„Wir haben vieles richtig gemacht“

Minutenlang feierten die 2049 Bittenfelder und Bietigheimer Fans ihre Teams nach dem finalen Saisonspiel in der Stuttgarter Scharrena, die Spieler bedankten sich artig für die Unterstützung von den Rängen. Da legte sich plötzlich „der Lange“, wie sie Dominik Weiß in Bittenfeld rufen, flach. Der Kreislauf spielte nicht mehr mit.
Die Sanitäter eilten zu Hilfe, nach ein paar Minuten war der Rückraumspieler wieder auf den Beinen.

Diese Szene war irgendwie symptomatisch: Bis zuletzt gaben die Bittenfelder alles, wollten ihre bärenstarke Rückrunde unbedingt mit dem Aufstieg krönen – und mussten sich doch hauchdünn geschlagen geben.

Es ist nicht lange her, da hatten die Bittenfelder schon einmal vom Aufstieg in die beste Liga der Welt geträumt. In der Saison 2012/2013 gingen sie mit 24:12 Punkten und auf Rang drei in die WM-Pause. In der Rückserie schwächelte der TVB, am Ende fehlten dem Tabellensiebten elf Punkte zu den Aufstiegsrängen.

Nun war Bittenfeld deutlich näher dran. Das freut den Trainer einerseits. „Wir sind absolut zufrieden“, sagt Jürgen Schweikardt. „Im November waren wir noch unter ferner liefen.“ Ein klein wenig mehr Stabilität in der Hinrunde hätte bereits gereicht zum Aufstieg. „Mindestens zwölf“ Minuspunkte fallen dem Trainer ein, die nicht hätten sein müssen. Er denkt dabei vor allem an die schlechte Bilanz gegen die Mannschaften aus dem hinteren Tabellendrittel, aber auch die Unentschieden in Rostock und Aue. „Was uns fehlte, war ein dreckiger Sieg.“ Ein Spiel, das der TVB für sich entschieden hat, obwohl er an diesem Tag das schlechtere Team war.

„Entweder waren wir besser und haben gewonnen oder wir waren schlechter und haben verloren.“ Über den einen oder anderen Ausreißer nach unten, auch in der Rückrunde, ärgert sich Schweikardt auch jetzt noch. Andererseits könne niemand davon ausgehen, ohne schlechte Spiele durch die Saison zu kommen. „In einer so ausgeglichenen Liga braucht man am Ende einfach auch das nötige Glück, um oben zu stehen.“

Das war dem TVB nicht hold in der spannenden Schlussphase der Saison, die dem Trainer dennoch wichtige Erkenntnisse brachte. „Die Einstellung der Mannschaft war super.“ In der Hinrunde indes hatte der Coach nicht immer diesen Eindruck. Nach dem einen oder anderen Negativerlebnis hätten die Spieler möglicherweise nicht mehr daran geglaubt, oben mitspielen zu können. „Es sollte uns eine Lehre sein, dass es nie zu spät ist.“

Sehr gut gefallen hat Schweikardt die Entwicklung einiger Spieler. So habe Dominik Weiß einen großen Schritt nach vorne gemacht, auch bei Michael Schweikardt sei’s nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser gelaufen. Die jungen Spieler wie Martin Kienzle, Djibril M’Bengue oder Michael Seiz seien präsent gewesen, als sie gebraucht wurden. Nichts zu mäkeln gab’s aus Trainersicht auch an den Torhütern, die sich in der Rückrunde stabilisiert hätten.

Auch abgesehen vom sportlichen Erfolg habe alles gepasst. „Ich bin stolz darauf, wie sich alle im Umfeld reinhängen.“ Die Zuschauerresonanz sei hervorragend, die Sponsoren blieben dem TVB treu.

Auch auf der Trainerposition wird es nun doch keine Veränderung geben. „Meine Doppelfunktion sollte eigentlich keine Dauerlösung sein“, sagt Jürgen Schweikardt. Um die Jahreswende hätten sich die Verantwortlichen des TVB Gedanken gemacht. „Was wir uns vorgestellt hatten, ließ sich aber nicht realisieren.“ Also zog der TVB den Plan B aus der Schublade. „Die Gesellschafter traten an das Trainerteam mit dem Wunsch heran, die Verträge um ein weiteres Jahr zu verlängern, weil’s ja ganz ordentlich lief“, sagt Schweikardt, der zusammen mit seinem Assistenten Karsten Schäfer die A-Lizenz in Angriff nehmen wird. Mit den Ex-Nationalspielern Florian Kehrmann und Volker Zerbe haben die beiden prominente Mitschüler.

Vor der Paukerei indes ist Entspannung angesagt beim Trainerteam. Für ein paar Tage ging’s auf den obligatorischen Mallorca-Ausflug, jetzt kommt die Familie zu ihrem Recht. Drei Wochen dürfen die Spieler ihre Beine hochlegen, ehe sie sich mit einem individuellen Trainingsplan auf die neue Saison vorbereiten werden. Am 4. Juli startet der TVB mit dem Mannschaftstraining. Bereits am 20. August steht der DHB-Pokal auf dem Plan, das erste Punktspiel werden die Bittenfelder am 23. oder 24. August in Leipzig bestreiten.

Am Kader wird sich nichts Entscheidendes mehr ändern. Die Verträge mit den Torhütern Jürgen Müller und Dragan Jerkovic sind noch vor dem letzten Saisonspiel verlängert worden. Damit ist lediglich noch offen, wer Dennis Szczesny ersetzen wird.

Einer der Kandidaten ist Patrik Kvalvik. Der 30-Jährige hat beim Erstliga-Absteiger TV Emsdetten keinen Vertrag mehr bekommen. Zweimal bereits war der Schwede zu Gast in Bittenfeld – und schwärmte gegenüber den Ruhr Nachrichten: „In Bittenfeld ist alles wirklich sehr professionell, ich habe gute Gespräche geführt.“ Schweikardt bestätigt das Interesse am schwedischen Defensiv-Experten. „Dennis Szczesny war ein wesentlicher Part in unserer Abwehr, Kvalvik könnte uns da sicher weiterhelfen.“ Die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen.