TVB hat den Aufstieg wieder selbst in der Hand

Gegen den ThSV Eisenach hatte der TVB sechseinhalb Minuten vor dem Ende mit 24:21 geführt – und mit 25:26 verloren. Am Freitagabend gegen den TV Großwallstadt hatten die Bittenfelder eine Minute und elf Sekunden vor Schluss drei Tore Vorsprung: Da ging nichts mehr schief – selbst bei offener Deckung des Gegners.

Wie groß die Erleichterung bei den Spielern und Verantwortlichen des TV Bittenfeld war nach dem letztlich sicheren 28:24-Sieg, verdeutlichte eine Szene nach der Schlusssirene: Der Sportliche Leiter Günter Schweikardt, der sich normalerweise dezent im Hintergrund hält, eilte aufs Spielfeld und feierte mit.

Nach 1:5 Punkten meldete sich der TVB mit einer kämpferisch sehr starken und spielerisch guten Leistung zurück im Aufstiegsrennen. Entsprechend aufgeräumt zeigte sich Jürgen Schweikardt nach dem Spiel bei der Pressekonferenz. Die war recht schnell zu Ende, weil der Moderator Jens Zimmermann nur den Bittenfelder Trainer vor dem Mikrofon hatte. Schweikardts Kollege Maik Handschke schwänzte und schickte auch keinen Stellvertreter. Offenbar, so war zu hören, wollte sich Handschke nur vor den Medienvertretern äußern und nicht vor den Fans. So jedenfalls ist das Prozedere in Großwallstadt.

Siebenmeter-Killer Daniel „Manni“ Sdunek

Unterhaltsam war das Trainergespräch dennoch, weil Jürgen Schweikardt logischerweise bester Laune war. „Nach den vielen Negativerlebnissen in den vergangenen Wochen hatten wir das Gefühl, dass alles über uns hereinbricht. Entsprechend im Keller war die Stimmung“, sagte der Coach. „Ich wusste nicht, wie die Mannschaft die harten Erfahrungen und das Verletzungspech wegstecken würde.“ Einsatz und Leidenschaft habe er von seinen Spielern in der Partie gegen den TV Großwallstadt gefordert – und wurde nicht enttäuscht.

Besonders gut gefallen hat Schweikardt, wie sich seine Abwehr – ohne die verletzten Defensivspezialisten Tobias Schimmelbauer und Florian Schöbinger –, präsentierte. „Die Spieler sind 60 Minuten bis an ihre Grenze gegangen.“ Ein Akteur war nur für ein paar Sekunden auf dem Spielfeld, hatte jedoch nicht unerheblichen Anteil am Bittenfelder Erfolg: Daniel Sdunek hatte den Vorzug vor Jürgen Müller erhalten, bildete zusammen mit Dragan Jerkovic das Torhütergespann – und hielt drei Siebenmeter in Folge. „Beide trainieren gut und sind auf Augenhöhe“, sagt Schweikardt. „Manni sollte Emotionen ins Spiel bringen, das ist ihm gut gelungen.“

Auch mit einer anderen Personalentscheidungen lag der Trainer am Freitag richtig: Der angeschlagene Djibril M’Bengue spielte konzentriert in der Offensive und war in der Abwehr im Eins-gegen-eins kaum zu überwinden.

Letztlich behielten die Bittenfelder dieses Mal auch in der haarigen Schlussphase gegen die offensive Großwallstädter Deckung einen kühlen Kopf. „Es ist allerdings zu einfach, alles nur an den Nerven festzumachen“, sagt Schweikardt. Es gehöre immer eine Portion Glück dazu. Damit sei sein Team in den vergangenen Wochen nicht eben gesegnet gewesen. Gegen Großwallstadt dagegen habe auch mal ein Ball vom Innenpfosten den Weg ins Tor gefunden.

Anders als zuletzt ließ am 32. Spieltag die Konkurrenz Federn: Nach 14:0 Punkten mussten sich die Eisenacher mit 27:29 beim heimstarken EHV Aue geschlagen geben und dem TV Bittenfeld wieder den dritten Platz überlassen. Überraschend stabil dagegen zeigen sich nach wie vor die Rimpar Wölfe. Mit 5:7 lag das Team des Ex-Bittenfelders Jens Bürkle nach elf Minuten beim TV Hüttenberg zurück – und zerlegte den Gegner in den folgenden 18 Minuten mit einem 15:3-Lauf und siegte locker mit 28:24.

Nachdem die Wölfe im Februar und März ein bisschen schwächelten, haben sie sich jetzt mit vier Siegen hintereinander wieder eindrucksvoll zurückgemeldet. Und sie könnten am Freitag einen großen Schritt machen in Richtung 1. Liga: Sollten die Wölfe im Duell Zweiter gegen Dritter den TV Bittenfeld besiegen, vergrößerte sich ihr Vorsprung auf den vierten Rang auf mindestens vier Punkte. Der TVB dagegen könnte sich mit einem Erfolg sogar den zweiten Tabellenplatz zurückholen.

Die starke Leistung vom Freitag dürfte den Bittenfeldern neues Selbstvertrauen eingeflößt haben. „Wir fahren dennoch als Außenseiter nach Würzburg“, sagt Schweikardt. „Das wird sehr schwierig gegen einen Gegner, der richtig gut drauf ist.“

Sechs Spieltage vor Schluss sieht’s ganz danach aus, dass sich die Aufstiegsfrage nicht vorzeitig klären dürfte. Leipzig ist durch, dahinter ist ein Vierkampf entbrannt um die restlichen beiden Aufstiegsplätze. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Fünfte HSG Nordhorn-Lingen am Ende triumphiert: Nach 9:1 Punkten in Serie hat die HSG lediglich zwei Punkte Rückstand auf den dritten Rang.