Dem TV Bittenfeld flattern die Nerven

Die große Frage vor der Partie beim Abstiegskandidaten war: Wie hat der TVB die bitteren Punktverluste gegen Nordhorn und Eisenach verkraftet? Die Antwort lieferten die 60 Minuten in der Hildesheimer Sparkassen-Arena am Donnerstag: Ganz offensichtlich äußerst schlecht. Die Verunsicherung im Team von Trainer Jürgen Schweikardt war stets präsent gegen einen Kontrahenten, der sich – natürlich – mit aller Macht gegen den Abstieg stemmt. „Der Gegner war gar nicht so nicht relevant“, sagte der grenzenlos enttäuschte Jürgen Schweikardt kurz nach dem Spiel. Anders ausgedrückt: Seine Spieler standen sich wieder einmal selbst im Weg.
Mit der schwachen Wurfquote haben die Bittenfelder schon längere Zeit zu kämpfen. Dieses Mal brachten sie nur rund die Hälfte ihrer Würfe im gegnerischen Tor unter. In Hildesheim zeigte sich dazu auch noch die Defensive, die gegen Eisenach über weite Strecken glänzend gestanden hatte, ungewohnt löchrig. 32 Tore jedenfalls sind den Hildesheimern in dieser Saison nur zweimal gelungen.
Ziemlich vogelwild startete die Partie vor rund 1200 Zuschauern, nach vier Minuten stand’s bereits 4:4. Michael Schweikardt sorgte beim 5:4 (8.) für die erste Bittenfelder Führung. Sicherheit indes brachte die nicht in die Aktionen – im Gegenteil: Der TVB leistete sich vier Fehlpässe in Folge, Hildesheim drehte die Partie binnen fünf Minuten zum 8:5 und legte nach 22 Minuten zum 14:10 vor. Den Bittenfeldern schien die Partie aus den Händen zu gleiten, der Abstiegskandidat indes hatte Sicherheit gewonnen und den Glauben an die Überraschung. Der Gast kam jedoch mit einem 6:0-Lauf zum 16:14 stark zurück. Mit einem direkt verwandelten Freiwurf besorgte Lars Friedrich die 17:15-Halbzeitführung. Der TVB hatte sich zurückgekämpft, musste aber kurz vor der Pause den verletzungsbedingten Ausfall von Tobias Schimmelbauer verkraften. Damit fehlte nach Richard Sundberg ein weiterer wichtiger Abwehrspieler.
Im ersten Angriff nach der Pause traf Simon Baumgarten zum psychologisch wichtigen 18:15 – und völlig unverständlich gerieten die Gäste im Anschluss komplett aus der Spur: Binnen 20 Minuten musste der starke Hildesheimer Keeper Robert Wetzel lediglich zweimal den Ball aus dem Netz holen. Zehn Fehlwürfe leistete sich der TVB in dieser Phase, darunter waren drei vergebene Siebenmeter und drei freie Würfe. Hinzu kamen drei technische Fehler. Beim 22:20 (50.) war Hildesheim zwangsläufig wieder im Vorteil. Sechs Minuten vor dem Ende schaffte Martin Kienzle beim 24:24 zwar noch mal den Ausgleich, doch in der Endphase flatterten dem TVB wieder die Nerven. Ein Doppelschlag des Heimteams zum 28:25 bedeutete zweieinhalb Minuten vor der Schlusssirene die Entscheidung, Hildesheim legte sogar noch nach zum 32:27. Dem TVB bleibt nun die Hoffnung auf Patzer der Konkurrenz am Samstag. Wollen die Bittenfelder indes am Saisonende auf einem Aufstiegsplatz stehen, müssen sie schleunigst an ihrem Nervenkostüm arbeiten.
Vielleicht kommen sie ja über Ostern zur Besinnung.

Eintracht Hildesheim: Wetzel, Kinzel; Struck (2), Nikolov (3), Stüber, Simon (6/3), Przybylski, Zechel (1), Lungela (1), Zufelde (7), Tzoufras (8), Herbold (4), Gorneac, Savvas.

TV Bittenfeld: Müller, Jerkovic; Schimmelbauer, Schöbinger (1), Kienzle (2), Nils Kretschmer, Weiß (6), Schweikardt (8/1), Friedrich (4), Baumgarten (4), Seiz, Heib, Finn Kretschmer (2).