„Sollte uns nicht aus der Bahn werfen“

Nach der 25:27-Pokalniederlage am Mittwoch waren die Bittenfelder zum Punktspielauftakt gegen denselben Gegner hochmotiviert – und zeigten sich 18 Minuten lang von ihrer besten Seite. 8:2 führte der TVB gegen den bis dahin ratlosen Mitaufstiegskandidaten. Der TVB-Trainer war von der starken Abwehrleistung seiner Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt angetan. „Wir hatten uns vor dem Spiel vorgenommen, alles reinzuwerfen“, sagt Jürgen Schweikardt. Das gelang eindrucksvoll, die Bittenfelder betrieben einen immensen Aufwand. Der indes wurde am Ende nicht belohnt, die Partie dauerte aus Sicht des TVB schlichtweg ein bisschen zu lang.

Die personellen Voraussetzungen für einen Kraftakt waren alles andere als gut. Außer den Langzeitverletzten Simon Baumgarten und Patrik Kvalvik fiel – wie schon im Pokalspiel – Dominik Weiß aus. Dabei hatten die Bittenfelder fest damit gerechnet, dass der kränkelnde Rückraumspieler bis Samstag wieder bei Kräften sein würde.

Ohne diese drei abwehrstarken Spieler hatte sich der Coach im Vorfeld ein bisschen Sorgen gemacht um seine Defensive, doch die strafte ihn zunächst Lügen. Einen sehr guten Eindruck hinterließ der junge Neuzugang Richard Sundberg, der sich in der Abwehr – wie Keeper Dragan Jerkovic – Bestnoten verdiente.

Nicht mal die Hälfte der Würfe findet den Weg ins Tor

Die Probleme der Bittenfelder lagen am Samstag vielmehr im Angriff. So landeten in den zweiten 30 Minuten lediglich rund 40 Prozent der Würfe im Tor des SC DHfK Leipzig. Am Ende standen nur 19 Treffer zu Buche, damit ist kaum ein Spiel in der 2. Liga zu gewinnen.

Die schwache Wurfquote lag zum einen am ausgezeichneten Leipziger Keeper Felix Storbeck, aber auch am überschaubaren Personal des TVB. Ohne Baumgarten und Weiß fehlten die Alternativen und die Durchschlagskraft. Lars Friedrich und Michael Schweikardt, die am Mittwoch im Pokal laut Trainer Jürgen Schweikardt noch sehr gut gespielt hatten, hätten „keinen ganz so guten Tag“ erwischt. „Außerdem haben wir unsere Ballgewinne in den ersten 30 Minuten zu selten in Kontertore umsetzen können.“ In den zweiten 30 Minuten ließen beim TVB die Kräfte und die Konzentration nach, Leipzig profitierte von seinem breiteren Kader und erkämpfte sich Vorteile. Gegen Ende der Partie hatten die Sachsen deutlich mehr zuzusetzen. In Bestbesetzung, da ist sich Jürgen Schweikardt sicher, hätte sein Team sein hohes Niveau aus der Anfangsphase länger halten können.

So blieb den Bittenfeldern nach 60 Minuten beim 19:23 nichts als der Trost, gegen einen heißen Aufstiegskandidaten 52 Minuten lang (18:19) sehr gut dagegengehalten zu haben. „Es soll keine Ausrede sein, aber uns hat auch das Quäntchen Glück gefehlt“, sagt der Coach. Alleine sechsmal traf der TVB den Pfosten. Das seien die vielzitierten paar Prozent, die über Sieg und Niederlage entschieden.

Das Aus im DHB-Pokal, eine Niederlage zum Saisonauftakt: Müssen sich die erwartungsvollen Fans bereits Sorgen machen um den TVB? „Nein“, sagt der Trainer. „Diese beiden Niederlagen sollten uns nicht aus der Bahn werfen.“ Damit habe gerechnet werden müssen. „Wir haben auswärts gegen einen der beiden Top-Favoriten verloren, der zudem – im Gegensatz zu uns – in Bestbesetzung angetreten ist.“ Von diesem Zustand können die Bittenfelder derzeit nur träumen. Wann Baumgarten und Kvalvik ihr Comeback feiern werden, ist ungewiss. Zumindest Dominik Weiß jedoch sollte bis zum Heimspiel am Freitag (20 Uhr) gegen den EHV Aue wieder einsatzfähig sein.

Entwarnung gab’s derweil bei Finn Kretschmer. Der Rechtsaußen schied in Leipzig nach 40 Minuten mit einem schmerzhaften Pferdekuss aus, er soll aber dieser Tage wieder ins Training einsteigen.