen gerne an und sorgte mit einem 5:0-Lauf zum 25:16 (48.) rasch für klare Verhältnisse. Erschwerend hinzu kam aus Sicht des TVB, dass nun der HSG-Keeper Buric das eine oder andere Mal einen Arbeitsnachweis lieferte, während Maier weiterhin unglücklich agierte. In der Schlussphase ging’s für den TVB wieder einmal lediglich um Schadensbegrenzung, am souveränen und verdienten 29:23-Sieg der HSG gab’s nichts zu rütteln.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW