Schwache Würfe und Pässe ins Nirwana

Wie schon gegen den THW Kiel, so sind die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart auch bei der 20:27-Niederlage in Hannover ein gutes Stück unter ihrem Leistungsvermögen geblieben. Der TVB-Trainer ärgert sich vor allem über die dürftige Wurfausbeute und Vielzahl technischer Fehler. „Wir haben reihenweise Bälle weggeworfen – ohne Körperkontakt“, sagt Markus Baur.

Besonders ausgelassen dürfte die Stimmung im TVB-Bus auf der langen Rückreise aus Hannover in der Nacht auf Freitag nicht gewesen sein. Bei der Generalprobe vor dem so wichtigen Spiel gegen den Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke in der Scharrena am Sonntag in einer Woche blieben die Bittenfelder weit hinter ihren Möglichkeiten.

Ziel: 13 Punkte am Ende des Kalenderjahrs
13 Punkte möchten sie am Ende des Kalenderjahres auf ihrem Konto haben. Mit der Leistung vom Donnerstag dürfte es allerdings schwer werden, die restlichen vier Zähler aus den Partien gegen Lübbecke, Wetzlar, Leipzig, Melsungen und zweimal gegen die Rhein-Neckar Löwen zu sammeln. „Einige sollten wieder mal den Anspruch haben, ein gutes Spiel zu machen“, sagte der TVB-Trainer Markus Baur am Tag nach der Niederlage. „Gegen Lübbecke gibt es keine Entschuldigungen mehr.“

Angst und Unsicherheit greifen um sich
In Hannover klemmte es beim TVB hinten wie vorne. „In der Abwehr fehlten uns von Beginn an der Biss und die Aggressivität“, so Baur. Die sogenannte Foulstatistik bestätigt den Trainer: Nur viermal sei es seinen Spielern gelungen, die Angriffe des Gegners zu unterbinden. „Normalerweise schaffen wir etwa 20 Unterbrechungen.“ Ein weiteres Indiz für das zögerliche Eingreifen: Die erste – und einzige – Zeitstrafe kassierte Samuel Röthlisberger acht Minuten vor dem Spielende. Die erste Strafzeit für Hannover gab’s in der 38. Minute – ein Zeichen, dass der TVB im Angriff nicht dahin ging, wo’s hin und wieder schmerzt.

Erfolgsquote aus dem Rückraum lag bei 30 Prozent
Von sämtlichen Positionen fehlte die Torgefahr, die Erfolgsquote aus dem Rückraum lag bei etwa 30 Prozent. Viel zu wenig, um ein Team wie Hannover in Bedrängnis zu bringen. Zumal sich die TVB-Spieler oft selbst im Weg standen. Vor allem im zweiten Spielabschnitt. „Unglaublich viele Bälle haben wir ohne Körperkontakt weggeworfen“, so Baur. „Ich traue jedem meiner Spieler zu, den Ball über fünf Meter zum Mitspieler zu bringen.“ Angst und Unsicherheit hätten um sich gegriffen, so die Erklärung des Trainers. Eklatant war diese Schwäche vor allem in den ersten zehn Minuten nach der Pause. Hannover verlor angesichts der deutlichen Führung in dieser Phase etwas die Konzentration. Der TVB dagegen ließ mehrfach die Chance liegen, auf drei Tore heranzukommen. Vier Fehlwürfe und ebenso viele technische Fehler leistete sich der TVB, so blieb’s beim Fünf-Tore-Rückstand.

Ordentliches Comeback für Baumgarten
Das eine oder andere positive Signal gab’s dennoch beim Verlierer. Jonas Maier, der den glücklosen Johannes Bitter nach 28 Minuten ablöste, durfte sich ein paarmal beweisen. Und Simon Baumgarten feierte ein ordentliches Comeback. „Darüber bin ich froh, er wird uns auf alle Fälle weiterhelfen“, sagt Baur. Noch gedulden mussten sich Michael Kraus und Tobias Schimmelbauer, gegen Lübbecke sollen sie in den Kader zurückkehren. Die beiden dürften das TVB-Spiel offensiv wie defensiv beleben. Kraus mit seiner Torgefährlichkeit, Schimmelbauer mit seiner Zweikampfhärte.

Keine Brisanz im Duell der Häfner-Brüder
Beides ließen die Bittenfelder in Hannover vermissen, weshalb der Gegner einen recht ruhigen Abend genoss. „Wir sind froh, dass wir mal ein entspanntes Spiel gehabt haben“, sagte der Recken-Kapitän und Ex-Bittenfelder Kai Häfner direkt nach dem Spiel. „Wir hätten es durchaus auch noch deutlicher gestalten können.“ Angesichts der klaren Machtverhältnisse fehlte auch dem Bruder-Duell die Brisanz. Nur zweimal kam’s zwischen Kai und Max Häfner zum Körperkontakt, die Gelbe Karte gegen den Nationalspieler störte die harmonische Beziehung natürlich nicht.

Genügend Zeit zur Spielanalyse hatten die Brüder übrigens hernach. Dem TVB-Youngster blieb die freudlose Rückreise mit seinem Team erspart: Er durfte den freien Freitag gemeinsam mit seinem Bruder in Hannover verbringen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW