„Alle Spieler hängen sich voll rein“

Am 22. März, am 25. Spieltag, hätten die Bittenfelder mit einem Sieg in Leipzig bis auf zwei Punkte an die Aufstiegsplätze heranrücken können. Sie unterlagen mit 26:32, erholten sich von diesem Rückschlag aber prächtig und ließen 11:3 Punkte folgen. Eine Ausbeute, mit der sie die Konkurrenten unter Druck setzten.

Das Dumme aus Sicht des TVB war allerdings, dass die SG BBM Bietigheim (12:2 Punkte) und der SC DHfK Leipzig (10:4) ebenfalls kaum Schwächen zeigten. Auch nicht am jüngsten Spieltag:

Beide legten am Samstag vor, so traten die Bittenfelder am Sonntag leicht gefrustet ob der Mini-Aufstiegschance gegen die HG Saarlouis an. Der Gegner indes kam nach dem gewonnenen Abstiegsduell gegen den TV Hüttenberg am Mittwoch mit neuem Selbstvertrauen in die Scharrena – und mit einem Trainer, der sich für die Bittenfelder etwas ganz Besonderes hat einfallen lassen.

„Das ist ein paar Mal in die Hose gegangen“

Vom Anpfiff weg nahm Goran Suton seinen Torhüter aus dem Spiel und schickte – im eigenen Angriff natürlich – den siebten Feldspieler auf den Platz. „Das ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. Diese Maßnahme zeige, mit welchem Respekt die HG Saarlouis der TVB-Abwehr entgegengetreten sei.

„Wir wollten die Bittenfelder Defensive mit unserer Überzahl an den Kreis zurückdrängen und dadurch Platz schaffen für unseren Rückraum“, sagte der Saarlouiser Trainer Goran Suton bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Das ist uns ein paar Mal gelungen, es ist aber auch ein paar Mal in die Hose gegangen.“ Sprich: Seine Spieler vertändelten den Ball und die Bittenfelder hatten freie Bahn aufs Tor, sofern der HG-Keeper nicht schnell genug zurück war. Kurzum: So richtig funktioniert hat Sutons Schachzug nicht. Dennoch verteidigte der Coach seine risikoreiche Taktik. „Wenn man unten drin steht, muss man einfach etwas versuchen.“

Unterm Strich war’s ein Rückschlag für die HG, die mit der Niederlage in der Scharrena nach Minuspunkten auf einen Abstiegsplatz rutschte. Am Wochenende sind die Saarländer spielfrei, die Chance auf den Ligaverbleib ist aber noch da. So wünschte der Moderator Jens Zimmermann dem Saarlouiser Trainer am Ende der Pressekonferenz in der Scharrena viel Glück für die verbleibenden beiden Spiele. „Draußen wartet schon der Bus“, sagte Zimmermann und grinste. Der des 1. FC Saarbrücken. „Da weiß ich nicht, ob das ein gutes Omen ist, schließlich ist der FC gerade aus der 3. Liga abgestiegen.“

Goran Suton nahm die kleine Spitze mit Humor, sein Trainerkollege hatte noch bessere Laune. „Ich rechne meiner Mannschaft die Leistung hoch an“, sagt Jürgen Schweikardt. Nach den Resultaten am Samstag war klar, dass der TVB seine Ausgangsposition selbst bei einem Sieg nicht verbessern würde. „Die Spieler waren trotzdem motiviert und haben sich voll reingehängt.“

Auch wenn die Aussichten auf Rang drei nicht mehr gut sind und es aller Voraussicht nach nichts werden wird mit dem Aufstieg: Der Coach hat eine „deutliche Weiterentwicklung“ gesehen. Immerhin haben die Bittenfelder drei Spieltage vor Schluss bereits drei Punkte mehr gesammelt als zum Ende der vergangenen Saison. Zudem ist der TVB mit acht Verlustpunkten nach Friesenheim (5) und Bietigheim (7) die drittbeste Rückrundenmannschaft der Liga. „Solange die Chance noch besteht, werden wir um Rang drei kämpfen.“ Gut möglich, dass sich der Aufstieg für den TVB nach dem kommenden Spieltag – selbst bei einem Sieg gegen Leutershausen – erledigt hat. „Dann kämpfen wir um unser Saisonziel, Rang sechs.“ Den siebten Platz und damit die Vorjahresplatzierung hat der TVB bereits sicher.

Premiere für Tom Kuhnle aus dem Perspektivteam

Am Sonntag standen mit Alexander Bischoff und Tom Kuhnle gleich zwei Spieler aus dem Perspektivteam im Kader. Bischoff rückte für den verletzten Simon Baumgarten ins Team und entlastete, wie schon in Erlangen, Florian Schöbinger am Kreis. Für Kuhnle war’s die Liga-Premiere. „Und die Belohnung für seine konstant guten Leistungen im Perspektivteam“, so Schweikardt. Tags zuvor hatte Kuhnle die Württembergliga-Partie beim 36:35 in Schmiden fast im Alleingang entschieden.

Etwas überraschend nicht auf dem Spielberichtsbogen stand Djibril M’Bengue, der mit Zweifachspielrecht zeitgleich für den TSB Schwäbisch Gmünd am Ball war. „Wir haben uns lange unterhalten, ihn dann aber freigegeben“, sagt Schweikardt. „Es bringt ihn weiter, wenn er dort Verantwortung übernehmen muss.“

Ein Sonderlob gab’s für Dominik Weiß, mit sieben Toren erfolgreichster TVB-Werfer gegen Saarlouis. „Er spielt eine sehr gute Rückrunde und hat sich super entwickelt“, sagt Schweikardt. „Er wird ja vom Umfeld viel gescholten.“