2 Tage Pause für Körper und Geist

Nur ein Remis in eigener Halle gegen den Tabellennachbarn TSV GWD Minden: Das ist eigentlich zu wenig für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart, um sich sicheren Gefilden zu nähern. Ohne sechs Stammspieler indes war’s eine Herkulesaufgabe für den TVB. „Es ist eigentlich erstaunlich, dass wir einen Punkt geholt haben“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur.

Mit 2185 Zuschauern war die Scharrena am Sonntag nicht ganz ausverkauft. Das ist ungewöhnlich für ein Heimspiel des TVB in der kleineren Halle. Andererseits durften die Verletzten so sicher sein, ein Plätzchen hinter der Auswechselbank zu finden. Nahezu eine komplette Mannschaft machte es sich in den Schalensitzen bequem.

Djibril M’Bengue (Bruch der Kniescheibe) und Felix Lobedank (Achillessehnenriss) sind schon lange Stammgast auf der Tribüne. Finn Kretschmer (Außenbandverletzung im Fuß) und Simon Baumgarten (Entzündung im Rückenwirbel) waren noch nicht spielfähig. Am Donnerstag kam für den leidgeplagten Michael Kraus das Aus: Der Spielmacher zog sich am Mittwoch beim Pokalspiel in Lemgo in der letzten Minute der Verlängerung einen Muskelfaserriss an der Wade zu und wird vier bis sechs Wochen zuschauen müssen.

Auch Schimmelbauer verletzt
Das halbe Dutzend voll machte der gerade erst genesene Marian Orlowski: Im Abschlusstraining am Samstag knickte er um, ein dick geschwollener Knöchel machte den Einsatz unmöglich. Und damit nicht genug: Nach 50 Minuten war auch für Tobias Schimmelbauer die Partie beendet. Die Magnetresonanz-Tomografie gestern Nachmittag ergab, dass die Kapsel am Schultereckgelenk eingerissen ist, auch zwei Bänder wurden in Mitleidenschaft gezogen. Schimmelbauer bekam eine Schlinge verpasst und muss die nächsten Tage abwarten. Sein Einsatz am 5. November in Hüttenberg ist zumindest fraglich.

Youngster in der Schlussphase stark
Nach Schimmelbauers Ausfall saßen lediglich noch die jungen Sascha Pfattheicher (21), Nick Haspinger (18) und Florian Burmeister (20) auf der Auswechselbank. Letzterer wäre im linken Rückraum eine Alternative gewesen für den vor allem in der Schlussphase unglücklich agierenden Dominik Weiß, kam aber nicht mehr zum Einsatz. „Wenn Tobias nicht ausgefallen wäre, hätte ich ihn gebracht“, sagt Markus Baur. So entschied er sich für eine andere taktische Variante: Michael Schweikardt und Max Häfner bildeten die linke Angriffsseite. Weiß blieb auf dem Spielfeld, weil er auch in der Defensive eine wichtige Rolle einnimmt.

Die Akzente setzten in der Schlussphase die Youngster Häfner und Salger, die zum 23:22, 24:22 und 27:25 trafen. Die beiden hätten sich zum Matchwinner werfen können. Doch erst verfehlte Salger den Mindener Kasten, dann Salger. Vom Trainer gibt’s allerdings keinen Vorwurf. „Sie haben Verantwortung übernommen“, sagt Baur.

Am Ende reicht es für einen Punkt
Besonders Häfner hatte Eindruck hinterlassen beim gegnerischen Trainer. „Er hat enorme Inspiration entfacht auf Stuttgarter Seite und uns vor Probleme gestellt“, sagte Frank Carstens bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Trotzdem musste sich der TVB am Ende mit einem Punkt zufriedengeben – und wäre fast ohne dagestanden, hätte der überragende Jogi Bitter nicht den finalen Siebenmeter der Mindener pariert.

Die anderen Spieler wachsen an ihren Aufgaben
„Hätte mir jemand vor dem Spiel den Punkt angeboten, hätte ich sofort zugeschlagen“, sagt Baur. Er habe gehofft, dass Bitter einen Sahnetag erwischen würde. „Sonst wäre es wohl nichts geworden.“ Er ärgerte sich zwar auch einen Tag nach dem Spiel über viele „haarsträubende“ Aktionen, die seinen Spielern unterlaufen seien. Unterm Strich sei er aber glücklich, einen Punkt behalten zu haben angesichts der schwierigen Umstände. „Ich wusste aber, dass die anderen enger zusammenrücken und an ihrer Aufgabe wachsen werden.“

Zwei Tage frei
Zur Belohnung gab der Trainer seinen Spielern zwei Tage frei. Im nächsten Punktspiel in knapp zwei Wochen beim TV Hüttenberg hofft Baur auf die Rückkehr von Orlowski, Kretschmer und Baumgarten. Sollte die Personalsituation dagegen weiterhin so angespannt sein, müssen’s womöglich die jungen Spieler wieder richten.

Keine Spieler aus dem Württembergliga-Team
Weitere Spieler aus dem Württembergliga-Team nach oben zu ziehen, beispielsweise Martin Kienzle oder Alexander Heib, ist laut dem TVB-Geschäftsführer derzeit keine wirkliche Option. „Wir haben vor der Saison gesagt, sie sollen sich auf die zweite Mannschaft konzentrieren“, sagt Jürgen Schweikardt. Kienzle und Heib würden nicht mit dem Bundesligateam mittrainieren. Handball sei ein Mannschaftssport, in dem die Feinabstimmung wichtig sei. „Deshalb macht das keinen Sinn.“

„In aller Ruhe prüfen“
Mehr Gedanken macht sich Schweikardt über die unglaublich lange Verletztenliste. „Wenn wir nur 60 Prozent unseres Leistungsvermögens abrufen können, weil wir nicht annähernd komplett sind, dann kann das auf Dauer nicht gutgehen“, sagt er. „Wir hatten diese Häufung ja auch schon am Ende der vergangenen Saison. Wir müssen das jetzt in aller Ruhe prüfen und versuchen abzustellen.“