Eine Mischung aus Konzentration und Anspannung

6211 Fans sahen die Partie gegen den ThSV Eisenach in der Porsche-Arena, jeweils 2049 die beiden darauffolgenden Spiele gegen den TV Großwallstadt und TV Neuhausen/Erms in der Scharrena. Auch im finalen Heimspiel an diesem Freitag gegen den SV Henstedt-Ulzburg ist beim Platz mehr frei im Bauch der Mercedes-Benz-Arena. „Wir brauchen unsere Fans ganz dringend“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. Dass eine entsprechende Atmosphäre die Mannschaft zum Sieg tragen könne, habe vor allem die schwierige und enge Partie gegen Großwallstadt gezeigt.

Die Euphorie im Umfeld ist größer denn je, nachdem der TVB plötzlich wieder alle Trümpfe in der Hand hat im Aufstiegsrennen. Das spürt auch der Trainer – und tritt sogleich auf die Bremse. „Sicher haben wir uns über den für uns perfekten Spieltag gefreut“, sagt Schweikardt. „Es gibt jetzt aber keinen Grund, überaus euphorisch zu sein.“

Von einer Vorentscheidung im Aufstiegskampf will der Coach nichts wissen, die Aussagen der Konkurrenten interessieren ihn „nullkommanull“. Die Verantwortlichen der HSG Nordhorn-Lingen und DJK Rimpar Wölfe ließen nach den ebenso überraschenden wie schmerzhaften Pleiten gegen Dormagen und Aue bereits drei Spieltage vor Schluss leichte Anzeichen von Resignation verlauten.

„Wir konzentrieren uns wie immer auf die nächste Aufgabe“, sagt Schweikardt. „Die Spieler brennen darauf, gegen Henstedt den nächsten Schritt zu machen.“ Er hat unter der Woche eine Mischung aus Anspannung und Konzentration gespürt, die auch nicht durch Personalentscheidungen gestört worden sei. Am Dienstag hatte der TVB bekanntgegeben, dass die Verträge mit dem Torhüter Jürgen Müller und mit Nils Kretschmer nicht verlängert werden. „Für die Spieler kam das ja nicht aus heiterem Himmel, das war ein längerer Prozess“, sagt Schweikardt. „Irgendwann müssen wir’s ja bekanntgeben, es gibt nicht immer den perfekten Zeitpunkt.“

Aktuell zählt für Schweikardt nur das Spiel gegen den unbequemen Neuling SV Henstedt-Ulzburg. Im Hinspiel retteten die Bittenfelder mit viel Dusel ein 24:24-Unentschieden. Eine Minute und 40 Sekunden vor dem Ende hatten sie noch mit 22:24 im Hintertreffen gelegen, ehe Michael Schweikardt per Siebenmeter-Nachwurf und Tobias Schimmelbauer mit dem Schlusspfiff trafen.

„Henstedt hat eine richtig gute Rückrunde gespielt und beeindruckende Siege geholt“, sagt Schweikardt und denkt dabei unter anderem an das 32:24 in Nordhorn, das 25:20 gegen Großwallstadt oder das 29:21 in Essen. Mit dem jüngsten 22:21-Sieg gegen den TV Hüttenberg machte der Aufsteiger mit 16:14 Rückrundenpunkten drei Spieltage vor Saisonende den Ligaverbleib quasi perfekt: Bei sechs Punkten und 38 Toren Vorsprung auf den Abstiegsplatz dürfte nichts mehr anbrennen.

Kopf der „Frogs“ und verlängerter Arm des Trainergespanns Amen Gafsi/Matthias Karbowski ist der Ex-Bietigheimer Spielmacher Nico Kibat. „Henstedt hat eine sehr gute Struktur in der Mannschaft und eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern.“ Torgefährlichster Akteur ist Tim Völzke, der linke Rückraumspieler hat 168-mal getroffen. Im Tor steht der Ex-Saarlouiser Routinier Jan Peveling.

Bei allem Respekt vor dem Gegner: Jürgen Schweikardt möchte sich in erster Linie auf sein Team konzentrieren. Und das muss erneut einen Ausfall verkraften: Martin Kienzle hat sich im Training verletzt, es besteht Verdacht auf Bruch des Handgelenks. Auch das Comeback von Florian Schöbinger lässt auf sich warten. Umso wichtiger ist’s, dass Tobias Schimmelbauer und Simon Baumgarten seit dem Hamm-Spiel wieder im Kader stehen. „Ohne die beiden und Jörg Lützelberger hätten wir in Hamm wohl nicht gewonnen“, sagt Schweikardt. Michael Seiz, der in Hamm wegen einer Schulterverletzung fehlte, dürfte gegen Henstedt-Ulzburg wieder dabei sein.

Eine weitere gute Nachricht gab’s für die Bittenfelder an diesem Donnerstag: Die Lizenzierungskommission der deutschen Handball-Bundesliga (HBL) hat die letzten Entscheidungen für die bevorstehende Spielzeit verkündet: Der TVB hat auch die Bedingungen für die 1. Liga erfüllt.