WILD BOYS zu Gast bei den Löwen

Die Rollen sind klar verteilt, wenn der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart an diesem Mittwoch in der Mannheimer SAP-Arena antritt: Die Rhein-Neckar Löwen lösten bei einem Sieg die Flensburger an der Tabellenspitze ab. Für den abstiegsbedrohten und personell arg gebeutelten TVB geht’s um ein ordentliches Resultat.

Hat Michael „Mimi“ Kraus in Lemgo womöglich zum letzten Mal das TVB-Trikot getragen? In dieser Saison auf alle Fälle, nach dem Trümmerbruch an der rechten Hand geht nichts mehr. Im Falle des Abstiegs wäre das Engagement des Weltmeisters beendet: Der vor ein paar Wochen verlängerte Vertrag gilt nur für die 1. Liga.

„Wir schauen nach vorne und haben noch andere personelle Möglichkeiten“

„Das ist ganz bitter und wahrlich kein guter Zeitpunkt für eine solche Verletzung“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Keine Frage, Mimis Ausfall kann der Genickbruch für uns sein.“ Es bestehe jedoch kein Grund, jetzt zu resignieren. Sein Team habe im Abstiegskampf alles noch selbst in der Hand – und das sei immer von Vorteil. „Wir schauen nach vorne und haben noch andere personelle Möglichkeiten.“ Der TVB habe in dieser Saison schon genügend Spiele gehabt, in denen Kraus’ Einfluss nicht so groß gewesen sei. Die Verantwortung liege nun eben auf den Schultern seiner Kollegen. „Jetzt braucht keiner mehr nach Mimi zu schauen und sagen, mach’ du mal.“

Teilweise hat es ohne Mimi funktioniert

Zumindest teilweise funktioniert hat’s ohne den besten Torschützen und Spielmacher beim 24:24 in Lemgo – wobei für den TVB mit Kraus vielleicht noch mehr drin gewesen wäre. 6:3 führten die Bittefelder nach 13 Minuten, dann war für Kraus die Partie mehr oder weniger beendet. In der fortan ausgeglichenen Partie rettete der TVB nach dem 22:24-Rückstand – wie schon in Hannover – einen Punkt. „In der Schlussphase haben wir mit Herz verteidigt“, sagt Baur.

Zwei dicke Brocken warten

Die seit Wochen stabile Defensive macht Hoffnung für den schwierigen Saisonendspurt. Ehe die vermutlich entscheidenden Partien beim TSV GWD Minden und gegen den HSC Coburg anstehen, bekommt der TVB mit dem Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen an diesem Mittwoch in Mannheim und dem Tabellenvierten Füchse Berlin am Samstag in der Scharrena zwei dicke Brocken vorgesetzt.

Heimrecht für die Löwen

Zum dritten Mal innerhalb einer Woche genießen die Löwen Heimrecht, zum dritten Mal gegen einen Abstiegskandidaten. Gegen ihren Angstgegner Bergischer HC hatten sie beim 31:28 einige Probleme, deutlich souveräner traten sie beim 33:23 gegen den HBW Balingen-Weilstetten auf. Die Partie gegen den TVB ist für die Mannschaft von Trainer Nikolaj Jacobsen die Generalprobe für das Spiel der Spiele am kommenden Sonntag: Bei einem Sieg gegen Stuttgart reiste der Meister als Tabellenführer zum dann einen Punkt schlechter platzierten Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt.

„Die Löwen werden versuchen, viel zu wechseln und allen Akteuren Spielanteile zu geben“

Die Löwen waren trotz ihres Titels nicht unbedingt als Meisterschaftsfavorit in die Saison gestartet. Und tatsächlich lief’s spielerisch nicht immer so rund. Die Bilanz bei lediglich zwei Niederlagen (17:21 gegen Flensburg und 32:35 in Magdeburg) und einem Unentschieden (30:30 in Berlin) ist dennoch überragend. Die Hoffnung, dass die Löwen den TVB unterschätzen oder das „Endspiel“ am Sonntag die Sinne benebeln könnte, ist eher gering. „Die Löwen werden versuchen, viel zu wechseln und allen Akteuren Spielanteile zu geben“, sagt Baur. Große Stärke des Gegners sei das temporeiche und druckvolle Spiel. Nahezu perfekt sei das Zusammenspiel von Andy Schmid mit seinen Kreisläufern – je nach Gusto mit Hendrik Pekeler, Rafael Baena oder Gedeon Guardiola.

Individuelle Klasse

Der Kader der Mannheimer ist zwar in der Breite nicht ganz so gut bestückt wie jener des Konkurrenten Flensburg. Was die individuelle Klasse betrifft, stehen sich beide Teams in nichts nach. Im Tor ist der schwedische Nationaltorhüter Mikael Appelgren nach der Verletzung von Andreas Palicka derzeit im Dauereinsatz.

Eines der besten Außen-Duos

Im linken Rückraum ist Kim Ekdahl du Rietz gesetzt, die rechte Seite ist mit Alexander Petersson und Harald Reinkind erstklassig besetzt. Mit Andy Schmid zieht einer der weltbesten Spielmacher die Fäden, als Back-up steht Mads Mensah Larsen zur Verfügung. Das Außen-Duo Patrick Groetzki/Gudjon Valur Sigurdsson gehört zum Besten, was die Liga zu bieten hat.

Baur: „Wir wollen ein gutes Spiel machen“

Da kann der TVB bei weitem nicht mithalten. „Für uns ist die Ausgangslage so wie vor dem Flensburg-Spiel“, sagt Baur. „Wir wollen ein gutes Spiel machen.“ Michael Schweikardt wird die Nummer eins sein auf der Spielmacher-Position, alternativ stehen Marian Orlowski und Vio Fotache parat. Vielleicht taucht in der Schaltzentrale auch ein „Fachfremder“ auf. „Bobby Schagen hat in Nordhorn auf Halbrechts gespielt“, sagt Baur. „Wenn er das kann, kann er’s auch auf der Mitte.“

Starker Orlowski

Für Torgefahr auf den Halbpositionen im Rückraum müssen Can Celebi („Er macht seine Sache gut“), Dominik Weiß („Er wird wieder kommen“) und Felix Lobedank sorgen. Der Ex-Göppinger sucht noch nach seiner Stabilität. Am durchschlagskräftigsten ist derzeit Orlowski. „Marian ist auf einem sehr guten Weg“, so Baur.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW