Wehmut nach sechs Jahren TVB

Seit 13 Jahren ist Daniel Sdunek Profi-Handballer, fast die Hälfte davon hat er im Tor des Zweitligisten TV Bittenfeld gestanden. Im Juli ist Schluss, der 35-Jährige wird sich auf seinen Beruf konzentrieren und nebenbei für den Drittligisten TGS Pforzheim spielen. „Irgendwann ist’s vorbei“, sagt er. „Ich freue mich auf die neuen Aufgaben, ein komisches Gefühl ist es aber schon.“
Die Fans werden ihren „Manni“, wie sie Daniel Sdunek in Bittenfeld nennen, sicherlich vermissen. Der Mann mit der Nummer 16 auf dem Trikot hat maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass sich der TV Bittenfeld zu einem Spitzenteam der 2. Liga entwickelt hat. Nach 13 Jahren im Profi-Handball, sechs Spielzeiten davon beim TVB, beginnt für den 35-Jährigen im Sommer eine neue Lebensphase. Erstmals wird nicht der Handball im Mittelpunkt stehen, sondern der Beruf. Beim Hauptsponsor Kärcher, bei dem der Torhüter aktuell halbtags arbeitet, wird Sdunek eine volle Stelle im Marketing antreten.
Das Handballspielen lernte Sdunek beim Traditionsclub TUSEM Essen. Früh hat sich abgezeichnet, dass der Torhüter mit einem Talent gesegnet ist, das ihn zu Höherem befähigt. Auch wenn der Gedanke, Profi zu werden, bereits im Kopf war, bastelte Sdunek stets parallel an seiner Berufsausbildung. So begann er nach dem Abitur ein Betriebswirtschaftsstudium.
Mit 23 Jahren wechselte Sdunek zum damaligen Zweitligisten HSG Düsseldorf, mit dem er in die 1. Liga aufstieg. Als Vollprofi. „Spätestens da wusste ich, dass ich nebenbei etwas anderes machen muss“, sagt Sdunek und lacht. „Wenn man morgens um zehn schon trainiert, kommt man in Freizeitstress.“ Zudem sei ihm schon immer klar gewesen, dass ihm der Sport keine Reichtümer bescheren würde.
In einer Düsseldorfer Sportagentur absolvierte Sdunek ein Praktikum im Bereich Event/Marketing. Beim TV Willstätt/HR Ortenau arbeitete er nebenbei beim Hauptsponsor, ließ sich in dieser Zeit zum Industriekaufmann ausbilden. Das Engagement endete 2009 mit der Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH. Sdunek, der noch einen Vertrag hatte, musste sich einen neuen Verein suchen. „Das war bitter“, sagt er. „Mir hat’s dort sehr gut gefallen.“ Zumal er auch beruflich Fuß fasste. „Vermutlich wäre ich heute noch dort.“ Aus Frust habe er kurz überlegt, mit dem Profi-Sport auszuhören.
Die berufliche Perspektive gab, zusammen mit dem sportlichen Reiz, den Ausschlag zugunsten des TV Bittenfeld. „Die Firma Kärcher kennt ja jeder, natürlich war das für mich sehr interessant“, sagt Sdunek. Rücksicht nehmen musste er bei der Wahl seines Vereins auf niemanden, Sdunek war zu der Zeit ungebunden.
Das änderte sich schnell. Den Plan, sich mittelfristig wieder gen Heimat nach Essen zu bewegen, legte der Torhüter bereits nach ein paar Monaten ad acta: Er lernte die Bittenfelderin Nicole Konti kennen und lieben, die beiden heirateten nach einem halben Jahr. „Die Bittenfelder wissen halt, wie man Spieler bindet“, sagt Sdunek und lacht. Die Ehefrau ist im Ort verwurzelt, die 15-jährige Tochter Milena und der mittlerweile drei Jahre alte gemeinsame Sohn Milo fühlen sich hier wohl. Ein Umzug kam für die Familie Sdunek nicht infrage. Und damit stand auch Wechsel zu einem anderen Profi-Verein – „trotz des einen oder anderen finanziell interessanten Angebots“ –, nicht zur Debatte.
Nachdem der TVB seinem Torhüter kein neues Vertragsangebot unterbreitet hatte, war für Sdunek klar, dass das Ende des Profi-Handballs nahte. Die Firma Kärcher bot seinem Teilzeit-Angestellten eine Vollzeit-Stelle an – mit der Möglichkeit, einen Teil seiner Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Perfekt für die Familie, schließlich ist die Ehefrau auch berufstätig.
Seinen Traumjob hat Daniel Sdunek gefunden, doch Handball-Rente möchte er deshalb noch nicht beantragen. „Der sportliche Ehrgeiz ist noch da“, sagt er. „Ich denke, ich habe in dieser Saison gezeigt, dass ich noch wettkampffähig bin.“ Eine Option war, in der zweiten Mannschaft des TVB zu spielen. Dann kam das lukrative Angebot des Drittligisten TGS Pforzheim. Sdunek unterschrieb, bei zwei bis drei Trainingseinheiten in der Woche ist der Aufwand ein gutes Stück weg vom Profisport.
Aus diesem wird sich Sdunek am 30. Juni verabschieden. „Irgendwann ist’s eben vorbei, ein komisches Gefühl ist es aber schon.“ Im Spiel gegen Eisenach hat ihn die Wehmut beschlichen. „Da wurde mir bewusst, dass ich gerade zum letzten Mal mit Turnschuhen in der Porsche-Arena stehe.“