2049 Fans im Rücken, aber ohne Heib

Das perfekte Spiel gibt es nicht, also fand auch der Bittenfelder Trainer nach dem 26:25-Sieg am Freitag in Großwallstadt das eine oder andere Haar in der Suppe. „Wir haben kein generelles Problem, es ging um ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen haben“, sagte Jürgen Schweikardt gestern bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Rimpar.

Außergewöhnlich viele Baustellen kann es auch kaum geben, ansonsten wären 15:1 Punkte in Serie und Rang drei wohl kaum möglich gewesen. Keine Frage: Der TVB ist voll im Plan und gut in Schuss. Das sollen auch die Wölfe aus Rimpar heute Abend in der Scharrena zu spüren bekommen. „Wir freuen uns sehr, dass die Halle zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft ist“, sagt Schweikardt. Dieser Umstand sei nicht nur darauf zurückzuführen, dass der Tabellenzweite gastiert. „Ich denke, wir haben in diesem Jahr guten Handball gespielt. Das honorieren die Leute.“

Bis in der vergangenen Saison wussten nur wenige etwas mit der knapp 8000-Seelen-Stadt Rimpar rund zehn Kilometer nördlich von Würzburg anzufangen. Aktuell sind die „Wölfe“, wie sich die unterfränkischen Handballer nennen, die wohl größte Überraschung im deutschen Profi-Handball: Als Tabellenzweiter steht die Sportgemeinschaft Deutsche Jugendkraft (DJK) auf einem Aufstiegsplatz – mit immerhin fünf Punkten Vorsprung auf Rang vier.

Seit Wochen wartet die Konkurrenz vergeblich auf einen Einbruch des Vorjahresvierzehnten, der seine zweite Zweitliga-Saison mit nahezu unverändertem Kader in Angriff nahm. Mit 8:0 Punkten erwischten die Wölfe einen Traumstart. Spätestens nach den Siegen in Nordhorn (28:25) und gegen Eisenach (24:22) war klar, welche Qualitäten Rimpar hat. Nach dem ersten Saisondrittel musste es sich lediglich beim TV Großwallstadt mit 18:24 geschlagen geben und hat stolze 24:2 Punkte gesammelt. Da kann bisher nur der punktgleiche Aufstiegsfavorit SC DHfK Leipzig mithalten.

Der Bittenfelder Gegner rückt zwar nach wie vor nicht von seinem Saisonziel „Ligaverbleib“. Jürgen Schweikardt ist jedoch überzeugt davon, dass Rimpar Lunte gerochen hat und vorne dabei bleiben möchte. „Das ist eine richtig starke Mannschaft, die es nicht mit Glück auf den zweiten Platz geschafft. Rimpar hat einen Lauf uns wird auch in der Scharrena mit viel Selbstvertrauen auftreten.“

Großen Anteil am Erfolg und an der „guten Struktur“ der Wölfe hat laut Schweikardt deren Trainer Jens Bürkle, der sozusagen der Leitwolf des Teams ist – und ein guter Kumpel des Bittenfelder Coaches. „Sicherlich ist es nicht alltäglich, gegen einen seiner besten Freunde zu spielen“, sagt Schweikardt. „Andererseits haben wir das ja schon zweimal gehabt.“

1:1 steht’s im Vergleich der beiden Freunde. Im Hinspiel der vergangenen Saison hatten die Bittenfelder in der Scharrena eine schmerzliche 25:28-Niederlage kassiert, im Rückspiel revanchierten sie sich 30:20-Sieg. Schweikardt glaubt, dass sich beide Mannschaften aktuell auf einem höheren Niveau bewegen als im Vorjahr. Deshalb dürften sich die Zuschauer auf ein spannendes Spiel freuen. „Rimpar ist zusammen mit Nordhorn unser bisher stärkster Gegner in der Scharrena, das wird ein zähes Ringen.“ In Ehrfurcht erstarren werde der TVB allerdings nicht. „Wir wissen, wie scher die Aufgabe ist“, sagt er. „Aber gehen auch mit der nötigen Gelassenheit ins Spiel und wollen unsere weiße Weste unbedingt behalten.“ Saisonübergreifend sind die Bittenfelder in Stuttgart seit nunmehr 17 Spielen ungeschlagen, die letzte Niederlage gab’s am 26. November 2013 beim 21:24 gegen Leipzig.

Personell muss der TV Bittenfeld vor diesem Highlight eine Hiobsbotschaft verkraften: Alexander Heib, der zusammen mit Michael Schweikardt die Fäden zieht im Bittenfelder Spiel, muss zwischen sechs bis zwölf Wochen pausieren. Die Supraspinatussehne in der Schulter hat einen kleinen Riss. Wird sie weiter belastet, könnte sie reißen und eine Operation wäre unumgänglich. Damit wäre die Saison für den 27-Jährigen gelaufen. Bis Weihnachten ist Schonung angesagt.

Für Heib und den nach wie vor verletzten Djibril M’Bengue (Reizung an der Plantarsehne) werden Alexander Bischoff und wahrscheinlich Tom Kuhnle aus dem Perspektivkader nachrücken.