Mittelfeldplatz oder Abstiegskampf?

Mit dem Schrecken davon gekommen ist der VfL Gummersbach in der Vorsaison: Nur die bessere Tordifferenz gegenüber dem Bergischen HC verhinderte in der 51. Erstligaspielzeit den Abstieg. Mit einem umgekrempelten Team und dem neuen Trainer Dirk Beuchler strebt der VfL nach ruhigeren Zeiten, findet sich aber nach sieben Spielen auf dem vorletzten Platz wieder.

Eine Saison wie die vergangene möchte der zwölffache Deutsche Meister nach Möglichkeit nie mehr erleben: Erst mit dem 22:22-Unentschieden am vorletzten Spieltag gegen FA Göppingen war der Ligaverbleib in trockenen Tüchern. Der Bergische HC schloss zwar im finalen Spiel nach Punkten noch auf, die deutlich bessere Trefferdifferenz indes rettete den VfL letztlich.

Mit dem neuen Coach Dirk Beuchler, der Sead Hasanefendic ersetzt, will der Verein nun den Blick zumindest Richtung Tabellenmittelfeld richten. Die Experten trauten dem VfL allerdings in der Saisonvorschau nicht besonders viel zu angesichts der erheblichen Fluktuation im Kader. Sechs Stammspieler kehrten den Oberbergischen den Rücken: Julius Kühn, Andreas Schröder, Evgeni Pevnov, Daniel Mestrum, Kevvin Nyokas und Christoph Schindler. Letzterer blieb dem VfL wenigstens als Sportdirektor erhalten.

Simon Ernst fehlt dem VfL an allen Ecken und Enden

Sieben neue Spieler holten die Gummersbacher: Moritz Preuss und Maximilian Hermann vom Absteiger Bergischer HC, Erwin Feuchtmann (Wien), Eirik Köpp (Haslum/Norwegen), Josef Pujol (Elverum/Norwegen), Marko Matic (FC Porto) und Stanislav Zhukov (Zaporozhye/Ukraine).

Internationale Erfahrung bringen einige Neue mit. Es zeigte sich jedoch in den ersten Spielen, dass die Mannschaft offensichtlich noch ein bisschen Zeit braucht, um sich zu finden. Wobei die Gummersbacher auch vom Verletzungspech arg heimgesucht worden sind: Mit dem deutschen Nationalspieler Simon Ernst fehlt eine wichtige Stütze in der Abwehr und der torgefährliche Spielmacher wegen eines Kreuzbandrisses wahrscheinlich bis Februar. Ob der rechte Rückraumspieler Maximilian Hermann (Schulterverletzung) und der Linksaußen Kevin Schmidt (Knorpelschaden im Knöchel) überhaupt noch einmal aufs Spielfeld zurückkehren werden, ist unsicher. Zu allem Unglück fehlt derzeit auch noch der Torhüter Matthias Puhle aufgrund von Herzproblemen, Marvin Sommer ist am Sonntag nach seiner Roten Karte (mit Bericht) aus dem Spiel gegen Ludwigshafen gesperrt.

Großer Rückhalt im Team des VfL ist der ehemalige Nationalkeeper Carsten Lichtlein. Doch auch der Europameister hat nicht verhindert, dass es in dieser Saison in sieben Partien lediglich zum 28:27-Sieg gegen FA Göppingen reichte. Von den 2:8 Punkten indes sollten sich die Bittenfelder nicht täuschen lassen: Das Programm des VfL hatte es in sich. Mit dem 23:25 in Melsungen war zu rechnen, auch in Erlangen (22:25) kann man verlieren. Sehr gut präsentiert hat sich der VfL bei den knappen Niederlagen gegen die Top-Teams Rhein-Neckar Löwen (26:29) und Füchse Berlin (29:31). Etwas überraschend hingegen waren die Niederlagen gegen Wetzlar (22:33) und zuletzt bei den Eulen Ludwigshafen (24:28). Wobei auch diese Partie auf des Messers Schneide stand.

„Das Spiel ist richtungsweisend“
So oder so: Um Ruhe ins Umfeld zu bringen, sollten die Gummersbacher aus den nächsten beiden Partien in Stuttgart und gegen Lemgo etwas mitnehmen. Auf der anderen Seite hat der TVB die große Chance, sich in den kommenden Wochen ein kleines Polster zu verschaffen in den Partien gegen Gummersbach, Minden und Hüttenberg.

„Ich sehe das Spiel schon als sehr richtungsweisend für uns an“, sagte der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt bei der Pressekonferenz auf dem Cannstatter Wasen. „Entweder wir sind wieder hinten drin oder wir können uns in Richtung Tabellenmittelfeld orientieren.“

Zuversichtlich geht der Trainer die Partie an. „Natürlich ist es ein Spiel gegen einen direkten Konkurrenten“, sagte Markus Baur. „Wenn wir unsere Aufgaben erledigen, dann sind wir, glaube ich, die bessere Mannschaft.“

Der Kader dürfte sich zum Lemgo-Spiel nicht verändern. Mit Michael Kraus rechnet Markus Baur wieder. Vielleicht gibt es auch noch eine Überraschung: Marian Orlowski hat seine Bänderverletzung am Knie auskuriert und peilt sein Comeback an. „Es wird sich zeigen, ob wir das Risiko schon am Sonntag eingehen“, sagte Baur. „Marian wird aber auf alle Fälle kurzfristig wieder zum Team stoßen.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW