Magdeburg: Ein wuchtiger, aber flinker Gegner

Die MT Melsungen und der HC Erlangen sind schwere Brocken gewesen für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart zum Saisonauftakt. In Magdeburg wartet am Sonntag das beste Rückrundenteam der vergangenen Saison auf das Team von Markus Baur. „Wenn Magdeburg ins Laufen kommt, wird es uns überrennen“, sagt der TVB-Trainer.

Ganz so schlecht sind die Erinnerungen des TVB an den SC Magdeburg nicht. In der vergangenen Spielzeit gab’s zwar keine Punkte gegen den aktuellen DHB-Pokalsieger, doch der TVB hielt den Favoriten in beiden Partien in Atem. Im Hinspiel schrammten die Bittenfelder in der Scharrena bei der 31:32-Niederlage nur hauchdünn an der Überraschung vorbei. Robert Weber traf eine Minute vor dem Ende zum glücklichen Sieg der Gäste.

Die dänischen Nationalspieler machten den Unterschied

Im Rückspiel hielt der TVB bis zum 23:24 in der 50. Minute prima mit, ehe in der Schlussphase die dänischen Nationalspieler den Unterschied machten: Der Torhüter Jannick Green vernagelte den Kasten, und der zwölffache Torschütze Michael Damgaard war nicht mehr zu bremsen.

So viel Mühe hatte das Team von Trainer Bennet Wiegert nicht mit vielen Gegnern. Nach einer ordentlichen Hinrunde und 20:14 Punkten ließ es der SCM im Kalenderjahr 2017 so richtig krachen: 31:3 Punkte sammelte er in der Rückserie, das 24:28 am 11. Dezember 2016 beim THW Kiel war die letzte Niederlage. Am dritten Spieltag der aktuellen Spielzeit endete jetzt die famose Serie – wieder in Kiel.

Kiel läuft gegen Magdeburg 40 Minuten hinterher

Danach indes hatte es in der Sparkassen-Arena 40 Minuten lang ganz und gar nicht ausgesehen: 26:21 führten die Gäste zu diesem Zeitpunkt. „Magdeburg hat Kiel an die Wand gespielt“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. Im Schlussdrittel indes besann sich der Rekordmeister und drehte die Partie zum 34:32-Sieg. „Es ist ein komisches Gefühl, als Sieger vom Platz zu gehen, nachdem man 40 Minuten lang die schlechtere Mannschaft war“, sagte der Kieler Coach Alfred Gislason nach der Partie.

Die Niederlage war zwar bitter für den SCM. Die Spielweise indes hat durchaus Eindruck hinterlassen – und gezeigt, wo der zehnfache DDR-Meister hinmöchte in dieser Saison: unter die ersten fünf. Mindestens. Markus Baur traut dem SCM sogar zu, den großen drei – Rhein-Neckar-Löwen, Flensburg und Kiel – auf die Pelle zu rücken.

Zwei neue abwehrstarke Nationalspieler

Mit Finn Lemke, Fabian van Olphen, Jacob Bagersted und Yves Grafenhorst verlor der SCM zwar vier Spieler. Letztlich spürbar indes, wenn überhaupt, dürfte nur der Abgang von Abwehrchef Lemke sein. Mit den abwehrstarken und körperlich sehr robusten Nationalspielern Gleb Kalaresh (Russland) und Piotr Chrapkowski (Polen) dürfte der Verlust wettgemacht sein. Großer Rückhalt in der starken Defensive ist das Torhütergespann Jannik Green/Dario Quenstedt.

Ausnahmekönner haben die Magdeburger auch in der Offensivabteilung. Zwei unterschiedliche Charaktere teilen sich die Position in der Rückraum-Mitte: Christian O’Sullivan ist sehr torgefährlich, Marko Bezjak zieht gekonnt die Fäden. Auf den Halbpositionen hat Bennet Wiegert mit Michael Damgaard, Mads Christiansen, Nemalja Zelenovic, Piotr Chrapkowski und dem – allerdings aktuell verletzten – Neuzugang Carlos Molina Cosano etliche Top-Spieler zur Verfügung. Eine Bank am Kreis ist Zeljko Musa.

Magdeburger nicht ins Tempospiel kommen lassen

Auf den Außenbahnen tummeln sich mit dem österreichischen Rekord-Torschützen Robert Weber, Daniel Pettersson (Schweden) und Matthias Musche (Deutschland) ausnahmslos äußerst flinke Nationalspieler. „Wir dürfen die Magdeburger nicht ins Tempospiel kommen lassen“, sagt Baur. „Sonst rennen sie uns nieder.“

Personell keine Veränderungen beim TVB

Personell gibt’s beim TVB keine Veränderungen gegenüber dem Erlangen-Spiel. Dominik Weiß legt erst Ende der Woche die Gehhilfen wieder zur Seite. Wann er wieder einsatzfähig sein wird, ist offen.

Dem TVB bleibt die Hoffnung, dass die Magdeburger in der Partie am Donnerstag gegen die Füchse Berlin ein paar Körner gelassen haben und nicht ganz so vehement auf die Tube drücken werden drei Tage danach.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW