Nicht entscheidend, aber wegweisend

Die Porsche-Arena ist immer gut für einen magischen Moment. So erinnern sich die 6211 Fans gerne an das hochklassige Spiel am zweiten Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres, als der TVB den SC DHfK Leipzig mit 32:28 bezwang und bis auf einen Punkt an den Tabellenführer heranrückte.

Zehn Spieltage später stehen die Leipziger bei neun Punkten Vorsprung mit eineinhalb Beinen in der 1. Liga – und der TV Bittenfeld könnte an diesem Freitag einen riesengroßen Schritt dorthin machen. Dazu indes muss er sich mächtig strecken: Mit dem ThSV Eisenach gastiert das derzeit formstärkste Team – mit einem Kader, der in der Liga in der Breite und Spitze seinesgleichen sucht.

Die Bittenfelder brauchen nicht nur eine Top-Leistung, sondern mehr denn je die Fans im Rücken. Über 5800 Tickets waren bis Donnerstag verkauft. Gut möglich also, dass die Porsche-Arena wieder ausverkauft sein wird. „Wir spüren, dass die ganze Region hinter uns steht“, sagte der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt bei der Pressekonferenz vor dem Spiel. „Das macht uns stolz. Wir freuen uns riesig und werden alles reinwerfen.“ Seine Mannschaft sei seit Tagen hochkonzentriert und wisse um die große Chance, die sich ihr biete. „Natürlich entscheidet sich in diesem Spiel nichts, es ändert sich aber die Ausgangslage. Wir könnten einen großen Schritt in die richtige Richtung machen.“ Verlässt der TVB als Sieger die Porsche-Arena, hat er acht Spieltage vor Saisonschluss ein Polster von fünf Punkten auf die Aufstiegskonkurrenten.

Nach dem Abstieg aus der 1. Liga hatten die Eisenacher als Aufstiegsfavorit Nummer eins gegolten – und starteten mit 7:9 Punkten äußerst durchwachsen in die Saison. Die Verantwortlichen sahen das Saisonziel in Gefahr, trennten sich von Trainer Adalsteinn Eyolfsson und verpflichteten mit dem Ex-Göppinger Velimir Petkovic einen erfahrenen Coach, der den Thüringern tatsächlich neues Leben einhaucht. 27:3 Punkte holte Eisenach in den jüngsten 15 Spielen. Da können weder der TV Bittenfeld (20:10) noch der designierte Aufsteiger Leipzig (25:5) mithalten.

„Ich denke, Eisenach ist noch besser besetzt als Leipzig“, sagt Schweikardt. „Aber wir haben auch eine sehr gute Mannschaft.“ Der Gegner werde zwar mit viel Selbstvertrauen anreisen, sei aber keinesfalls unschlagbar, wie die Partien gegen Henstedt-Ulzburg und Essen gezeigt hätten. Beim 28:27 gegen den Aufsteiger hatte Eisenach große Mühe, beim Team des Ex-Bittenfelders Dennis Szczesny musste sich der ThSV mit 31:32 geschlagen geben. In Großwallstadt gab’s ein 24:24-Unentschieden.

Im Hinspiel hatten die Bittenfelder beim 26:25 knapp die Nase vorn – auch dank zweier Spieler, für die es ein besonderes Spiel war und die glänzten: TVB-Keeper Dragan Jerkovic trug von 2001 bis 2005 das Eisenacher Trikot, Michael Schweikardt spielte in Göppingen lange Jahre unter Petkovic. „Welche Wege sich irgendwann mal gekreuzt haben, das war diese Woche überhaupt kein Thema“, sagt Schweikardt. „Wir beschäftigen uns mit Details zum Spiel und wie wir taktisch vorgehen werden.“ Diesbezüglich kommt einiges auf die Bittenfelder zu. Schließlich sind die Eisenacher auf der einen oder anderen Position sogar dreifach besetzt.

Prunkstück ist der Rückraum. Auf der Spielmacher-Position kann Petkovic zwischen dem Ex-Bad Schwartauer Marcel Schliedermann und den routinierten Nationalspielern Tomas Sklenak (33/Tschechien) und Hannes Jon Jonnson (35/Schweden) wählen. Im linken Rückraum konkurrieren der Kapitän Daniel Luther und der wuchtige lettische Nationalspieler Aivis Jurdzs. Auf der anderen Seite ist Jan Forstbauer hinter den beiden Internationalen Dener Jaanimaa (Estland) und Girts Lilienfelds (Lettland) nur dritte Wahl. Der isländische Linksaußen Bjarki Elisson ist der zweitbeste Torschütze der Liga.

Bleibt noch zu klären, wer als Favorit in die Partie geht. Der Eisenacher Coach sieht den psychologischen Vorteil bei seinem Team. „Bittenfelder könnte sich absetzen“, sagte Velimir Petkovic gegenüber der Thüringer Allgemeinen. „Aber die wackelten in den letzten Spielen. Die sind unter Druck.“

Eine Aussage, die den Bittenfelder Coach nicht stört. „Das ist mir ganz recht“, sagt Schweikardt und schmunzelt. „Unter Druck haben wir unsere besten Spiele abgeliefert.“ Für Brisanz ist gesorgt – und für Top-Schiedsrichter auch: Christoph Immel und Ronald Klein zählen zu den Besten ihres Fachs.