WILD BOYS wollen gegen Wetzlar zwei Ostereier finden

Der THW Kiel ist neuer DHB-Pokalsieger. Durch einen klaren 29:23 Erfolg über die SG Flensburg-Handewitt konnten die Zebras eine weitere Saison ohne Titel verhindern. Für den TVB Stuttgart geht es hingegen um den Klassenerhalt in der DKB Handball Bundesliga, wo die WILD BOYS zurzeit auf dem 14. Tabellenplatz rangieren. Damit liegen sie auf den Nichtabstiegsrängen. Dahinter folgt punktgleich der HBW Balingen-Weilstetten, der aber einen Zähler mehr aufweist als der TBV Lemgo und der Bergische HC. Die „Löwen“ besiegten Frisch Auf Göppingen überraschend deutlich mit 32:26. Bei dieser Enge im Tabellenkeller spielt am Ende vielleicht auch noch das Torverhältnis eine gewichtige Rolle. Und hier hat der TVB trotz der knappen 24:25 Niederlage beim Pokalsieger einen echten Big Point gelandet. WILD BOYS Coach Markus Baur hielt fest: „Wenn wir die Leistung von Kiel in die nächsten Spiele mitnehmen, werden wir die nötigen Zähler noch holen.“

Am besten beginnen die WILD BOYS gleich am Gründonnerstag mit dem Punktesammeln. Dafür wird aber gegen die HSG Wetzlar eine echte Bravourleistung der Heimmannschaft notwendig sein. Denn die Mittelhessen sind nicht von Pappe und belegen einen Rang in der oberen Tabellenhälfte. Und das, obwohl das Team von Trainer Kai Wandschneider mit 2:10 Zählern in die Saison gestartet ist. Herausragend war hierbei allerdings der 27:24 Sieg gegen den THW Kiel. Nach dem 31:24 Erfolg über den HSC Coburg lief es allerdings bei den Gästen, die mit dem 32:23 in Erlangen ein deutliches Ausrufezeichen setzten. Auch der TVB Stuttgart war beim 25:33 in Wetzlar ohne echte Siegchance. Auffallend ist bei den Gästen, dass sie mit den ersten fünf Teams der Tabelle (Kiel war hier die große Ausnahme) noch nicht mithalten können, die anderen Mannschaften sind für die Mittelhessen aber alle schlagbar. So auch EHF-Pokal-Teilnehmer und Hessenrivale MT Melsungen, der zweimal die Segel streichen musste.

Vielleicht gibt es nächste Saison sogar wieder ein Mittelhessenderby, dann nämlich, wenn der zurzeit aussichtsreich im Aufstiegsrennen der Zweiten Bundesliga liegende TV Hüttenberg tatsächlich in die DKB Handball Bundesliga zurückkehrt. Dann werden die Anhänger der beiden Traditionsvereine wieder in Scharen zu den Derbys in die Hallen pilgern. Wie bereits in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als beide Teams noch erstklassig waren. Damals spielte die HSG Wetzlar teilweise noch als HSG Dutenhofen/Münchholzhausen. Auch für Markus Baur, dem Trainer der WILD BOYS, ist die Partie heute eine Reise in die Vergangenheit. Er spielte um die Jahrtausendwende bei der HSG Wetzlar und war maßgeblich am damals sicheren Klassenerhalt des Aufsteigers aus Mittelhessen beteiligt. Unter Trainer Velimir Petkovic startete die Mannschaft eine erfolgreiche Ära und etablierte sich in der DKB Handball Bundesliga. In der Saison 2012/13 wurde unter Trainer Kai Wandschneider mit den jungen deutschen Nationalspielern Steffen Fäth, Tobias Reichmann und Kevin Schmidt mit Rang 7 die bisher beste Platzierung in der DKB Handball Bundesliga erreicht. Das Erfolgsrezept der HSG Wetzlar, junge Spieler in das Team zu integrieren, funktioniert auch noch heute.

Dafür betreiben die Mittelhessen auch eine hervorragende Jugendarbeit. Die B-Jugend der Spielgemeinschaft wurde bereits mehrfach deutscher Meister. 2013 scheiterte das Team im Endspiel allerdings knapp an den Berliner Füchsen. Aber auch die A-Jugend, die sich bisher immer für die Jugend-Bundesliga qualifizieren konnte, ist sehr erfolgreich. 2015 scheiterte man in den Finalspielen um die deutsche Meisterschaft denkbar knapp an der Jugend des SC DHfK Leipzig. Auch in diesem Jahr lieferten sich diese beiden Teams ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz in der Ost-Staffel der A-Jugend Bundesliga, das am Ende die HSG Dutenhofen/Münchholzhuasen mit einem 26:23 Heimsieg für sich entschied.

Im Spiel am Gründonnerstag geht es allerdings nicht um die deutsche Meisterschaft, dafür aber um den Klassenerhalt für den TVB 1898 Stuttgart. Sollten die WILD BOYS gewinnen, hätten sie sich zumindest ein klein bisschen Luft verschafft gegenüber den Konkurrenten im Abstiegskampf. „Meine Mannschaft weiß, um was es geht“, stellt TVB-Coach Markus Baur fest. Und das wissen natürlich auch die Anhänger der Blau-Weißen, die am Donnerstag wieder wie Mann hinter ihrem Team stehen müssen. Die Atmosphäre in der SCHARRena muss wieder brodeln. Aber gerade dafür ist die enge Halle prädestiniert. „Es wäre toll, wenn wir mit einem Erfolg in das Osterwochenende gehen könnten“, hofft auch TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt und verspricht: „Die Mannschaft wird sich auf jeden Fall zerreißen, um ein positives Ergebnis gegen den Favoriten aus Wetzlar zu erreichen.“ Nicht mit dabei sein kann allerdings Djibril M’Bengue. Für ihn ist die Saison gelaufen. Der Linkshänder kommt nun doch um eine Operation an der Patellasehne nicht herum.

Quelle: Joachim Gröser, TVB