„Es ist wichtig, dass alle Spielpraxis haben“

Ziemlich bedröppelt blickte Runar Sigtryggsson, Trainer des hoffnungslos unterlegenen EHV Aue, bei der Pressekonferenz unmittelbar nach dem Spiel in der Scharrena drein. Seinen Humor indes hatte der Isländer nicht verloren. „ Vor eineinhalb Wochen waren wir in Bietigheim, jetzt in Stuttgart“, sagte es. „Es ist eine wirklich schöne Gegend hier. Von unseren Ergebnisse kann man das nicht sagen.“

Wohl wahr. Zweimal in den 60 Minuten hatten die Bittenfelder mit elf Toren Differenz geführt und beste Chancen, sich nach der TSG Friesenheim die zweitbeste Trefferquote zu sichern. Nach 40 Minuten indes ließ der TVB die letzte Konsequenz vermissen und damit die große Chance liegen. Mit 44 Treffern ist der TVB jetzt im Soll und damit genauso gut wie der Tabellenzweite SG BBM Bietigheim.

Der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt hätte es auch lieber gesehen, wenn seine Spieler den einen oder anderen Treffer draufgelegt hätten. „Sicherlich ist das Torverhältnis wichtig“, sagt er. „Aber genauso wichtig für unseren Erfolg ist’s, dass alle Spieler zu Einsatzzeiten kommen.“ Sollte sich ein Spieler verletzen, müssten die aus der zweiten Reihe in die Bresche springen. Und dazu brauchten sie Spielpraxis. Dass es Mitte der zweiten 30 Minuten nicht mehr so rund lief, habe jedoch nicht ausschließlich an den eingewechselten Spielern gelegen. „Alle haben einen Gang zurückgeschaltet, auch diejenigen, die in der ersten Halbzeit auf dem Platz standen.“

Sehr gut gefallen hat dem Coach, wie seine Mannschaft in den ersten 30 Minuten aufgetreten ist – allen voran im Angriff. Wann immer es sich ergeben habe, sei das Tempo angezogen worden. In der Defensive indes hat er trotz der lediglich zwölf Gegentreffer die eine oder andere Schwäche gesehen. Noch durchlässiger war die Abwehr ausgerechnet in der Phase, nachdem Dragan Jerkovic eingewechselt worden war. Schon bei seinem Pflichtspiel-Debüt in Leipzig hatte die TVB-Abwehr den 38-Jährigen mehr oder weniger im Regen stehen lassen. Gegen Aue dagegen kam Jerkovic nach den ersten beiden etwas unglücklichen Bällen so richtig in Fahrt – was seinen Trainer sehr freut. „Dragan war sehr nervös“, sagt Schweikardt. „Er wollte unbedingt zeigen, dass seine Verpflichtung gerechtfertigt war.“ Weil auch Jürgen Müller gut hielt, hatte der TVB auf der Torhüterposition ein klares Plus.

Das dürfte auch dem Trainer des nächsten Bittenfelder Gegners nicht entgangen sein, der die Partie des TVB vor Ort verfolgte. Am Samstag wird’s zum zweiten Mal in dieser Saison ein Wiedersehen geben mit dem Ex-Bittenfelder Jens Bürkle, Coach des DJK Rimpar Wölfe. Ans Hinspiel erinnern sich die Bittenfelder ungern, unterlagen sie doch in der Scharrena überraschend mit 25:28. „Rimpar wird sicher anders auftreten als Aue“, sagt Schweikardt.