„Davon lassen wir uns nicht unterkriegen“

Manchmal werden die schönsten Geschichten nicht zu Ende geschrieben. Wie jene am Freitagabend in der Stuttgarter Porsche-Arena. 6211 Handball-Fans waren Zeuge einer famosen Leistung Michael Schweikardts. Der Spielmacher der Bittenfelder, der sich normalerweise mit Toren eher zurückhält, traf aus allen Lagen. Seltsamerweise läuft er immer dann zur Höchstform auf, wenn es gegen seinen Ex-Club FA Göppingen oder Ex-Trainer Velimir Petkovic geht: In der vergangenen Saison scheiterte der TVB in der dritten DHB-Pokalrunde erst in der Verlängerung mit 36:29 an Göppingen, Schweikardt war siebenmal erfolgreich. Im Hinspiel in Eisenach traf er neunmal, steuerte unter anderem den 26:25-Siegtreffer bei. Am Freitag nun war der Regisseur mit zehn Treffern auf dem Weg zum Matchwinner, doch die Eisenacher drehten den 19:24-Rückstand in den finalen zehn Minuten zum 26:25-Sieg.

Entsprechend bedient war Michael Schweikardt nach dem Spiel. „Das ist ein ganz bitteres Ding“, sagte er. „Wir haben 55 Minuten lang ordentlich gespielt. Dass am Ende der falsche Gewinner aus der Halle geht, ist für uns natürlich sehr schade.“

Der TV Bittenfeld wäre nach dem Spielverlauf der logische Sieger gewesen. Doch weil sich im Sport nun einmal nicht alles erklären lässt, sei’s dahingestellt, ob der Eisenacher Sieg glücklich war oder doch auch ein Stück weit Folge zu vieler Unzulänglichkeiten auf Seiten des Gegners und damit verdient. „51 Minuten kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Wir hatten die derzeit beste Mannschaft der Liga im Griff und waren verdient mit fünf Toren vorne.“ Abgesehen davon, dass sich in den letzten neun Minuten alles Glück, das zu vergeben gewesen wäre, auf die Seite der Eisenacher geschlagen habe, hätten seine Spieler zu viele falsche Entscheidungen getroffen.

Der Trainer stellt sich der Kritik

Auch sich selbst nimmt der Trainer „nach der bittersten Niederlage meiner Karriere in einem so bedeutenden Spiel“ bei der Kritik nicht aus. Natürlich habe er darüber nachgedacht, Florian Schöbinger und Alex Heib ins Spiel zu bringen. „Ich habe mich anders entschieden, das war vielleicht ein Fehler.“ Trotz der unglücklichen Schlussphase hätte der TVB wenigstens einen Punkt retten können: Mit ein bisschen Cleverness hätten Michael Schweikardt, Simon Baumgarten und Florian Schöbinger den finalen Freiwurf der Eisenacher verhindern können.

Statt mit fünf Punkten geht der TVB nun mit nur einem Zähler Vorsprung in die letzten acht Saisonspiele. „Die Niederlage gegen Eisenach wird uns sicher noch eine Weile beschäftigen“, sagt Schweikardt. „Wir lassen uns davon aber nicht unterkriegen.“ Seine Mannschaft sei stark genug, jeden Gegner zu schlagen.

Eine schöne Geschichte, aus Eisenacher Sicht allerdings, hat der Freitagabend in der Porsche-Arena übrigens doch geliefert: Den Siegtreffer markierte ausgerechnet Aivis Jurdzs, der in den 59 Minuten zuvor nicht in Erscheinung getreten war. Der Grund für die schwache Leistung ist ein menschlicher: Schlafmangel, weil am Mittwoch die Tochter zur Welt gekommen war.