Träumen verboten: Augen auf im Abstiegskampf

Groß ist die Freude beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart über den Einzug ins Pokal-Viertelfinale, allzu lange träumen indes dürfen die Spieler von Markus Baur nicht. Am Sonntag ist in der Scharrena gegen den TSV GWD Minden wieder Abstiegskampf angesagt. „Da kommt ein schwerer Brocken auf uns zu“, sagt der TVB-Trainer.

Erschöpft, aber glücklich und mit dem Pokalsieg im Gepäck kehrte die TVB-Delegation am Donnerstag um 4.30 Uhr in der Früh mit dem Bus aus Lemgo zurück. Ganz anders war die Stimmungslage vor zweieinhalb Wochen, als sich der TVB im Punktspiel an gleicher Stätte nach einer tollen Aufholjagd etwas unglücklich mit 21:24 geschlagen geben musste. Am Mittwoch hatte der TVB das bessere Ende für sich.

Die Lemgoer haderten hernach mit der einen oder anderen Entscheidung der Schiedsrichter. Allen voran eine Szene zweieinhalb Minuten vor dem Ende erzürnte den TBV-Trainer: Sein Team bekam nach einem Foul zwar einen Siebenmeter zugesprochen, den Tim Hornke zum 26:27-Anschlusstreffer verwandelte. Allerdings kamen die Bittenfelder, sehr zum Ärger des Gegners, ohne Zeitstrafe davon. „Das verstehe ich nicht“, sagte Florian Kehrmann bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Andererseits können wir auch nicht immer das Glück auf unserer Seite haben.“

„Johannesson zum Meister geworfen“
In den ersten 30 Minuten hatte es ganz danach ausgesehen, als könnte Lemgo die Bittenfelder auch im zweiten Aufeinandertreffen in dieser Saison besiegen. Im Punktspiel hatte der TVB zur Pause mit 8:14 im Hintertreffen gelegen, am Mittwoch mit 9:12. „Wir habe den Lemgoer Torhüter Johannesson wieder zum Meister geworfen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur.

TVB in der Verlängerung bessere Nerven
Im zweiten Spielabschnitt stellte der Coach sein Team um, ließ phasenweise mit Bobby Schagen im rechten Rückraum und mit den beiden Kreisläufern Manuel Späth und Samuel Röthlisberger agieren. Dennoch sah’s beim 16:20-Rückstand zwölf Minuten vor dem Ende nicht gut aus für den TVB – doch er nützte die Fehler des Gegners rigoros aus. „Das ging ganz schnell, da wurde Lemgo etwas nervös“, so Baur. Am Ende hatte sein Team in der Verlängerung die besseren Nerven und mit Johannes Bitter und Michael Kraus zwei Weltmeister, die in einem engen Match nun einmal den Unterschied ausmachen können.

Viertelfinal-Auslosung am 5. November
Nach dem 29:27-Erfolg wartet der TVB nun gespannt auf die Auslosung der Viertelfinal-Paarungen am Sonntag, 5. November. „Wichtig wäre ein Heimspiel, bisher ist der Pokalwettbewerb für uns finanziell ein Drauflege-Geschäft“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Wenn wir dann noch einen Gegner bekommen, den wir schlagen können, wäre das perfekt.“ Schließlich träume jeder Spieler davon, einmal beim Final Four in Hamburg dabei zu sein. Im Topf liegen die HSG Wetzlar, FA Göppingen, der TSV Hannover-Burgdorf, der SC DHfK Leipzig, die Rhein-Neckar Löwen, der SC Magdeburg und die Füchse Berlin.

Am Sonntag gegen Minden punkten
In den kommenden Tagen haben die Bittenfelder allerdings keine Zeit zum Träumen: Der harte Liga-Alltag geht weiter am Sonntag (12.30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den TSV GWD Minden. Nach drei Niederlagen in Folge sollte der TVB dringend punkten. „Wir haben zwar Selbstvertrauen getankt mit dem Pokalsieg“, sagt Baur. „Mit Minden kommt aber ein schwerer Brocken auf uns zu.“

Heimniederlage in der letzten Saison
In der vergangenen Saison kam Minden als Aufsteiger nie wirklich in Abstiegsgefahr und landete am Ende auf dem sicheren zwölften Tabellenplatz. Wie unangenehm die GWD zu spielen ist, musste der TVB bei der 29:31-Heimniederlage schmerzlich erfahren. Im Rückspiel drehten die Bittenfelder den Spieß zwar beim 28:26 um, doch zu diesem Zeitpunkt war für den Gegner die Saison bereits gelaufen.

Team von Carstens hat sich verändert
Auf etlichen Position hat sich das Team von Trainer Frank Carstens verändert – und dabei eher an Qualität zugelegt. Der Torhüter Gerrie Eijlers kehrte in die Niederlande zurück, mit dem norwegischen Nationalkeeper Espen Christensen hat Minden mindestens gleichwertigen Ersatz gefunden.

Kopf im Rückraum ist der schwedische Dauerbrenner Dalibor Doder, der mit 39 Jahren jede Menge internationale Erfahrung mitbringt. Ihm zur Seite stehen mit dem Jung-Nationalspieler Marian Michalczik und dem wurfgewaltigen norwegischen Nationalspieler Christoffer Rambo exzellente Spieler. Alternativen sind der Neuzugang Andreas Cederholm und der wieder genesene Nenad Bilbjija – beide ebenfalls Nationalspieler. Wie auch die Außen Aleksandar Svitlica (Montenegro/rechts) und Luka Zvizej (Slowenien/links). Letzterer wurde nachverpflichtet, weil Charlie Sjöstrand verletzungsbedingt länger ausfällt.

Personelle Sorgen beim TVB
Der TVB hat ein paar personelle Sorgen mehr als der Gegner. Dicke Fragezeichen stehen hinter dem Einsatz vom Simon Baumgarten (Entzündung im Rückenwirbel) und Finn Kretschmer (Bänderverletzung am Fuß). Michael Kraus (Brustwirbelblockade) spielte zwar in Lemgo und hatte großen Anteil am Erfolg, er hat aber nach wie vor erhebliche Probleme.

Ausfälle im Rückraum kann sich der TVB eigentlich kaum erlauben – auch, weil sich die Torgefahr von den Halbpositionen derzeit in Grenzen hält. In Lemgo war die Trefferquote unterdurchschnittlich.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW