Analysieren, aber nicht dramatisieren

Der VfL Bad Schwartau hatte vor zwei Wochen in eigener Halle mit 25:29 gegen den Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg verloren. Der TV Bittenfeld siegte mit 25:21 beim heimstarken HSC Coburg und düpierte anschließend den Erstliga-Absteiger TV Emsdetten mit 15 Toren Differenz: Theoretisch müsste da für die Bittenfelder bei Finn Kretzschmers Ex-Club doch etwas zu holen sein, dachten sich die Fans.

Von zwei Punkten indes war der TVB am Freitag so weit weg wie der VfB Stuttgart vom herzerfrischenden Angriffsfußball. Nach 42 Minuten, beim 17:24-Rückstand, war die Partie in der Lübecker Hansehalle zugunsten des VfL Bad Schwartau entschieden. Ebenso überraschend und enttäuschend natürlich auch für den Bittenfelder Coach. Bei der Videoanalyse am Montag gab’s jedenfalls deutlich mehr zu entdecken als nach dem famosen Spiel gegen Emsdetten. „Wenn man sich die Szenen genauer anguckt, kann man schon erkennen, dass vielleicht ein paar Prozent gefehlt haben“, sagt er.

Allen voran in der Defensive. „Ich denke, wir haben schon lange nicht mehr eine so schlechte Abwehr gespielt.“ Was nicht zuletzt an der Zahl der Gegentreffer abzulesen ist: Mehr als 35 Tore kassierten die Bittenfelder zuletzt am 9. Februar 2013 bei der 35:38-Niederlage in Aue.

Und das, nachdem die Bittenfelder gegen den TV Emsdetten schier unüberwindbar schienen. In den ersten 30 Minuten sei die Defensive in Lübeck noch einigermaßen gestanden, sagt der Trainer. „Dann haben wir komplett die Linie verloren.“ Entscheidend seien die zwölf schwachen Minuten nach der Pause gewesen. Nach dem Rückstand habe der TVB sein gewohntes System verlassen müssen. „Wir mussten ja etwas probieren.“ Doch weder die 5:1-Formation noch die kurze Deckung gegen Jan Schult brachte den TVB in die Spur zurück – im Gegenteil: Es kam zu erheblichen Abstimmungsproblemen, zudem erwischten die Torhüter keinen so guten Tag.

Und der Angriff sah sich heftigerer Gegenwehr ausgesetzt als gegen Emsdetten, das die Bittenfelder mehr oder weniger hat frei gewähren lassen. „Wenn so viele Faktoren zusammenkommen, reicht es gegen einen solchen Gegner eben nicht“, sagt Schweikardt. Schließlich zähle der VfL Bad Schwartau vor allem zu Hause zu den besten Teams der Liga.

Nach drei Siegen und zwei Niederlagen steht der TVB mit 6:4 Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Von einem durchwachsenen Saisonstart möchte Jürgen Schweikardt allerdings nichts wissen, er bewertet ihn vielmehr als „ordentlich“. In Leipzig und Bad Schwartau zu verlieren sei kein Beinbruch. „Ich denke, dort werden nicht allzu viele Mannschaften gewinnen. Wir müssen die Niederlage analysieren, dürfen die Lage aber nicht dramatisieren.“

Indes: Um den Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht zu verlieren, sollten die Bittenfelder in den nächsten drei Partien gegen die beiden Aufsteiger TSV Bayer Dormagen und Eintracht Baunatal sowie die HG Saarlouis eigentlich keine Punkte liegen lassen. „Wir wissen, dass wir uns jeden Sieg hart erarbeiten müssen“, sagt der Trainer. Spiele wie gegen Emsdetten seien eher die Ausnahme.

Dormagen wird am Freitag (20 Uhr) nach zwei Siegen in Folge befreit und selbstbewusst in der Scharrena auftreten.