Der TVB steht erstmals im Pokal-Viertelfinale

Zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte steht der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart im Viertelfinale des DHB-Pokals. In einem dramatischen Spiel hat sich der TVB gestern Abend vor 2715 Zuschauern beim Liga-Konkurrenten TBV Lemgo mit 29:27 (23:23/9:12) nach Verlängerung durchgesetzt. Dabei drehte das Baur-Team den 16:20-Rückstand nach 48 Minuten.
Äußerst torarm startete die Begegnung, die Abwehrreihen und die starken Torhüter Peter Johannesson (TBV) und Johannes Bitter (TVB) dominierten das Geschehen. Tobias Schimmelbauer traf nach zwölf Minuten per Konter zum 4:3 für den TVB – es sollte aber die letzte Führung der Bittenfelder sein für lange Zeit. Der überragende Tim Suton vollendete den Lemgoer 4:0-Lauf zum 7:4 für das Heimteam.
Die Gäste hatten zunächst große Probleme im Positionsangriff, leisteten sich etliche Fehlwürfe und rannten stets einem Zwei- bis Drei-Tore-Rückstand hinterher (7:9/8:11). Zur Pause führte der TBV Lemgo verdientermaßen mit 12:9. Nur ein bisschen mehr als ein Drittel aller Wurfversuche des TVB landete im Tor der Lemgoer, allen voran aus dem Rückraum kam viel zu wenig. Die Gäste mussten froh sein, dass Bitter einen überragenden Tag erwischte.
Wie schon im Punktspiel, so kam der TVB mit deutlich mehr Zug aus der Pause zurück. Bobby Schagen verkürzte auf 11:12 (34.), Manuel Späth auf 13:14 (40.). Es entwickelte sich nun eine ausgeglichene Partie, in der Lemgo jedoch immer wieder leicht davon zog. Nach Schimmelbauers 15:16-Anschluss (43.) musste Dominik Weiß für zwei Minuten auf die Strafbank, mit vier Toren in Folge hatte das Team von Trainer Florian Kehrmann beim 20:16 (48.) wieder klar die besseren Karten.
Dann jedoch leistete sich auch Lemgo den einen oder andere Patzer – und der TVB war hellwach. Michael Kraus stellte beim 19:20 (53.) mit seinem ersten Treffer den Anschluss her. Jogi Bitter hielt in dieser fulminanten Schlussphase fantastisch, und zwei Minuten vor Schluss standen die Gäste nach Kraus’ Tor zur 23:21-Führung bereits mit einem Bein im Viertelfinale.
Das Nervenspiel war jedoch längst noch nicht zu Ende: Stefan Salger musste auf die Strafbank, elf Sekunden vor der Sirene glich Suton zum 23:23 aus. Im finalen Angriff scheiterte Schagen an Johannesson – es gab die zehnminütige Zugabe.
Die wurde mit einem verwandelten Siebenmeter von Schagen, dem ersten im Spiel für den TVB, zum 23:24 eingeläutet. Späth legte zum 23:25 nach, und die Bittenfelder behielten fortan die Nerven. Schimmelbauer per Konter und Michael Schweikardt besorgten die 27:24-Führung (65.) für die Gäste, die nach weiterhin in Bitter einen überragenden Rückhalt hatten. Lemgo versuchte es nun mit dem siebten Feldspieler, Tim Hornke verkürzte auf 26:27. Dann versenkte Kraus den Ball zum 28:26 für den TVB. Andrej Kogut brachte sein Team 80 Sekunden vor Schluss noch einmal auf ein Tor heran. Die kampf- und willensstarken Bittenfelder gaben den Vorsprung aber kein weiteres Mal aus der Hand. 60 Sekunden vor der finalen Sirene sorgte Manuel Späth mit dem 29:27 für die Entscheidung.
Damit trennt den TVB 1898 Stuttgart nur noch ein Sieg vom großen Traum, der Teilnahme am Final Four in Hamburg.
TBV Lemgo: Johannesson, Wyszomirski; Kogut (2), Guardiola (1), Ebner, van Olphen (2), Theuerkauf (1), Hornke (7/3), Hübscher, Suton (9), Bartok (2), Valiullin, Klimek, Zieker (3).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (6), Häfner, Salger (3), Weiß (2), Schagen (3/1), Schweikardt (4), Späth (4), Kraus (4), Röthlisberger (2), Burmeister, Orlowski (1).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW