TVB mit neuem Mut – und neuen Sorgen

Es ist ein toller Handball-Abend gewesen am Freitag in der Würzburger S.-Oliver-Arena – mit einem perfekten Ende für die Gäste. Das Spiel des Zweiten Rimpar Wölfe gegen den Dritten TV Bittenfeld hatte so ziemlich alles geboten, was das Handball-Herz begehrt: Tempo, Einsatz, Spielwitz und Spannung.

Die Kulisse, 3075 Fans verfolgten die Partie in der ausverkauften Halle, sorgte für den passenden Rahmen – und beim Bittenfelder Trainer für Gänsehaut. Vier voll besetzt Busse und etliche Pkw aus Bittenfeld hatten sich auf den Weg nach Würzburg gemacht. „Die Stimmung, die unsere Zuschauer gemacht haben, hat mich an Altensteig erinnert“, sagt Jürgen Schweikardt. Am 7. Mai 2006 hatten die Bittenfelder im Schwarzwald mit einem Sieg gegen den heimischen TSV den Aufstieg in die 2. Liga gefeiert. „Unsere Fans haben am Freitag einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass wir die Rückschläge so gut verkraftet haben“, so Schweikardt.

Zwei für einen: Bischoff und Kretschmer ersetzen Baumgarten

Davon gab’s auch in Würzburg ein paar. Beispielsweise verspielten die Bittenfelder die 16:12- und 20:16-Führung. Den ersten herben Dämpfer indes mussten die Bittenfelder bereits nach einer Viertelstunde hinnehmen: Simon Baumgarten verdrehte sich das Knie und verfolgte das Spiel fortan von der Bank aus.

Die endgültige Diagnose steht zwar noch aus. Sicher indes ist, dass der Außenmeniskus geschädigt ist. Im besten Fall dürfte der Kreisläufer nur gegen den TV Neuhausen/Erms am Freitag ausfallen und nach der dreiwöchigen Pause beim ASV Hamm-Westfalen wieder dabei sein. Sollte Baumgarten operiert werden müssen, droht ihm eine längere Schonzeit.

In Würzburg ersetzten gleich zwei Spieler den Kreisläufer: im Angriff Alexander Bischoff aus dem Perspektivteam, in der Deckung Nils Kretschmer. Mit beiden war der Trainer sehr zufrieden: Bischoff holte immerhin zwei Siebenmeter heraus, Kretschmer bildete mit Dominik Weiß einen starken Mittelblock. Den mussten die Bittenfelder zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit umstellen: Ursprünglich hatte Weiß Florian Schöbinger an der Seite, nach dessen Verletzung war Baumgarten eingesprungen.

Vor allem die Defensive machte dem Trainer am Freitag viel Freude. Zwar hätten seine Spieler nicht jeden Zweikampf für sich entschieden. „Aber die Leidenschaft, mit der sie sich gegenseitig ausgeholfen haben, war super.“ Letztlich hätten die paar Prozent mehr Siegeswillen den Ausschlag gegeben – zusammen freilich mit der individuellen Klasse, welche die Bittenfelder nun einmal haben. Die wurde beispielsweise in der Schlussphase deutlich. Nachdem sich die Wölfe vom 16:20-Rückstand zum 20:20 herangekämpft hatten und auf die Wende hofften, stellte Jürgen Schweikardt in einer Auszeit um: Für den Rechtsaußen Finn Kretschmer kam Djibril M’Bengue aufs Feld – gemeinsam mit Lars Friedrich. Drei der sechs restlichen Treffer gingen auf das Konto des Youngsters, der ebenso wie Dominik Weiß in entscheidenden Situationen die nötige Portion Entschlossenheit an den Tag legte. Kaum mehr zu überwinden in der Schlussphase war zudem der Bittenfelder Torhüter Dragan Jerkovic. So stand letztlich der verdiente 26:22-Sieg, mit dem sich der TVB – aufgrund der besseren Tordifferenz – den zweiten Tabellenplatz von den Wölfen wieder zurückholte. Bei einem Team immerhin, das nach Leipzig die zweitbeste Heimbilanz aufweist.

Am Freitag (20 Uhr) müssen die Bittenfelder diesen Aufstiegsrang im württembergischen Derby verteidigen. Mit 29:37 Punkten steht der TV Neuhausen/Erms zwar lediglich auf dem zwölften Platz, was den TVB-Coach angesichts der schwierigen personellen Lage wenig interessiert. „Wir kommen auf dem Zahnfleisch daher und sehnen die dreiwöchige Pause herbei“, sagt Schweikardt. Mit Baumgarten, Schimmelbauer und Schöbinger werden dem TVB drei wichtige Männer fehlen. „Und für Neuhausen ist es das Spiel des Jahres.“

Schweikardt hofft, dass die Fans und das gesamte Umfeld den TVB ähnlich „kompromisslos“ unterstützen werden wie gegen Großwallstadt. „Wir müssen alle unsere Energie auf dieses Spiel lenken und dann in der Spielpause unsere Wunden lecken.“