Nachbericht zum Gummersbach-Spiel

Nach dem Derbysieg in Göppingen hatten die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart den Blick in die obere Tabellenhälfte gerichtet. Zwei Spieltage später sieht’s so aus, als könnte die Saison doch kniffliger werden als erhofft. „Wir haben die große Chance verpasst, Ruhe reinzubringen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur nach der 22:26-Pleite gegen den VfL Gummersbach.

Die Voraussetzungen, nach dem Spiel gegen den bis dato schwächelnden Altmeister aus Gummersbach mit 8:8 Punkten am Donnerstag nach Flensburg zu fliegen, waren so schlecht nicht für den TVB: Mit 5976 Fans war die Porsche-Arena nahezu ausverkauft. Dabei hatte der TVB im Vorfeld erhebliche Mühe gehabt, das Spiel gegen den Tabellenvorletzten am Sonntagmittag um 12.30 Uhr zu vermarkten.

Baur hatte den kompletten Kader zur Verfügung
Außerdem hatte der TVB-Trainer Markus Baur nach langer Zeit wieder – mit Ausnahme der Langzeitverletzten Felix Lobedank und Djibril M’Bengue – seinen kompletten Kader zur Verfügung. Marian Orlowski gab nach überstandener Bänderverletzung am Knie grünes Licht.

Ebenso wie Michael Kraus – wobei dem mit Wadenproblemen kämpfenden Spielmacher ein paar Stunden vor dem Spiel ein neuerliches Malheur passiert war: Bei einer ungeschickten Bewegung am heimischen Frühstückstisch holte sich Kraus einen Hexenschuss und musste sich eine schmerzstillende Spritze verpassen lassen.

Gehemmt statt befreit, Hektik statt Tempo
„Mimi hat beim Warmmachen signalisiert, dass er alles machen kann“, sagt der TVB-Coach Markus Baur. Also schickte er den Weltmeister aufs Spielfeld, was sich im Nachhinein als keine besonders gute Idee herausstellte. Kraus wirkte jedenfalls alles andere als fit, ihm unterliefen eine Vielzahl leichter Fehler.

Ausgerechnet auch in der entscheidenden Phase, als der TVB beim 20:22-Rückstand zehn Minuten vor dem Ende die Chance hatte, die Partie zu drehen. „Da standen wir in der Deckung besser, waren im Hoch, in der Halle herrschte eine gigantische Stimmung“, sagt Baur. „Aber irgendwie war’s für uns wie eine Sperre statt einer Befreiung.“ Sein Team verwechselte Tempospiel mit Hektik.

TVB mit miserabler Chancenauswertung
Somit ging’s dahin in der Schlussphase für den TVB, der sich vom Anpfiff weg selbst im Weg stand mit seiner miserablen Chancenauswertung. Je länger die Partie dauerte, desto mehr gewannen die – alles andere als furchteinflößenden – Gummersbacher dadurch an Selbstvertrauen. In gleichem Maße ging jenes der Bittenfelder flöten und kam im Laufe der 60 Minuten nicht mehr zurück.

„Im Vorfeld hat jeder davon gesprochen, dass wir gegen Gummersbach sowieso gewinnen würden“, sagt Baur. Irgendwann im Lauf des Spiels habe sein Team gemerkt, dass der VfL gut genug ist, in Stuttgart zu gewinnen. „Die Gummersbacher haben mehr investiert, sich die zweiten Bälle zu holen – wobei ich keinem meinem Spieler vorwerfen möchte, dass er nicht wollte.“

Verfrühter November-Blues
Der VfL nutzte die Gunst der Stunde zum zweiten Saisonsieg. Während der Gummersbacher Coach Dirk Beuchler seine Mannschaft für deren „gutes“ Spiel (Baur: „Was immer das auch heißen mag“) lobte, hat der TVB nun mit dem verfrühten November-Blues zu kämpfen.

„Wir haben es verpasst, Ruhe reinzubringen – vielleicht sogar bis Weihnachten“, sagt Baur. Jeder müsse spätestens jetzt wissen, dass die Saison längst noch nicht gelaufen sei und es wieder bis zum Schluss eng bleiben könne.

Am Donnerstag geht’s nach Flensburg
Die Ansicht, die Aufsteiger würden die beiden Absteiger unter sich ausmachen, sei eine Fehleinschätzung. „Ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass die nächsten vier Wochen extrem wichtig werden.“ Lediglich drei Punkte liegen zwischen dem TVB und dem Vorletzten TV Hüttenberg.

Am Donnerstag beim Vizemeister in Flensburg darf sich der TVB nichts ausrechnen. Im Heimspiel gegen den TSV GWD Minden und in der folgenden Auswärtspartie gegen den forschen Neuling TV Hüttenberg dagegen muss der TVB liefern.

Schweikardt: „Es ist noch nichts passiert“
Ziemlich bedient war auch der TVB-Geschäftsführer direkt nach dem Spiel. Am Tag danach indes gab sich Jürgen Schweikardt aber bereits wieder kämpferisch. „Es ist noch nichts passiert. Wir müssen Gummersbach schnell abhaken und uns bewusstmachen, dass wir in jedem Spiel um jeden Punkt kämpfen müssen“, sagt Schweikardt.

Vor der Saison sei einem von allen Seiten zugetragen worden, dass es in diesem Jahr leichter sei, in der Liga zu bleiben. „Ich denke, jedem dürfte spätestens jetzt klar sein, dass dem nicht so ist.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW